| »RE:ORGANISIEREN« – Luxemburg 4/2011

Januar 2012

Niemand kann mehr sagen, dass sich kein Widerstand gegen die herrschende Krisenpolitik regt. Seit Anfang des Jahres sind »plötzlich« neue Kämpfe entstanden (vgl. Luxemburg 2/2011). Nicht einzuordnen in die üblichen Kategorien der politischen Wahrnehmung, getragen von »ganz normalen Leuten«, scheinen sie unorganisiert. Vergangene Bewegungen und ihre Erfahrungen gehen in die neuen politischen Kämpfe ein; gleichzeitig markieren sie einen Bruch: Ihre Ziele und Artikulationsformen sind neu – sie re-organisieren. Linke Parteien, Gewerkschaften und Organisationen haben bislang keine Reorganisierung hervorgebracht. Allerdings haben die Prozesse vielerorts begonnen: Gewerkschaften wenden sich partizipativen, konfliktorientierten Strategien zu. Die Einsicht verbreitet sich, dass die Prekären nicht nur eine Randgruppe der Mitglieder sind, und eine strategische Rolle spielen könnten. Die Linke ist entstanden als Partei verschiedener linker Strömungen, Gewerkschaften und anderer sozialer Bewegungen; ihr Programm ist – bei allen Schwierigkeiten solcher Diskussionen – der Versuch, eine Plattform für ein linkes Mosaik zu bilden. Eine neue Verbindung der Bewegungen, Gewerkschaften und Parteien ist notwendig.

Kein Teil der pluralen Linken, keine Partei, keine Gewerkschaft, kann eine Führungsrolle allein beanspruchen. Aus der gegenseitigen Akzeptanz, aus dem Wissen um das Aufeinander-Angewiesensein muss »Führung« als Handlungsfähigkeit, Reorganisierung zur Gegenhegemonie gemeinsam erarbeitet werden. Das Feld muss neu organisiert werden.

Inhalt

Editorial

Re:Organisation

Horst Kahrs Mal wieder die Organisationsfrage stellen

Christina Kaindl und Rainer Rilling Eine neue »gesellschaftliche Partei«? Linke Organisation und Organisierung

Mimmo Porcaro Linke Parteien in der fragmentierten Gesellschaft

Tasos Koronakis Linkspartei auf dem Syntagma-Platz

David Cohen und Peter Martin Sozialismus 3.0 in China

Marlene Streeruwitz Gehen

Re:Organisieren

Bernd Riexinger Neue Streikkultur

Jeffrey Raffo Transformative Organizing im Betrieb?

Corinna Trogisch Mit kämpfenden Frauen voran?

Ibrahima Thiam Uns reicht’s! Proteste im Senegal

Amacodou Diouf »Die Senegalesische Zivilgesellschaft muss Bündnisse mit den politischen Kräften schmieden« Ein Gespräch

Malte Daniljuk Neue Bündnisse für Transformation in Chile

Nik Theodore Bildung, Forschung, Organizing. Ein Gespräch

Ai-Jen Poo Organizing with Love

OCCUPY

Judith Butler Körper in Bewegung und die Politik der Straße

Richard D. Wolff und Jan Rehmann Occupy Wall Street: Eindrücke und vorläufige Überlegungen

»We are the 99 Percent« – Bilder einer Bewegung

Ethan Young Occupy Wall Street öffnet politische Räume für die US-Linke

Ingar Solty Interregnum neuer Protestbewegungen. Thesen zur politischen Artikulation der Krise

 

Dezember 2011, VSA, 160 S., 10 Euro, ISBN 978-3-89965-859-0

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