Dieter Boris ist Marxist im Unruhestand, Lateinamerika gilt seine Leidenschaft – insbesondere Analysen der Linken von Subcomandante Marcos bis Hugo Chávez. Als Professor für Soziologie prägte er die Marburger Schule in der Tradition Wolfgang Abendroths mit. Seit Jahren steckt er viel Kraft in die Arbeit als Vertrauensdozent der Rosa-Luxemburg-Stiftung.
In dem von Miriam Lang herausgegebenen programmatischen Band2 kommt der kritische Hinweis auf »eurozentristische« Betrachtungsweisen ziemlich häufig vor, auch wenn dieses Argument keineswegs neu ist. Die unzulässige Übertragung theoretischer Kategorien und systematisch-inhaltlicher Zusammenhänge, die aus der Betrachtung europäischer Realitäten gewonnen wurden, auf außereuropäische Gesellschaften kann als Eurozentrismus qualifiziert werden. Und muss – nach der im linken Spektrum fast einhelligen Meinung – stark relativiert oder zurückgewiesen werden. Dies betrifft insbesondere die damit häufig verbundenen normativen Vorgaben.