Sozial-Ökologie/Klima

Ökosozialismus – äußerst populär

Wollen wir die sozialökologische Krise bewältigen, müssen wir nicht weniger als die demokratische Kontrolle über Finanzwesen und Produktion gewinnen. Das mag utopisch wirken. Doch es gibt dafür große Unterstützung.

Veröffentlicht am 01. November 2026

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts stehen wir vor einer doppelten Krise. Der Klimawandel und verschiedene andere Belastungen des Erdsystems überschreiten die planetaren Grenzen in gefährlichem Ausmaß. Zugleich haben mehrere Milliarden Menschen keinen Zugang zu grundlegenden Gütern und Dienstleistungen. Mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung können sich keine nahrhaften Lebensmittel leisten, 50 Prozent verfügen nicht über sicher betriebene sanitäre Einrichtungen, 70 Prozent haben keinen Zugang zu einer ausreichenden Gesundheitsversorgung.

Die Entbehrungen sind in der Peripherie am stärksten ausgeprägt, wo imperialistische Dynamiken der Strukturanpassung und des ungleichen Austauschs weiterhin Armut und Unterentwicklung aufrechterhalten. Doch auch im Zentrum, etwa in den USA kann sich fast die Hälfte der Bevölkerung keine Gesundheitsversorgung leisten, in Großbritannien leben 4,3 Millionen Kinder in Armut, in der Europäischen Union sind 90 Millionen Menschen von wirtschaftlicher Unsicherheit betroffen. Diese Formen der Armut sind von gravierenden Ungleichheiten basierend auf ethnischer Zugehörigkeit und Geschlecht durchwoben.

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Dieser Beitrag erschei ist eine Vorveröffentlichung aus dem Heft "Last Exit Ökosozialismus", das im Erscheinen ist.

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Kein politisches Programm, das verspricht, die ökologische Krise zu analysieren und zu bewältigen, kann auf Erfolg hoffen, wenn es nicht im selben Zug auch die soziale Krise analysiert und bewältigt. Der Versuch, das eine ohne das andere anzugehen, lässt grundlegende Widersprüche bestehen und wird letztlich Monster hervorbringen. Tatsächlich nehmen solche Monster bereits Gestalt an.

Für das Kapital besteht der Hauptzweck der Produktion nicht darin, bestimmte menschliche Bedürfnisse zu befriedigen oder sozialen Fortschritt zu erzielen, geschweige denn konkrete ökologische Ziele zu erreichen. Vielmehr besteht das übergeordnete Ziel darin, den Gewinn zu maximieren und zu akkumulieren. Im Ergebnis ist das kapitalistische Weltsystem durch verkehrte Formen der Produktionsformen gekennzeichnet. Das Kapital lenkt Finanzmittel in hochprofitable Produktionszweige wie Geländewagen, industrielle Fleischproduktion, Fast Fashion, Waffen, fossile Brennstoffe und Immobilienspekulation, während es gleichzeitig immer wieder chronische Engpässe bei notwendigen Gütern und Dienstleistungen wie öffentlicher Nahverkehr, öffentliche Gesundheitsversorgung, nahrhafte Lebensmittel, erneuerbare Energien und bezahlbarer Wohnraum erzeugt. Diese Dynamik zeigt sich innerhalb der einzelnen Volkswirtschaften, weist aber auch eindeutige imperialistische Dimensionen auf. Land, Arbeitskräfte und Produktionskapazitäten im gesamten Globalen Süden sind in globale Rohstoffketten eingebunden, die von Unternehmen aus dem Norden dominiert werden: Bananen für Chiquita, Baumwolle für Zara, Kaffee für Starbucks, Smartphones für Apple und Coltan für Tesla, alles zum Nutzen des Zentrums, alles zu künstlich gedrückten Preisen – anstatt den lokalen Bedarf an Nahrungsmitteln, Wohnraum, Gesundheitsversorgung, Bildung und Industriegütern zu decken. Die Kapitalakkumulation im Zentrum hängt davon ab, dass der Peripherie Arbeitskräfte und Ressourcen entzogen werden (Hickel u.a. 2020).

