Panagiotis Sotiris arbeitet als Journalist in Athen. Er ist Redakteur von Historical Materialism.
Giorgio Agamben hat in seiner jüngsten Intervention die Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie als Ausübung einer Biopolitik des "Ausnahmezustands" charakterisiert. Er hat damit eine wichtige Debatte darüber angestoßen, wie wir heute Biopolitik begreifen.
Der 25. Januar markiert einen Wendepunkt für Griechenland. Mit dem Wahlsieg SYRIZA’s ist das Ende der Austeritätsregierung von Nea Dimokratia und PASOK besiegelt. Die politische Landschaft hat sich damit dramatisch verändert. Dies ist das Ergebnis einer in Europa beispiellosen politischen Krise, die in einigen Momenten die Form einer hegemonialen Krise annahm. Der Teufelskreis aus Sparkurs–Arbeitslosigkeit–Rezession war in seinen Auswirkungen verheerend. Mit ihm entstand eine lang anhaltende Protestbewegung, die in einigen Augenblicken fast aufständische Formen annahm und als Katalysator fungierte für die tiefen Brüche in der politischen Repräsentation. In weiten Teilen der subalternen Klassen wuchs ein neues Gefühl der gemeinsamen Identität des Kampfes und Protestes – neue Formen der Politisierung und Radikalisierung entstanden.
Seit zwei Jahren ist die griechische Gesellschaft ununterbrochenen Angriffen ausgesetzt. Die Staatsschuldenkrise hat zur Durchsetzung drastischer Sparprogramme geführt, die die Gesellschaft schon jetzt an den Rand einer sozialen Katastrophe geführt haben. Die Durchschnittslöhne sind um mehr als 20 Prozent gefallen,
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Schulen und Krankenhäuser haben Schwierigkeiten, die Versorgung aufrechtzuerhalten, und die offizielle Arbeitslosenquote hat die 20- Prozent-Marke schon überschritten.