Thomas Piketty ist Ökonom und Professor an der Paris School of Economics und der École des Hautes Études en Sciences Sociales. 2014 sorgte seine Veröffentlichung Das Kapital im 21. Jahrhundert (Französisch 2013: Le Capital au XXIe siècle) weltweit für große Aufmerksamkeit.
Trump und Macron werden gern als Gegensätze betrachtet: hier der vulgäre amerikanische Geschäftsmann mit seinen fremdenfeindlichen und klimaskeptischen Tweets, dort der aufgeklärte europäische Geist, der sich um den Dialog der Kulturen und nachhaltige Entwicklung bemüht. Das ist nicht völlig falsch. Sieht man sich aber ihre Politik näher an, ist man erstaunt über die Parallelen. Vor allem haben Trump wie auch Macron ganz ähnliche Steuerreformen verabschieden lassen. Sie stellen in beiden Fällen eine unglaubliche Flucht nach vorn im Steuerdumping zugunsten der Reicheren und Mobileren dar.
Eine Reihe Kritiker, etwa Branko Milanovic und Anwar Shaikh, haben nahegelegt, Ihre Arbeit in der klassischen Tradition der Wirtschaftswissenschaften anzusiedeln, insofern als dass sie Themen wie Klasse, Kapital und Arbeit wiederbelebt und sich makroökonomischen Fragen widmet - sie verstehen Sie also als Teil einer Tradition, die sich von Smith zu Keynes über Marx und andere dehnt. Wo sehen Sie selbst sich? Ich versuche, einen Beitrag dazu zu leisten, das Thema Verteilung wieder ins Zentrum der ökonomischen Analyse zu bringen. In diesem Sinne kann meine Arbeit sicherlich als ein Versuch zur Weiterverfolgung einer Tradition angesehen werden, die im 19. Jahrhundert sehr bedeutsam war in ihrem Bemühen um die Untersuchung langfristiger Trends in der Verteilung von Einkommen und Wohlstand. Ich denke, Verteilung und Langfristigkeit wurden viel zu lange vernachlässigt.