Gayatri Chakravorty Spivak ist eine der Gründungsfiguren der postkolonialen Theorie. Als Professorin für Literaturwissenschaft an der Columbia University (NY) pendelt sie zwischen der akademischen Welt und den Slums von Kalkutta, in denen sie seit Jahren Bildungs- und Organisierungsarbeit betreibt. Ihr Text Kann die Subalterne sprechen? (eng.: 1988/dt.: 2008) wurde zu einem einflussreichen Bezugspunkt marxistischer, poststrukturalistischer und postkolonialer Kritikansätze.
Kann die Subalterne sprechen? geht auf einen Vortrag von mir mit dem Titel Macht und Begehren (Power and Desire) vom Sommer 1983 zurück. Ich versuchte gerade, mich aus dem Bann von Foucault und Deleuze zu befreien. Zugleich war dies wohl der Zeitpunkt, an dem sich Derrida der Politik zuzuwenden begann. Im Zentrum meines Schaffens stand damals die französische Theorie, standen Yeats und Marx – ich war auf Europa konzentriert. Aber ich spürte, dass die Zeit reif war für eine Veränderung. In meiner anfänglichen Euphorie wandte ich mich dahin, woher ich gekommen war, ich besann mich auf die (soziale) Klasse, aus der ich stammte.