| Eskalator hoch und runter

Von Manja Präkels

»Die Menschen aus dem Osten sahen aus wie Schauspieler aus einem Maxim-Gorki-Stück, die plötzlich ihre Bühne verloren hatten und auf einer anderen Bühne, in der ein ganz anderes Stück gespielt wurde, gelandet waren.«

Emine Sevgi Özdamar, in »Ulis Weinen«

Soweit ich mich erinnere, hatte ich mich auf das Jahr ’89 gefreut. Der Fahrerlaubnis näher zu kommen. Bald kein Kind mehr zu sein. Das nichts sagen darf. Was ich wirklich nicht erwartet hatte, war, im November des Jahres schamvoll auf der Rolltreppe eines Westberliner Warenhauses zu stehen.


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| Damals

Von Anke Stelling

Ich war nie in der DDR gewesen, aber ich liebte Westberlin. Westberlin gab es nur, weil es die DDR gab. Ich war doch schon in der DDR gewesen, aber nur im Transit, im Auto meiner Eltern oder in dem D-Zug, der sechs Uhr vierzehn am Bahnhof Zoo ankam; das wurde vom GRIPS-Theater besungen, und ich wusste genau, wie es sich anfühlte: sechs Uhr vierzehn, Bahnhof Zoo, und dann in die U-Bahn umsteigen.
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| Wer schreibt Geschichte? Rückblicke auf die Wendezeit

1989/90 war eine Zäsur in der deutschen Geschichte. Die Hoffnungen auf eine Demokratisierung und Erneuerung des Sozialismus in der DDR wurden schnell von den Ereignissen überrollt und gerieten in ein neues Fahrwasser. Der Mauerfall, Wahlen, der Anschluss der DDR an die Bundesrepublik, eine vorzeitige Währungsunion, die Privatisierung der volkseigenen Betriebe, ein bis dato unbekannter Anstieg der Massenarbeitslosigkeit sowie die Übernahme von Führungspositionen durch Westdeutsche haben die (ost-)deutsche Geschichte und die Biografien der in der DDR aufgewachsenen Menschen nachhaltig geprägt und beschädigt. Die Wunden sind kaum vernarbt und werden erst langsam anerkannt. Aber auch die alte BRD, die manchen Ostdeutschen mit ihrer Reisefreiheit und ihrem hohen Konsumniveau als Sehnsuchtsort galt, veränderte sich. Der Neoliberalismus, entstanden aus der Krise des Fordismus in den 1970er Jahren, entfaltete nun, wo er sich ungehindert globalisieren konnte, seine volle Dynamik und setzte die alte Wohlfahrtsstaatlichkeit der BRD massiv unter Druck.Die deutschsprachige Gegenwartsliteratur hat diese Zäsur(en) in sich aufgenommen und gespiegelt, ver-spiegelt oder zerr-spiegelt ästhetisch verhandelt und die subjektive Seite der Ereignisse von 1989/90 nachgezeichnet. Zahlreiche Romane haben die Einzelgeschichten und Schicksale, die doch immer auch Typen reflektieren und Allgemeines aussagen, erinnerlich gemacht: Ingo Schulze, Annett Gröschner, Regina Scheer, Clemens Meyer, Jenny Erpenbeck, Erasmus Schöfer, Reinhold Andert, Christoph Hein, Manja Präkels, Peter Richter, um nur einige zu nennen. Was denken diese Schriftsteller*innen heute über die Ereignisse von damals? Bewerten sie sie neu? Was hat sich damals eigentlich verändert? Was ging zu Ende und was begann? Und was ist für sie das Allgemeine hinter ihrem konkreten Schicksal? Die Zeitschrift LuXemburg wirft einen Blick auf 30 Jahre seit der Wende und die Folgen. In der Reihe “Wer schreibt Geschichte?” erscheinen Beiträge von Künstler*innen, die sich mit der Zäsur 1989/90 auseinandersetzen.

Eskalator hoch und runter
Von Manja Präkels

Damals
Von Anke Stelling

Die Schildkröte
Von Steffen Mensching

Mehr als ein Mauerfall
Von Annett Gröschner

Mauerfall Memories
Von Norbert Niemann

Es war einmal
Von Heike Geißler

Never back in the USSR
Von Michael Wildenhain

Neunundachtzig Neunzig
Von Ingo Schulze

Die zerfetzte Fahne
Von Erasmus Schöfer

Vergeigt
Von Reinhold Andert

1989 war ich Underground
Von Enno Stahl