Ursula Huws war Leiterin des unabhängigen Forschungsinstituts Analytica und Gastprofessorin am Working Lives Research Institute der London Metropolitan University. Seit 2010 ist sie Professor of Labour and Globalisation an der University of Hertfordshire. Sie interssiert sich für die Veränderungen von Arbeit im Hightech-Kapitalismus und die Frage, was das für Klassenverhältnissen im 21. Jahrundert heißt. In ihrem Buch The Making of a Cybertariat. Virtual Work in a Real World (2003) stellt sie die Frage, wie das Kybertariat – Beschäftigte in der Informationsverarbeitung – zu einer handlungsfähigen Klasse werden kann.
Wir leben in einer Gesellschaft, in der das Kapital hochgradig konzentriert ist und die Warenproduktion von Unternehmen betrieben wird, deren Geschicke zum großen Teil von Finanzinvestoren gelenkt werden. Die von ihnen produzierten materiellen oder immateriellen Waren werden über komplexe Wertschöpfungsketten auf einem globalen Markt angeboten, in die zunehmend auch unsere unbezahlte Arbeit als Konsumenten einfließt. Informations- und Kommunikationstechnologien haben die räumliche und zeitliche Teilung der Arbeit so stark verändert, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben für viele von uns unentwirrbar vermengt sind. Sollten wir nicht einfach akzeptieren, dass wir in dieser oder jener Weise allesamt Teil einer gewaltigen undifferenzierten Arbeitskraft sind, die undifferenzierten Wert für ein undifferenziertes Kapital produziert?