Bernd Röttger ist Sozialwissenschaftler,Autor und Lehrbeauftragter an der Universität Wien, sowie Redakteur von Das Argument.
Ökologie und die Emanzipation der Arbeiterklasse sind historisch betrachtet ein Widerspruch. Dies gilt zumindest für den globalen Norden. Die hiesigen Kämpfe für soziale und politische Rechte, so zeigt Timothy Mitchell (2011) in seinem Buch "Carbon Democracy", profitierten wesentlich davon, dass im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert die Kohle als Energieträger eine ökonomisch herausragende Rolle zu spielen begann.
Der gegenwärtige Kapitalismus hat sich in die Krise manövriert, ohne dass es einer »relativen Prosperität der Arbeiterklasse« bedurfte, wie Marx sie vor Augen hatte; deren Kämpfe deutete er als »Sturmvogel der Krise« (MEW 24, 410). Die jüngste Periode kapitalistischen Wachstums setzte vielmehr die Schwächung der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung voraus.
Mit der »großen Krise« seit dem Herbst 2008 wurde nicht nur das privatkapitalistische Finanzkapital in einen Strudel der Kapitalvernichtung gezogen. Von der »real- ökonomischen« Krise in der BRD waren und sind vor allem jene exportorientierten Kapitalfraktionen aus Maschinenbau und Automobilindustrie betroffen, die lange Zentren gewerkschaftlicher Macht und vergleichsweise »guter« Arbeit und Entlohnung bildeten.