| Populistisches Momentum? Lernen von Corbyn, Sanders, Mélenchon, Iglesias (Ein indirekter Kommentar zur Kampagne von #aufstehen)

Es ist die Zeit des Interregnums, noch immer. Im zehnten Jahr der großen Krise ist es in der Europäischen Union mittlerweile zu einer relativen ökonomischen Stabilisierung auf niedrigem Niveau gekommen, doch erlebten wir in vielen Ländern fortwirkende Umwälzungen des (partei)politischen Feldes. Mittlerweile ist auch die Stabilität in Deutschland vorüber, das politische Feld ist in Bewegung geraten. Ein Populismus von rechts bestimmt derzeit die politische Agenda. Vor dem Hintergrund einer mangelnden gesellschaftlichen Mobilisierung und der Fragmentierung der Mosaiklinken wird eine populistische Lücke auch auf der Linken vermutet, die es auszunutzen gelte. Die Frage ist, wie zu sammeln oder zu verbinden ist, bzw. wie ein populistisches Moment ein populares Projekt voranbringen könnte. Vielfach wird auf europäische und US-amerikanische Beispiele verwiesen. Was ist daraus zu lernen?
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| OUR PEOPLE ARE WORTH THE RISKS: A SOUTHERN QUEER AGENDA FROM THE MARGINS AND THE RED STATES

Southerners On New Ground (SONG) is a regional Queer Liberation organization made up of people of color, immigrants, undocumented people, people with disabilities, working class and rural and small town, LGBTQ people in the South. We believe that we are bound together by a shared desire for ourselves, each other, and our communities to survive and thrive. We believe that Community Organizing is the best way for us to build collective power and transform the South. Out of this belief we are committed to building freedom movements rooted in southern traditions like community organizing, political education, storytelling, music, breaking bread, resistance, humor, performance, critical thinking, and celebration.
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| NI UNA MENOS. INTERVIEW ABOUT FEMICIDE AND ITS POLITICAL MEANING

Alex, you are actively involved with the platform »Keine Mehr« (Not One Less), whose aim is to bring the femicide debate to Germany. Why are you using the term femicide instead of talking about individual murders of women?

Femicide, or feminicide, is the killing of women and girls because of their gender. Every femicide involves the killing of a woman, but not every killing of a woman is a femicide. So it is not simply about differentiating between female and male victims.

Instead, the term is intended to make certain murders of women visible as a form of hate crime and to draw attention to the social context. On the one hand, this means understanding femicide as an extreme expression of unequal gender relations and a male desire to dominate. Numerous studies and reports have shown that the risk for women to be exposed to violence rises particularly when traditional gender arrangements are shifting – especially during and after a separation or divorce.
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| From #MeToo to #WeStrike. A Politics in Feminine

A year before #MeToo erupted in the United States, women in Argentina were fighting against an epidemic of violence against women in which, on average, one woman was killed every thirty hours. At noon on October 19, 2016, thousands of women all over the country walked out of their jobs and stopped doing unpaid housework, as well as carrying out the emotional work required of political organizing. The strike was Argentinian women’s response to the growing number of femicides in the country, and specifically to the brutal murder of the young Lucía Pérez. But in their call to strike, they connected the many forms of violence that women experience in an economic system based on their oppression and exploitation:
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| Trotz allem! 
Einstiege in eine feministische Transformation

Ich sage es nicht gern, aber ich muss es zugeben: #MeToo war eine Revolution. Ich sage es deshalb nicht gern, weil ich als aktive Feministin Diskussionen um »No Means No« und Alltagssexismus immer als eine Art Einstieg in den Feminismus betrachtet habe. Deswegen verspüre ich heute eine Art enttäuschte Verwunderung darüber, dass Debatten um sexuelle Belästigung für so viel Wirbel sorgen können – als hätte die Öffentlichkeit zum ersten Mal davon gehört! Als hätte die Frauenbewegung nicht spätestens seit den 1970er Jahren sexuelle Gewalt zu einem zentralen Punkt einer feministischen Agenda gemacht. Und als hätten wir uns nicht in überwiegend unbezahlter Arbeit die Finger wundgeschrieben, um Sexismus breiter zu denken als den Kampf zwischen zwei Geschlechtern. Insofern halte ich nichts von der Fixierung auf Heterosexualität und dem Spektakel, das in den #MeToo-Debatten mitschwingt. Dennoch erleben wir gerade, wie sich diese der patriarchalen Heteromatrix anhaftenden Gewissheiten gegen das Patriarchat selbst richten. Also bin ich bereit, den Schritt mitzugehen und ihn produktiv zu machen, unter der Bedingung, dass weitere Schritte folgen werden. #MeToo muss nicht, kann aber als Einstieg in Debatten fungieren, die über Fragen der sexuellen Belästigung hinausweisen, die die unsichtbaren Dynamiken von Benachteiligung und Ausbeutung thematisieren und diese mit einer Kritik an der Funktion von geschlechtlicher Arbeitsteilung im Kapitalismus verbinden.
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| Gender als symbolischer Kitt. Warum das Konzept genutzt werden kann, um progressive Politiken zu delegitimieren

»Gleichwohl lässt sich von ihr sagen, dass sie die Leier spielt, während Rom brennt. Zu ihrer Entlastung sind zwei Tatsachen zu nennen: Sie weiß nicht, dass sie spielt, und sie weiß nicht, dass Rom brennt.« (Leo Strauss)

