Thomas Seibert ist Aktivist, Philosoph und Autor. Er arbeitet als Referent im Bereich Südasien für medico international, ist im Wissenschaftlichen Beirat der Rosa-Luxemburg-Stiftung und seit vielen Jahren politisch aktiv in der Interventionistischen Linken.
»Der einzige Kampf, der das Vergnügen lohnt, ist der Kampf der Individuen für die Konstruktion ihres Alltagslebens.« Raoul Vaneigem, Situationistische Internationale
Wenn wir das richtige Leben im falschen zur Sache von Kämpfen um Lebensweisen machen, dann mag das in der aktuellen Transformationsdebatte neu sein: Solche Kämpfe selbst sind alles andere als neu. So kann die letzte große Epoche sozialer Kämpfe, die des Mai 68, als die Epoche verstanden werden, in der die verschiedenen sozialen Kämpfe erstmals ausdrücklich unter der Führung von Kämpfen um Lebensweisen standen.
Die Blockupy-Bewegung geht in diesem Jahr in ihre dritte und bisher wichtigste Runde. Wie schon 2012 und 2013 wird sie auch diesmal eine Frankfurter und zugleich eine deutschland- und europaweite Angelegenheit sein. Darin liegt ja ihr leider noch nicht überall verstandener Witz. Den Auftakt bilden die europäischen Aktionstage im kommenden Mai, die am 15. Mai, dem Jahrestag der spanischen 15M-Bewegung, beginnen. Zwei Tage später folgen Demonstrationen in Hamburg, Berlin, Stuttgart und Düsseldorf, eingebettet in eine Vielzahl von Demonstrationen überall in Europa. Ihr Abschluss am 25. Mai fällt mit der Europawahl zusammen.
Die »Mosaik-Linke« (Urban) schreibt nicht einfach das altbekannte Projekt einer »pluralen Linken« fort. Diese war ein Versuch, den Zerfall sozialdemokratischer und marxistisch-leninistischer Parteien und ihrer politischen Prozeduren auf dem Weg der Zusammenlegung zu stoppen oder gar umzukehren. Die Mosaik-Linke hat es nicht nur mit Parteien neuen Typs, sondern auch mit neuen politischen Prozeduren zu tun. Ihr Gründungsereignis kann mit dem Namen »Seattle« belegt werden, der die seltsame Allianz benennt, die sich dort 1999 im Protest gegen die WTO zusammenfand.
Jede/r kennt das: man liest einen Text, stimmt fast jedem Satz zu und weiß trotzdem schon kurz danach nicht mehr, worum es eigentlich ging. Es gibt Autor/innen, deren ganze Produktion aus solchen Texten besteht. Bifo gehört nicht zu ihnen, das zeigt sich auch in Zehn Jahre nach Seattle. Dem widerspricht nicht, dass ich seinen »Punkt« so nicht teile. Nein, unsere Situation lässt sich nicht mit der des europäischen Mittelalters vergleichen. Nein, das Empire versinkt nicht im Chaos – und das, obwohl die Phänomene, die Bifo anführt, wirklich vorliegen. Ja, imperiale Herrschaft wird systematisch militarisiert und mafiotisiert.