| Weil wir es wert sind. Eine queere Agenda von den Rändern her

Zu den besten Traditionen unseres Kampfes als LGBTIQ* gehört es, dass wir uns immer wieder Vereinnahmung und Assimilierung widersetzen. Wir haben Dieins abgehalten, unser Leben auf Pride-Demos aufs Spiel gesetzt, wir waren bereit, Teil des Spektakels zu sein, und sogar willens, den gesammelten Hass auf uns zu ziehen – immer in der Hoffnung, dass uns dieser Einsatz der Emanzipation ein wenig näher bringt. Wir mussten mitansehen, wie sich eine Mainstream-LGBTIQ*-Bewegung herausgebildet und nach und nach von genau dieser Praxis verabschiedet hat. Viele von uns haben in den letzten Jahren eine Menge Zeit in Konferenzsälen und Hotelzimmern zugebracht, um diesem Mainstreaming der Bewegung etwas entgegenzusetzen. Das reicht aber nicht. Wir müssen stattdessen eigene Strategien entwickeln und neue Ressourcen erschließen, um eine Politik der Intersektionalität in wirklich alle gesellschaftlichen Bereiche und in alle Winkel des Landes zu tragen: in die Groß-, aber auch in die Kleinstädte, in die Schlafzimmer, ins Fernsehen, in die Vorstellungswelten der Menschen in diesem Land und auf dem ganzen Globus. Diese Strategien müssen all jene LGBTIQ*-Personen stärken, deren Interessen von der Mainstream-Bewegung nicht vertreten werden – und sie müssen gemeinsam mit bislang eher vernachlässigten Bündnispartnern entwickelt werden.
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| »Wir haben keine Zeit zu verlieren«

SONG wurde 1993 gegründet, um LGBTIQ*-Personen im ländlichen Süden der USA zu organisieren. Nicht leicht in einer Region, in der die rassistische und homophobe Rechte schon immer stark war. Was habt ihr erreicht?

SONG hat einige starke Impulse gesetzt – hier im Süden, aber auch für die Queer- und Trans*-Bewegung in den USA insgesamt. Am wichtigsten ist, dass wir eine tragfähige Basis aufgebaut haben, denn NGOs haben oftmals kaum direkten Kontakt zu denen, die sie angeblich vertreten. Mit mehr als 11 000 Aktiven sind wir inzwischen eine der mitgliederstärksten LGBTIQ*-Organisationen des Landes. Durch gezieltes Organizing und kontinuierliche Arbeit vor Ort ist es uns gelungen, Menschen über die Grenzen von Race, Klasse, Alter und Geschlecht hinweg zusammenzubringen, und zwar um gemeinsame Ziele und Werte herum. Denn es geht neben politischen Interessen auch um die Bereitschaft, uns in dieser Arbeit selbst zu verändern.
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