Der Schweizer Schriftsteller Robert Cohen lebt seit den 1980er-Jahren in New York und hatte dort einen Lehrstuhl für Germanistik inne. Er verfasste unter anderem den Roman „Exil der frechen Frauen“ (siehe Auszüge in LuXemburg 4/2010), eine Geschichte über das Leben und den Kampf Olga Benarios und anderer kommunistischer Frauen und ihrer Verfolgung und Vernichtung durch die Nazis.
Robert Cohen begann sein Tagebuch eines „abwendbaren Abstieges der USA unter Donald Trump" im November 2016. Minutiös verzeichnet er die Ereignisse im Zusammenhang mit dem neuen US-Präsidenten. Das Tagebuch wird zunächst ohne Ziel und Zweck verfasst: „Frage ich mich, für wen diese Aufzeichnungen bestimmt sind, so kann die erste Antwort nur lauten: für mich selbst. Schreiben als Therapie, als fortwährende Anstrengung, in einer Zeit, die aus dem Ruder läuft, an der Vernunft festzuhalten.“ Auf den ersten Blick ist es eine nüchterne Chronik schier unglaublicher Nachrichten. Aber gerade die Form des Tagebuchs führt vor, wie verdichtet die zeitliche Abfolge der Ereignisse verläuft. In schneller Folge zeigt der neue Autoritarismus seine Fratze, begeht Abscheulichkeiten, schafft Tatsachen. Doch auch der Widerstand erhebt sich, vielfältig und wachsend. In einer Auswahl von 16 Tageseinträgen zeigt sich gedrängt die gesellschaftliche Polarisierung unserer Zeit. Wir dokumentieren die Einträge mit freundlicher Genehmigung des Autors.