| Gegen die große Enteignung. Wie um Afrikas Saatgut gekämpft wird

“Ob es uns gelingt, die Landwirtschaft in Tansania zu verbessern, hängt vorrangig davon ab, ob wir das bäuerliche indigene Saatgut verbessern können.“ (Joseph Hella, Sokoine Universität für Agrarwirtschaft)

Die Mehrheit der Bevölkerung auf dem afrikanischen Kontinent ist  – wie in weiten Teilen des globalen Südens – direkt von der Landwirtschaft abhängig. Sie ist die Hauptlebensgrundlage und Stütze der Wirtschaft. Gerade Saatgut ist daher ein wichtiger Ansatzpunkt für Entwicklungsinterventionen. Diese könnten für Kleinbäuer*innen eigentlich eine ganze Reihe von Vorteilen haben: verbesserte Ernährung und Nahrungsmittelsicherheit, positive ökologische Effekte und gesteigerte Resilienz gegenüber dem Klimawandel. Auch für den sozialen Zusammenhalt und die Kultur spielen Saatgut und Landwirtschaft in vielen afrikanischen Gesellschaften eine wichtige Rolle.


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| Queerfeldein. Queer-feministische Perspektiven auf die Bewegung für Ernährungssouveränität

The effects of gender stereotypes are present everywhere, and especially in agriculture.
(Land Dyke Manifesto by Land Dyke Feminist Family Farm, Taiwan)

Queerfeminismus ins Feld führen

Acht Jahre nach der Verfassung der Nyéléni-Erklärung (Nyéléni, 2007) äußerte Kelli Malford vom nationalen Koordinationskreis der Landlosenbewegung Brasiliens (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra – MST) im Anschluss an das erste LGBT[1]-Seminar ihrer Organisation 2015, dass es wichtig sei anzuerkennen, dass die LGBT-Community in den Reihen der sozialen Basis, der politischen Aktivist*innen und der politischen Leitung der Bewegung längst präsent sei.
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| Über die Nische hinaus. Wie eine Graswurzel­bewegung Alternativen zum Markt aufbaut

Was ist das Grundprinzip der Solidarischen Landwirtschaft?

Es geht erstmal darum, selbst einen zusätzlichen und überschaubaren Wirtschaftskreislauf aus Konsument*innen und Agrarproduzent*innen zu organisieren. Darin soll der Austausch von Lebensmitteln, Geld und praktischer Unterstützung so funktionieren, dass am Ende nicht nur biologisches und regionales Essen auf den Tellern landet, sondern die, die es angebaut haben, auch davon leben können.
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| Warum die imperiale Lebensweise die Klassenfrage ausblenden muss

Ulrich Brand und Markus Wissen haben vor einiger Zeit ein neues Konzept in den Kosmos der kritischen Gesellschaftstheorie eingeführt: Die „imperiale Lebensweise“ (ausführlich: Brand/Wissen 2017). Was erklärt dieses Konzept? Wie verändert es unser Denken über Herrschaft und Ausbeutung, über die kapitalistischen Verhältnisse? Wie beeinflusst es unsere Strategien?
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| »Nichts zu verlieren als ihre Ketten?« Neue Klassenpolitik und imperiale Lebensweise

Es gibt in der Linken, wie Michael Brie und Mario Candeias (2017) in den Blättern für deutsche und internationale Politik schreiben, ein politisches Vakuum. Ein dritter »Pol der Solidarität und Gerechtigkeit« – neben dem Pol des gemäßigten Neoliberalismus und dem Pol der Neuen Rechten – müsste erst aufgebaut werden. Dazu wäre eine neue Klassenpolitik zu entwickeln1, die »einen klaren Gegnerbezug formuliert, zu der führenden Klasse ›oben‹ und gegen rechts, gegen ein neoliberales ›Weiter-so‹, gegen autoritären Umbau und nationalistische, rassistische Mobilisierungen. Sie müsste zudem die Klassenfrage aus ihrer Fixierung auf die alte, oft männlich geprägte Arbeiterklasse lösen und zu einer feministischen und gegen geschlechtliche Normierungen gerichteten – also queeren – und ökologischen Klassenpolitik sowie zu einem klassenbewussten Antirassismus weiterentwickelt werden. Mit einer neuen Klassenpolitik könne der falsche Gegensatz zwischen sozialer Frage und (vermeintlicher) Identitätspolitik überwunden werden. Feminismus und Ökologie sind nicht nur Elitethemen – es sind auch Klassenfragen.« (Ebd., 85) Damit könnte der »Herrschaftsknoten« (Frigga Haug) verschiedener Unterdrückungsverhältnisse durchtrennt werden und »eine Art verbindender Antagonismus« entstehen. Es gehe um eine »Organisierung und gemeinsame Aneignung von gesellschaftlichen Lebensbedingungen«, wozu gerade neue Projekte und Praktiken zählen, die das gesellschaftliche »Unten« erfassen und von diesem selbst getragen werden (ebd.).
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| Vielfalt statt Monokultur. Wie geht linke Agrarpolitik?

