| HKWM-Stichwort: Klassenjustiz

Von Volkmar Schöneburg

Klassenjustiz ist die Ausübung des Richteramtes durch Angehörige der gesellschaftlich herrschenden Klassen, die durch ihre soziale Herkunft, Ausbildung und Stellung im Staat ihre Klasseninteressen unbewusst in die Rechtsprechung einfließen lassen. In den Worten Ernst Blochs: »Das Auge des Gesetzes sitzt im Gesicht der herrschenden Klasse« (GA 6, 206f).

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| Was heißt Sozialismus im 21. Jahrhundert?

Von Nancy Fraser

Allenthalben wird wieder über „Sozialismus” gesprochen. Über Jahrzehnte war das Wort verpönt – es stand für ein schreckliches Scheitern, war Relikt längst vergangener Zeiten. Damit ist es vorbei! Heute tragen Politiker*innen wie Bernie Sanders und Alexandria Ocasio-Cortez das Label „sozialistisch“ mit Stolz und stoßen damit auf Zustimmung. Organisationen wie die “Democratic Socialists of America” können sich kaum vor neuen Mitgliedern retten. Aber was genau verstehen sie unter „Sozialismus”?
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| WAS EIN KÖRPER VERMAG. EINE GENEALOGIE DER SELBSTVERTEIDIGUNG

Von Elsa Dorlin

Sklaven und Indigenen war im Kolonialismus streng untersagt, was ihren Unterdrückern selbstverständlich gestattet war: sich zu bewaffnen oder zu verteidigen. Woher rührt diese historische Kluft zwischen »verteidigungswürdigen« und wehrlosen Körpern, die organisierte Entwaffnung der Unterworfenen, die in jedem Befreiungsversuch die Frage der Gewalt aufruft? Welche »Kampfethiken des Selbst«, welche Praxen der Selbstverteidigung lassen sich aufspüren, wenn man die Geschichte aus der Perspektive der Unterdrückten neu erzählt?

3. März 1991, Los Angeles. Rodney King, ein junger afroamerikanischer Taxifahrer von 26 Jahren, wird von drei Polizeiautos und einem Polizeihubschrauber gestoppt, die ihn auf der Autobahn aufgrund einer Geschwindigkeitsüberschreitung verfolgen sollten.
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| HKWM-Stichwort: Gewalt

Von Étienne Balibar

Die Paradoxie im Verhältnis des Marxismus zur Frage der G liegt darin, dass er einen entscheidenden und unverzichtbaren Beitrag zum Verständnis der ›Rolle der G in der Geschichte‹ geleistet hat
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| Demokratische Biopolitik neu betrachtet: Antwort auf eine Kritik

Von Panagiotis Sotiris

Bryan Doninger hat in seiner jüngsten Intervention meinen Beitrag Against Agamben: Is a Democratic Biopolitics Possible?  kritisiert.  Seine wichtigsten Kritikpunkte lauten: a) Da ich dem im Werk von Michel Foucault verwendeten Begriff der Biopolitik nicht genügend Aufmerksamkeit schenken würde, hätte ich Anatomo-Politik und Biopolitik durcheinandergebracht. b) Deswegen sei mir auch entgangen, dass das von mir versuchsweise vorgeschlagene Konzept der demokratischen Biopolitik bereits im gegenwärtigen neoliberalen System umgesetzt wird, und zwar mit katastrophalen Folgen.
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| Schumpeter über Marx

Von Ulrich Hedtke

„…verglichen mit seiner Leistung sinken die Klassiker zur Bedeutungslosigkeit herab“
Joseph Alois Schumpeter über Marx