Es sollte daher nicht verwundern, dass trotz eines insgesamt extrem hohen Produktionsniveaus – und eines Energie- und Materialverbrauchs, der die ökologischen Belastungen weit über sichere und nachhaltige Grenzen hinaustreibt – Armut in der kapitalistischen Weltwirtschaft nach wie vor weit verbreitet ist. Der Kapitalismus produziert zwar zu viel, aber auch nicht genug vom Richtigen. Der Zugang zu lebensnotwendigen Gütern und Dienstleistungen wird durch deren Kommodifizierung eingeschränkt, und da das Kapital bei jeder sich bietenden Gelegenheit bestrebt ist, die Arbeitskosten zu senken – insbesondere in der Peripherie –, wird der Konsum der Arbeiterklasse eingeschränkt.

Wohlstand für alle

All diese produktiven Tätigkeiten könnten jedoch auch auf andere Ziele ausgerichtet werden. Hätten die Arbeiter*innen und Bäuer*innen die kollektive Kontrolle über die Produktionsmittel, könnten sie problemlos das „Wohl aller“ gewährleisten. Massenarmut, Entbehrungen und die künstlich erzeugten Knappheiten, die den Kapitalismus kennzeichnen, könnten mehr oder weniger unmittelbar überwunden werden.

Es wäre nur ein geringer Anteil der gesamten globalen Produktionskapazität erforderlich, um allen Menschen auf der Erde ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Angesichts der ökologischen Krise müssen wir uns jedoch einer zweiten Herausforderung stellen: Wir müssen Wohlstand für alle erreichen und gleichzeitig den Gesamtverbrauch an Energie und Rohstoffen (insbesondere im Zentrum) senken, um eine ausreichend schnelle Dekarbonisierung zu ermöglichen und die Weltwirtschaft wieder innerhalb der planetaren Grenzen zu halten (Hickel u.a. 2022). Technologische Innovationen und Effizienzsteigerungen sind hierfür von entscheidender Bedeutung, doch müssen Länder mit hohem Einkommen auch weniger notwendige Produktionsformen zurückfahren, um den übermäßigen Energie- und Materialverbrauch direkt zu senken (Hickel 2023a).

Wenn es dem Kapitalismus schon immer unmöglich war, das Ziel Wohlstand für alle zu erreichen, dann kann er das zweite Ziel ganz sicherlich nicht erreichen. Dies ist strukturell unmöglich, da es seiner grundlegenden Logik widerspricht, die Gesamtproduktion unbegrenzt zu steigern als Voraussetzung für eine immer fortwährende Akkumulation.

Es ist klar, was zu tun ist: Wir müssen eine demokratische Kontrolle über das Finanzwesen und die Produktion erreichen und diese an dem doppelten Ziel von Wohlstand und Ökologie ausrichten. Dies setzt voraus, dass wir zwischen der gesellschaftlich notwendigen Produktion, die für den gesellschaftlichen Fortschritt gesteigert werden muss, und den zerstörerischen und weniger notwendigen Produktionsformen unterscheiden, die dringend zurückgefahren werden müssen. Dies ist die revolutionäre, weltgeschichtliche Aufgabe, vor der unsere Generation steht.

Wie würde eine solche Wirtschaft aussehen?

Einige Ziele stechen besonders hervor. Um die soziale Grundlage zu sichern, müssen wir zunächst die universellen öffentlichen Dienstleistungen ausbauen und von der Kommerzialisierung befreien. Damit meine ich sowohl das Gesundheits- und Bildungswesen als auch das Wohnen, den öffentlichen Nahverkehr, die Energie- und Wasserversorgung, das Internet, Kinderbetreuung, Freizeiteinrichtungen und nahrhafte Lebensmittel für alle. Wir müssen unsere Produktivkräfte mobilisieren, um sicherzustellen, dass alle Zugang zu den für den Wohlstand notwendigen Gütern und Dienstleistungen haben.