In seinen Betrachtungen zur neuen Politikwissenschaft charakterisiert Leo Strauss in »Liberalism Ancient and Modern« (1968)
 die Verfasstheit der Politologie mit einem bissigen Hinweis auf Kaiser Nero, der über den Dächern des brennenden Rom die Leier gespielt haben soll. Diese Metapher passt auch auf die fortschrittlichen Eliten im Zeitalter von Brexit und Trump: Sie pflegen eine Weiter-so-Attitüde, während die Grundfesten der liberalen Demokratie bröckeln. Zu dieser Elite zählen Mainstream-Politikerinnen und -Politiker, die dazu aufrufen, die »Demokratie zu verteidigen«, um den Status quo zu erhalten; dazu zählen Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, die die Rechtschaffenheit ihres Ansatzes proklamieren; dazu zählen politische Expertinnen und Experten, die technokratische Lösungen wie Gender-Mainstreaming verordnen; und dazu zählen auch feministische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die versuchen, sich gegen Neues und Unbekanntes dadurch zur Wehr zu setzen, dass sie jede Aufforderung, »Kompromisse zu machen oder Verständnis für andere zu zeigen«, kategorisch von sich weisen, wie manche es nach der Wahl von Trump getan haben, und die sich so hinter ihren starren Kategorien verschanzen.
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| Keine mehr!

Du bist aktiv bei der Plattform #KeineMehr, die die Debatte über Feminizide nach Deutschland tragen will. Warum sprecht ihr von Feminiziden statt von Mordfällen an Frauen?

Feminizid oder auch Femizid bezeichnet Tötungen an Frauen und Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. Alle Feminizide sind Tötungen von Frauen, aber nicht alle Tötungen von Frauen sind Feminizide. Es geht
also nicht darum, einfach die Opfer nach Geschlecht zu differenzieren. Vielmehr soll der Begriff bestimmte Frauenmorde als eine Form von Hasskriminalität sichtbar machen und den Blick auf deren gesellschaftlichen Kontext lenken. Das bedeutet, Feminizide als extremen Ausdruck ungleicher Geschlechterverhältnisse und männlichen Dominanzstrebens zu fassen. Zahlreiche Gutachten zeigen: Das Risiko von Frauen, Gewalt ausgesetzt zu sein, steigt besonders dann, wenn traditionelle Geschlechterarrangements angegriffen werden, insbesondere während und nach einer Trennung oder Scheidung. Die Tötung ist die Zuspitzung dieser Gewalt. Forscher*innen sprechen deshalb auch von der Rache des beleidigten Machismus. Außerdem heißt es, nach den gesellschaftlichen Bedingungen
zu fragen, die es erlauben, dass solche Taten überhaupt stattfinden können. Von Feminiziden zu sprechen, macht diese Tötungen von Frauen nicht nur sichtbar. Es hilft auch dabei, politische Gegenwehr zu mobilisieren.
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| »AM FRÖHLICHSTEN IM STURM: Feminismus« – LuXemburg 2/2018

Der Wind weht scharf. Autoritarismus und Rechtsradikalismus gewinnen an Zustimmung. Aber auch der Feminismus ist zurück: Women’s marches, Frauenstreiks, #MeToo, »Ni Una Menos« und viele mehr. Ob in den USA, Polen, Spanien, Lateinamerika oder Deutschland – feministische Proteste bilden die einzige transnationale Bewegung, die einen sichtbaren Gegenpol zur Rechten und zum Neoliberalismus markiert; und den Aufbruch in eine bessere Zukunft verkörpert. Sie ist sozial heterogen, plural und thematisch vielfältig – als solche hat sie das Potenzial, ›das Ganze‹ des Herrschaftsknotens anzugehen – AM FRÖHLICHSTEN IM STURM!
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| Von #metoo zu #westrike. Eine Politik im Femininum

Etwa ein Jahr bevor sich in den USA die #MeToo-Bewegung formierte fanden in Argentinien Massenproteste gegen das unermessliche Ausmaß sexistischer Gewalt statt, durch die dort alle 30 Stunden eine Frau getötet wird. Tausende Frauen legten am 19. Oktober 2016 demonstrativ ihre Arbeit nieder und verweigerten sich damit der ihnen zugeschriebenen weiblichen (Opfer-)Rolle sowie der Unterordnung unter die geschlechtliche Arbeitsteilung. Ihr Streik war eine Antwort auf die wachsende Zahl von Femiziden (Frauenmorden), insbesondere auf den brutalen Mord an einer jungen Frau namens Lucía Pérez. In ihrem Aufruf wiesen sie jedoch auch auf die vielfältigen Gewaltformen hin, denen Frauen in einem ausbeuterischen Wirtschaftssystem ausgesetzt sind:
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| „Wenn wir streiken, steht die Welt still“ – wie der spanische Frauenstreik zum Erfolg wurde

Am diesjährigen Internationalen Frauenkampftag fanden in beachtlichen 177 Ländern Demonstrationen statt. Dabei stach der spanische Staat mit einen Generalstreik für die Gleichberechtigung von Frauen besonders hervor. Mindestens fünf Millionen Menschen waren beteiligt. Es war die größte Mobilisierung von Frauen in der Geschichte Spaniens.


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