Schumpeter ist bekannt als Theoretiker der Innovation, die er in einem seiner Werke auch als „schöpferische Zerstörung“ bezeichnete. Innovationen bilden für ihn die sozialökonomisch ausschlaggebende Bewegungsbahnen des Kapitalismus. Er gilt mit seinem Werk als einer der wichtigsten bürgerlichen Ökonomen. Sein Durchbruch zu einer entwicklungstheoretischen Auffassung der Wirtschaft verbindet ihn nicht nur eng mit Marx, sondern Marx galt ihm, wie neue Manuskripte unmissverständlich zeigen, als ein „Wegweiser“.   Schumpeter wurde u.a. von Marx´ Darstellung der Entfesselung der Produktivkräfte in der kapitalistischen Produktionsweise inspiriert. Mehr als man ahnte ringt Schumpeter damit, dass neben Marx kein anderer jemals Entwicklungsgesetze des Kapitalismus so treffend beschrieben hatte. Wie sollte er dies nur darstellen? Marxens gedankliches Grundkonzept als „Vision“ vom historisch bedingten Stand der Analyse und der analytischen Werkzeuge abhebend, schienen ihm die nichtmarxistischen Ökonomen im Vergleich mit der Marxschen Vision als nichtssagend. Schumpeters innovationstheoretischer Ansatz führte ihn im Besonderen zu der Annahme, dass die gesellschaftlichen Neuerungsprozesse der historischen Tendenz nach nicht mehr der Initiative des kapitalistisch fundierten Privatunternehmers bedürfen. Mit Blick auf die damit verbundenen Transformationsprozesse studierte er die „Überlegenheit des sozialistischen Grundplans“ (1942, 310ff). Wir veröffentlichen erstmals Auszüge aus Schumpeters Manuskripten zu seinem Werk „Capitalism, Socialism & Democracy“ aus seinem Nachlass.

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| Empire – zwanzig Jahre später

Von Michael Hardt und Antonio Negri

Vor zwanzig Jahren, als unser Buch Empire in erster Auflage erschien, standen die ökonomischen und kulturellen Prozesse der Globalisierung im Rampenlicht: Vor aller Augen war eine Art neue Weltordnung im Entstehen begriffen. […]

Es ist wahr, die Weltordnung mitsamt ihren globalen Kommandostrukturen steckt überall in der Krise, aber paradoxerweise verhindern die vielfältigen Krisen der Gegenwart nicht die Herrschaft und den Fortbestand dieser globalen Strukturen.
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| HKWM-Stichwort: historische Individualitätsformen

von Lucien Sève

Neben Kategorien wie »Entfremdung« oder »Praxis«, denen MARX spezifische Bedeutung gab, und neu eingeführten Begriffen, wie »Mehrwert« oder »Absterben des Staates«, finden sich in seinem Werk Konzepte, die im manifesten Text lückenhaft bleiben oder als Begriffe ganz fehlen.


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| ABC der Transformation: (organische) Intellektuelle; Vermittlungsintellektuelle

Von Mario Candeias

Gewöhnlich werden Intellektuelle als Menschen verstanden, die in Politik, Wissenschaft und Kultur besondere Tätigkeiten ausüben oder aber herausragende geistige Fähigkeiten besitzen. Ihre Praxis ist also schreiben, denken, forschen, Diskussionen führen, Meinungen verbreiten, Wissenschaft betreiben etc. Darin unterscheiden sie sich von anderen Menschen. In der Geschichtsschreibung werden meist weiße, gern ältere Männer als große Denker verehrt oder kritisiert, selten wird Frauen zugesprochen, Intellektuelle zu sein. Nun schreibt Gramsci, und das mag zunächst verwundern oder irritieren, alle Menschen seien Intellektuelle. Alle? Wie kann das sein?
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| Konkrete Dystopie – warum wir die Zukunft dem Kapitalverhältnis entreißen müssen

Von Alex Demirović

Dieses System fesselt uns an die Herrschaft der Vergangenheit und unterwirft unser lebendiges Arbeitsvermögen dem (un)toten Kapital – höchste Zeit, den Ausbruch zu wagen.

Wenn wir über Sozialismus als Alternative zum Kapitalismus nachdenken und für eine Transformation von der einen in die andere Gesellschaftsform eintreten, dann, weil es konkrete Gründe dafür gibt. Einer von ihnen ist, all jene Verhältnisse zu vermeiden oder zu beseitigen, die so viele menschliche Opfer mit sich bringen oder erzeugen. Da gibt es die sexistischen Entwürdigungen und Gewalttätigkeiten in Familien, es gibt die Schikanen in den Betrieben und im Arbeitsalltag. Menschen sind dem Risiko des Arbeitsmarktes ausgesetzt; für viele reicht das geringe Einkommen eines Jobs nicht, um eine Familie zu versorgen.
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