Zweitens müssen wir ehrgeizige öffentliche Bauprogramme auflegen, um Kapazitäten für erneuerbare Energien zu schaffen, Wohngebäude zu dämmen, energieeffiziente Geräte herzustellen und zu installieren, Ökosysteme wiederherzustellen und sozial notwendige sowie ökologisch effiziente Technologien zu entwickeln. Dies sind unverzichtbare Maßnahmen, die so schnell wie möglich umgesetzt werden müssen; wir können nicht darauf warten, dass das Kapital entscheidet, ob sie lohnenswert sind.

Drittens müssen wir eine öffentliche Beschäftigungsgarantie einführen, die es den Menschen ermöglicht, sich an diesen wichtigen Gemeinschaftsprojekten zu beteiligen und dabei sinnvolle, gesellschaftlich notwendige Arbeit zu leisten – unter den Bedingungen von Demokratie am Arbeitsplatz und existenzsichernden Löhnen. Die Arbeitsplatzgarantie muss vom Währungsemittenten finanziert werden, sollte jedoch auf der entsprechenden lokalen Ebene demokratisch geregelt werden.

Man stelle sich vor, wie wirkungsvoll solch ein Ansatz sein könnte. Mit ihm könnten wir ökologisch notwendige Ziele erreichen. Aber er würde auch Arbeitslosigkeit und wirtschaftliche Unsicherheit beseitigen. Er würde ein gutes Leben für alle gewährleisten, unabhängig von Schwankungen der Gesamtproduktion. So würde Wohlstand vom Wachstum entkoppelt. Was den Rest der Wirtschaft betrifft, so sollten private Unternehmen demokratisiert und gegebenenfalls unter die Kontrolle der Arbeiter*innen und der Gemeinschaft gestellt werden, die Produktion sollte im Sinne des Wohlstands und der Ökologie neu organisiert werden.

Parallel zum Erhalt und zur Stärkung der sozial und ökologisch notwendigen Sektoren müssen wir die sozial weniger notwendigen Produktionsformen zurückfahren. Fossile Brennstoffe sind hier ein offensichtliches Beispiel: Wir brauchen verbindliche Ziele, um die Fossilindustrie auf faire und gerechte Weise abzuwickeln. [1] Doch wie die Forschung zu Degrowth hervorhebt, müssen wir auch die Gesamtproduktion in anderen zerstörerischen Branchen reduzieren, während wir gleichzeitig die Lebensdauer von Produkten verlängern und geplante Obsoleszenz verbieten. Dieser Prozess sollte demokratisch festgelegt werden, aber auch in der materiellen Realität der Ökologie verankert sein und den Erfordernissen dekolonialer Gerechtigkeit entsprechen.[2]

Schließlich müssen wir dringend die überschüssige Kaufkraft der Reichen durch Vermögenssteuern und maximale Einkommensquoten eindämmen (Milward-Hopkins/Oswald 2023). Derzeit sind allein die Millionär*innen auf dem besten Weg, 72 Prozent des verbleibenden Kohlenstoffbudgets zu verbrauchen, das uns allen zur Verfügung steht, um die Erderwärmung unter 1,5 °C zu halten (Gössling/Humpe 2023). Niemand von uns sollte dies hinnehmen.

Wenn wir nach der Umsetzung dieser Maßnahmen feststellen, dass unsere Gesellschaft weniger Arbeitskraft benötigt, um das zu produzieren, was wir brauchen, können wir die Arbeitswoche verkürzen, den Menschen mehr Freizeit geben und die notwendige Arbeit gleichmäßiger verteilen, wodurch Arbeitslosigkeit dauerhaft verhindert würde.

