
Ausgabe 2/2009
Von Falk Richter ich kann doch nicht immer, wenn ich wütend bin und mir was nicht passt, ein che-guevara-t-shirt kaufen und damit die straße auf und ab laufen. das reicht nicht mehr, um meine ziele durchzusetzen […] was beruhigt uns denn hier alle so, warum sind wir denn immer so unendlich... beruhigt, er stellt sich ans fenster, kinderschreie, das geld muss weg, das soll nicht mehr wachsen oder heimlich für mich arbeiten, das soll jetzt endlich mal EINGETAUSCHT werden gegen LEBEN […]
von Frank Deppe/wp-content/uploads/H2391.jpg In den frühen 1990er Jahren triumphierten die Marktwirtschaft (und das System der individuellen Freiheit) des Westens über das System der Staatswirtschaft (und des Kollektivismus) des Ostens. Francis Fukuyama schrieb, das »Jahrhundert, das voller Vertrauen auf die westlichen liberalen Demokratien begann, ist an seinem Ende [...] wieder zu seinen Anfängen zurückgekehrt: nicht zu einem ›Ende der Ideologien‹ oder einer Konvergenz von Kapitalismus und Sozialismus, wie man geglaubt hatte, sondern zu einem klaren Triumph des wirtschaftlichen und politischen Liberalismus« (1990, 3).
[caption id="attachment_326" align="alignright" width="300" caption="Foto: Dang Ngo"][/caption] Close to the anniverary of the spectacular 30 November 1999 protest against the World Trade Organization in Seattle we received the manifesto by Franco "Bifo" Berardi, Italian activist and intellectual, "Ten years after Seattle. One strategy, better two, for the movement against war and capitalism". Seattle was a welcome surprise for its militant, broad based protests and rebellion. Another treaty privileging the North failed; the movements suceeded in scandalizing the economic and social consequences of neoliberal globalization. Since then ‚Seattle’ stands in as a symbol of the powerful re-vitalization of global struggles against capitalist globalization. Today – ten years later – Beradi positions himself radically against this narrative of success. Sure, he also regards ‚Seattle’ as a successful rebellion against the promises of neoliberalism. However, according to Berardi, social movements in general have not changed much about global capitalism, to the contrary, global wars and and militant fundamentalisms have proliferated.
von LuXemburg
Seattle, 30.11.1999. Foto: Dang Ngo
Pünktlich zum Jahrestag des berühmten WTO Treffens in Seattle vom 30. November 1999 erhielt die Redaktion ein Manifest von Franco "Bifo" Berardi, italienischer Aktivist und Intellektueller seit den frühen siebziger Jahren, mit dem Titel
Ten years after Seattle. One strategy, better two, for the movement against war and capitalism
. ‚Seattle’ überraschte damals mit breiten militanten Protesten gegen das WTO Treffen. Es gelang, ein weiteres Abkommen zu ungunsten des Globalen Südens zu verhindern und die ökonomischen und ökologischen Folgen der neoliberalen Globalisierung zu skandalisieren. ‚Seattle’ symbolisiert seitdem gewissermaßen den kraftvollen Neubeginn der Kämpfe gegen kapitalistische Globalisierung. Zehn Jahre später, bezieht Berardi radikal Stellung gegen diese Erfolgserzählung.