Giorgio Agamben wurde mit Homo sacer zu einem der meistdiskutierten Philosophen unserer Zeit. Mit einer Vielzahl historischer wie aktuell politischer Bezüge gelingt es ihm zu zeigen, wie der permanente Ausnahmezustand zum neuen Paradigma des Regierens geworden ist. Agamben lehrt an der Universität Venedigund am Collège International de Philosophie in Paris.
Hier in Athen[1] über das Schicksal der heutigen Demokratie nachzudenken, ist irgendwie verunsichernd, weil es dazu zwingt, das Ende der Demokratie an dem Ort zu begreifen, an dem sie entstand. Tatsächlich möchte ich die Hypothese vorbringen, dass das Regierungsmodell, das heute in Europa vorherrscht, nicht nur undemokratisch ist – man kann es auch nicht als politisch betrachten. Ich will deshalb versuchen zu zeigen, dass die europäische Gesellschaft heute keine politische Gesellschaft mehr ist. Sie ist etwas ganz Neues – etwas, wofür uns die richtigen Begriffe fehlen und wofür wir deshalb eine neue Strategie zu entwickeln haben.