| »Mit klaren Positionen kann man die Leute begeistern«

Oktober 2020
Gespräch mit Luigi Pantisano

Was kann die Linke aus der erfolgreichen Kampagne zur OB-Wahl in Konstanz lernen?

Luigi Pantisano konnte bei der Oberbürgermeisterwahl in Konstanz einen beachtlichen Erfolg erzielen. Im ersten Wahlgang erhielt er 38,3 Prozent und damit die meisten Stimmen aller Bewerber. Bei der Stichwahl am 18. Oktober konnte er weitere Wähler*innen hinzugewinnen und erreichte 45,1 Prozent. Wir haben mit ihm über die Bedingungen seines Erfolgs und linken Wahlkampf in einer konservativen Hochburg gesprochen.
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| Der fünfjährige Kampf von Bernie Sanders

Oktober 2020
Von Matt Karp

Warum er verlor und was das für uns bedeutet – eine Analyse

An einem milden Nachmittag im April 2015, inmitten der ideologischen Todeszone der zweiten Amtszeit von Barack Obama, verließ Bernie Sanders seinen Arbeitsplatz im Senat und schlenderte über den Rasen vor dem Kapitol in Washington D.C. Mit einem zerknitterten Notizblatt in der Hand erläuterte er der Presse in weniger als zehn Minuten die Beweggründe für seine Präsidentschaftskandidatur:
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| EAT THE RICH

September 2020
Von Volker Lösch

Tabu Reichtum

Vor zehn Jahren habe ich am Schauspielhaus Hamburg das Stück „Marat/Sade“ von Peter Weiss inszeniert. 20 Hartz IV-Empfänger*innen erzählten darin aus ihrem Alltag. Am Ende skandierte die Gruppe der Armen chorisch einen Weiss-Text, der durchsetzt war mit Namen und Vermögen der reichsten Hamburger*innen – abgeschrieben aus dem „Manager-Magazin-Spezial“. Das löste einen Theaterskandal aus. Die Senatorin von Hamburg versuchte, meine Inszenierung zu verbieten, und einige Reiche erließen einstweilige Verfügungen gegen ihre Namensnennung. Ohne es zu wissen, hatten wir an ein Tabu gerührt. Über Armut darf man reden, über Reichtum hat man zu schweigen.
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| Kaliforniens apokalyptische »zweite Natur«

September 2020
Von Mike Davis

Auf dem Weg von Los Angeles nach Las Vegas, rund 20 Minuten vor der Bundesstaatsgrenze entfernt, führt eine Highway-Ausfahrt zu einer zweispurigen Asphaltstraße namens Cima Road. Sie ist das unscheinbare Tor zu einem der magischsten Wälder Nordamerikas: Unendliche Meilen von uralten Josuabäumen bedecken ein Feld kleiner Vulkane aus dem Pleistozän, das als Cima Dome bekannt ist. Diese Könige des Waldes sind 45 Fuß (ca. 14 Meter) hoch und 1 000 Jahre alt. Mitte August verbrannten schätzungsweise 1,3 Millionen dieser beeindruckenden Riesen-Yuccas in den durch Blitzschlag verursachten Bränden.  
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| Plädoyer für selektive De-Globalisierung

September 2020
Von Stefan Schmalz

Bereits vor der Corona-Krise war offenkundig: Der Globalisierungsschub seit den 1980er Jahren ist ins Stocken geraten. Harte ökonomische Indikatoren zeugen von diesem Trend. Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 wuchs der Welthandel nur noch schleppend, die internationalen Direktinvestitionen fielen seit 2015 um über die Hälfte. Hinzu kamen neue Konflikte. Ereignisse wie das Brexit-Votum oder der US-amerikanisch-chinesische Handels- und Wirtschaftskrieg verdeutlichen, dass vermehrt Grenzen gezogen werden und Barrieren entstehen.
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Class & Care »

| Von wegen Kostenexplosion. Möglichkeiten einer solidarischen Krankenhausfinanzierung

Gespräch mit Volker Gernhardt

Die Corona-Krise hat die Probleme des derzeitigen Gesundheitssystems deutlich zutage treten lassen. Eines der wichtigsten Themen ist die Frage der Krankenhausfinanzierung. Derzeit läuft diese über ein System von Fallpauschalen (DRG, Diagnosis Related Groups), das einen permanenten Kostendruck in den Kliniken verursacht. Ob diese Art der Finanzierung erhalten bleiben soll – darum wird aktuell viel gestritten.
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Re:Organisieren »

| Streiken und Gewinnen lernen

Von Eric Blanc

Ein Organizingkurs ist für sich genommen in der Regel keine große Nachricht wert. Die Strike School, die am 13. Oktober zum Abschluss kam, stellt aber eine Ausnahme dar. Unter Anleitung der Gewerkschafterin Jane McAlevey brachte der von der Rosa-Luxemburg-Stiftung ausgerichtete Kurs mehr als 3 000 Personen aus 70 verschiedenen Ländern zusammen. Ihr Ziel: gemeinsam um die richtigen Methoden zu ringen, mit denen sich die Macht der arbeitenden Klasse wiederaufbauen lässt, und die herrschenden Kräfte herausfordern und besiegen lassen.
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Rechtspopulismus »

| Der Elefant der Geschichte im Saal C24

Von Friedrich Burschel

Wie das Denken an die Opfer von Halle das Gedenken an die Shoah aufruft

«Das Gericht muss verstehen, dass die Shoah zwar vorbei, aber weiter wirksam ist», forderte die Rabbinerin Rebecca Blady, die am 9. Oktober 2019 in der Synagoge in Halle während eines antisemitischen Anschlags mit 50 weiteren Gläubigen um ihr Leben fürchtete. Mit dem Attentat und seiner gerichtlichen Aufarbeitung wird die von Blady beschworene Gegenwart der Shoah und anderer deutscher Massenverbrechen überdeutlich. Eine Gegenwart, die auch die 247 Stolpersteine zum Gedenken an während der Nazi-Zeit ermordete Bürger*innen der Stadt dokumentieren. Einige davon in der unmittelbaren Umgebung der Synagoge in der Humboldtstraße im Paulusviertel.
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