Isabell Lorey arbeitet am European Institute for Progressive Cultural Policies (eipcp) in Berlin und ist Mitherausgeberin von transversal texts. Ihre Forschung zur Regierung der Prekären (2012) ist verwoben mit sozialen Bewegungen und der Frage nach neuen demokratischen Praxen, wie sie in den globalen Protestbewegungen seit 2011 entwickelt werden. Im Frühjahr 2014 war sie Fellow am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Die Massenproteste in Tunesien und Ägypten zu Beginn des Jahres 2011 wurden vielerorts mit großer Sympathie begleitet. Aus »westlicher« Perspektive schienen diese völlig unvorhersehbar und zugleich doch in die abendländischen politischen Entwicklungsmuster einzuordnen: Im Arabischen Frühling kämpften die Menschen für die Einführung der liberalen repräsentativen Demokratie, um endlich die Unterdrückungsverhältnisse lang anhaltender Diktaturen abzuschütteln. Die Herrscher wurden verjagt. Und doch konnten erste verhältnismäßig freie Wahlen solche demokratischen Verhältnisse nicht einrichten.