Die internationalistische Dimension dieses Wandels muss im Mittelpunkt stehen. Der übermäßige Energie- und Materialverbrauch im Zentrum muss zurückgehen, während in der Peripherie Produktionskapazitäten zurückgewonnen, neu organisiert und in vielen Fällen ausgebaut werden müssen, um die menschlichen Bedürfnisse zu erfüllen und Entwicklung zu erreichen, wobei sich der Verbrauch weltweit einem Niveau annähert, das für den allgemeinen Wohlstand ausreichend und mit ökologischer Stabilität vereinbar ist (Hickel u.a. 2022). Für den Globalen Süden erfordert dies die Beendigung von Strukturanpassungsprogrammen, den Erlass von Auslandsschulden, die Verfügbarkeit notwendiger Technologien und die Befähigung der Regierungen, durch eine progressive Industrie- und Finanzpolitik ihre wirtschaftliche Souveränität zu stärken. In Ermangelung wirksamer multilateraler Maßnahmen können und sollten die Regierungen der Länder des Südens eigene bzw. gemeinsame Schritte in Richtung einer souveränen Entwicklung unternehmen und sie sollten dabei unterstützt werden (Hickel 2021; Amin 1980).

Wie all dies deutlich machen dürfte, lässt sich „Degrowth“ – das Konzept, das in den letzten zehn Jahren die Vorstellungskraft von Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen beflügelt hat – am besten als Teil eines umfassenderen Kampfes für Ökosozialismus und Antiimperialismus verstehen.

Ist das oben beschriebene Programm erschwinglich? Ja. Wir können alles, was wir tatsächlich tun können (im Sinne von Produktionskapazität) auch bezahlen. Das haben sozialistische Ökonomen schon immer verstanden und selbst John Maynard Keynes hat dies anerkannt. Und was die Produktionskapazitäten angeht, so haben wir mehr als genug davon. Mit einer demokratischen Kontrolle über Finanzen und Produktion können wir den Einsatz dieser Kapazitäten verlagern: weg von verschwenderischer Produktion und der Anhäufung von Reichtum durch die Eliten hin zu sozial und ökologisch verträglichen Zielen.

Wie populär ist der ökosozialistische Wandel?

Manche werden sagen, das klinge utopisch. Doch diese politischen Konzepte erfreuen sich gerade großer Beliebtheit. Universelle öffentliche Dienstleistungen, eine staatliche Beschäftigungsgarantie, mehr Gleichheit, eine Wirtschaft, die sich eher am Wohlstand und an ökologischen Gesichtspunkten als am Wachstum orientiert: Umfragen und Erhebungen zeigen, dass diese Konzepte von einer deutlichen Mehrheit unterstützt werden. Bürgerversammlungen in mehreren Ländern haben genau diese Art von Wandel gefordert. Dies könnte sich zu einer populären und umsetzbaren politischen Agenda entwickeln.

Wie populär ist der ökosozialistische Wandel? Wir sind dieser Frage in einer neuen Studie nachgegangen, deren Ergebnisse wir gemeinsam mit Kolleg*innen von der London School of Economics[3] veröffentlicht haben (Krpan u.a. 2025). Wir haben mehr als 5.000 Menschen in Großbritannien und den USA befragt und dabei repräsentative Stichproben sowie zwei unterschiedliche Untersuchungsansätze verwendet. Wir haben den Menschen einen umfassenden Vorschlag für einen ökosozialistischen Wandel vorgelegt, der Folgendes beinhaltete:

  • Reduzierung schädlicher und unnötiger Produktion bzw. schädlichen und unnötigen Konsums
  • Schmälerung der Kaufkraft der Reichen und Verringerung der sozialen Ungleichheit
  • Schaffung universeller öffentlicher Dienstleistungen und einer öffentlichen Beschäftigungsgarantie, um die Produktion bedarfsorientiert neu zu gestalten
  • Demokratisierung der Kontrolle des Finanzwesens und der Produktionsmittel
  • Beendigung der imperialistischen Aneignung von Ressourcen aus dem Globalen Süden durch ungleichen Austausch

Diese Forderungen werden in beiden Ländern von einer deutlichen Mehrheit unterstützt: in den USA von 72 Prozent der Befragten, im Großbritannien lag die Zustimmung mit 82 Prozent noch höher. Das sind bemerkenswerte Ergebnisse, die andere Studien bestätigen, wonach viele der mit dem Ökosozialismus verbundenen Grundsätze und politischen Maßnahmen in der Bevölkerung durchaus auf Zustimmung stoßen (Hickel 2023b). Ökosozialismus ist potenziell populär (sie dazu ausführlich Hickel 2025).