Das Scheitern der EU-Agrarpolitik

In der Agrarpolitik klaffen behaupteter Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander. Für DIE LINKE ist zentral, dass sich die Landwirtschaft am Gemeinwohl orientieren soll. Dieser Anspruch ist auf europäischer Ebene formal verankert: In den Römischen Verträgen von 1957 ist das Ziel einer sicheren Versorgung mit Lebensmitteln zu angemessenen Preisen festgehalten. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Von kostendeckenden Preisen,
mit denen Landwirtschaftsbetriebe überleben und vernünftig wirtschaften können, sind wir heute weiter entfernt denn je. Die Bedingungen der real existierenden kapitalistischen Marktwirtschaft setzen landwirtschaftliche Produzent*innen permanent unter Druck.
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| Konzerne denken in Quartalen, Bauern in Generationen

Wer Ernährungssouveränität will, muss bäuerliche Strukturen stärken

In der städtischen Vorstellungswelt sind bäuerliche Betriebe ein Refugium jenseits kapitalistischer Verwertungsinteressen. Man muss nur auf die wirklichkeitsfernen Bilder in den Supermarktregalen und Werbeclips schauen. Tatsächlich aber ist die Landwirtschaft völlig durchkapitalisiert. Trotzdem ist die Sehnsucht nach einer anderen Landwirtschaft, in der eine Ökonomie der Sorge um das Land und seine Lebewesen über den Kapitalinteressen steht, nicht aus der Luft gegriffen. Sie stützt sich auf reale Bedürfnisse und auf eine konkrete, geschichtlich verankerte und enkeltaugliche landwirtschaftliche Praxis, die ich »bäuerlich« nennen will und die für das Ziel der Ernährungssouveränität zentrale Bedeutung hat. Denn wer ein Ende der Abhängigkeit des Lebensmittelsektors von den Kapitalinteressen einiger weniger Konzerne will, muss bäuerliche Strukturen stärken, die anders funktionieren. Ernährungssouveränität setzt auf die Dezentralisierung und Diversifizierung der Lebensmittelproduktion. Sie braucht kleinteilige, regionale Netzwerke, von Erzeuger*innen untereinander wie auch von Erzeuger*innen und Verbraucher*innen, die als freie Assoziationen politisch aushandeln, wie und was die Vielen erzeugen und essen wollen, und dies auch ökonomisch umsetzen. Landwirtschaftliche Produktions-, Reproduktions-, Zirkulations- und Konsumptionsbedingungen müssen ökologisch nachhaltig, sozial gerecht, demokratisch und daher vielfältig organisiert sein.
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| Essen ist politisch. Warum immer mehr Menschen es satthaben

Essen ist politisch. Unter diesem Motto demonstrierten am 20. Januar 33 000 Menschen in Berlin gegen die Agrarindustrie und die Agrarpolitik der Bundesregierung. Es waren deutlich mehr als im Vorjahr, und es waren vor allem mehr junge Leute und Familien mit Kindern dabei. Seit acht Jahren finden die Demonstrationen alljährlich zur »Grünen Woche« im Januar statt, unter dem Motto »Wir haben Agrarindustrie satt«. Und das bei Wind und Wetter. Mit 160 Traktoren beteiligten sich dieses Jahr so viele Landwirte1 wie noch nie. Auch sie haben eine Agrarpolitik satt, die sie zu den Sündenböcken der Nation macht und ihnen immer häufiger die Existenzgrundlage nimmt.
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| »Erst kommt das Fressen« – LuXemburg 1/2018


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| Weltrettung im Supermarkt – wie ethischer Konsum ein unethisches System stützt

Wenn man bei Google das Wort „nachhaltig“ eingibt, erhält man 16 Millionen Treffer. Wenn man in den Ergebnissen stöbert, also in Medienberichten, auf den Homepages von Konzernen und NGOs oder in den ungezählten Portalen für „ethischen Konsum“ stellt man schnell fest: Alles, was einmal als schädlich und schändlich galt, dient heute der Weltrettung. Thunfischsteaks, dicke Autos, die Formel 1, Aktienfonds, Flugreisen, Pelzmäntel, Gemüse aus Südspanien, Pflanzensprit, Palmöl, gentechnisch verändertes Soja, Kohlekraft, Staudämme, Erdöl aus der Arktis – all das gibt es heute in „nachhaltig“, „grün“ oder „verantwortungsvoll“.
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