Organisieren für den Ökosozialismus

Aber nichts davon wird von selbst geschehen. Es wird ein erbitterter politischer Kampf gegen diejenigen erforderlich sein, die so enorm vom Status quo profitieren. Dies ist nicht die Zeit für einen gemäßigten Reformismus, bei dem man nur an den Rändern eines versagenden Systems herumdoktert. Dies ist eine Zeit für revolutionäre Veränderungen. Die Umweltbewegung, die sich in den letzten Jahren formiert hat, kann allerdings nicht als alleiniger Motor dieses Wandels dienen. Zwar ist es der Bewegung gelungen, ökologische Probleme in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte zu rücken, doch fehlen ihr die strukturelle Analyse und der politische Einfluss, um den notwendigen Wandel zu bewirken. Kontraproduktiv erweisen sich dabei die bürgerlichen Grünen mit ihrer gefährlichen Vernachlässigung der Fragen der Lebensgrundlagen der Arbeiter*innenklasse, der Sozialpolitik und der imperialistischen Dynamiken. Um diese Einschränkungen zu überwinden, ist es für Umweltschützer*innen dringend notwendig, Bündnisse mit der Arbeiter*innenbewegung und anderen sozialistischen Gruppierungen zu schmieden, um gemeinsam über weitaus mehr politischen Einfluss zu verfügen, einschließlich der Macht des Streiks.

Um dies zu erreichen, müssen Umweltschützer*innen die oben aufgeführten sozialpolitischen Maßnahmen in den Vordergrund rücken und wirtschaftliche Unsicherheit bekämpfen, die dazu führt, dass Arbeiter*innen negative Auswirkungen radikaler ökologischer Maßnahmen auf ihre Existenzgrundlage befürchten. Aber auch die Gewerkschaften müssen etwas unternehmen. Ich sage das nicht als Kritiker von außen, sondern als lebenslanges Gewerkschaftsmitglied. Wie konnten wir es zulassen, dass sich der politische Horizont der Arbeiter*innenbewegung auf branchenspezifische Kämpfe um Löhne und Arbeitsbedingungen verengte, während die allgemeine Struktur der kapitalistischen Wirtschaft unberührt blieb? Wir müssen unsere ursprünglichen Ziele wiederbeleben und uns branchenübergreifend – sowie gemeinsam mit den Arbeitslosen – zusammenschließen, um die soziale Grundlage für alle zu sichern und wirtschaftliche Demokratie zu verwirklichen.

Schließlich müssen sich progressive Bewegungen im Zentrum mit radikalen und antikolonialen sozialen Bewegungen im Globalen Süden verbünden, diese unterstützen und verteidigen. Die Arbeiter*innen und Bäuer*innen in den Ländern der Peripherie leisten 90 Prozent der Arbeit, die die kapitalistische Weltwirtschaft antreibt, und der Süden verfügt über den Großteil der weltweiten Ackerflächen und der lebenswichtigen Ressourcen, was ihnen erheblichen Einfluss verschafft. Jede politische Philosophie, die die Arbeiter*innen und politischen Bewegungen des Südens nicht als treibende Kräfte des revolutionären Wandels in den Vordergrund stellt, geht einfach am Kern der Sache vorbei.

Dies erfordert harte Arbeit bei der Organisation, beim Aufbau von Solidarität und bei der Bündelung gemeinsamer politischer Forderungen. Dazu braucht es Strategie und dazu braucht es Mut. Gibt es Hoffnung? Ja. Wir wissen, dass es empirisch möglich ist, eine gerechte und nachhaltige Weltwirtschaft zu verwirklichen. Doch unsere Hoffnung kann immer nur so stark sein wie unser Kampf.

Jason Hickel

Jason Hickel ist Anthropologe und politischer Ökonom. Er ist Professor am Institut für Umweltwissenschaften und -technologie (ICTA) und am Institut für Politikwissenschaft und Öffentliches Recht der Autonomen Universität Barcelona sowie Mitherausgeber der Zeitschrift World Development.