| Wiedergelesen: Hausarbeit neu gedacht

Von Lise Vogel

Der vorliegende Text ist aus dem Buch »Marxismus und Frauenunterdrückung« von Lise Vogel, das 36 Jahre nach seiner Veröffentlichung im Englischen im Oktober 2019 im UNRAST Verlag erscheinen ist. Vogel schrieb diesen Nachtrag im Jahr 2000 als Erweiterung und Überarbeitung ihrer Theorisierung der Reproduktionsarbeit.[1]

Von den späten 1960er Jahren bis in die 1970er hinein versuchten sozialistische Feministin­nen, unbezahlte Familienarbeit von Frauen innerhalb eines Rahmens marxistischer politischer Ökonomie zu analysieren.[2] Sie hofften, dass eine solche Analyse als Grundlage für ein Ver­ständnis der unterschiedlichen Stellungen von Frauen als Mütter, Familienmitglieder und Ar­beiterinnen und damit für eine materialistische Analyse der Frauenunterdrückung dienen könne.
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| HKWM-Stichwort: europäische Integration

Von Patrick Ziltener (zuerst in HKWM 3, 1997)

Der regionale Integrationsprozess in Westeuropa seit den 1950er Jahren stellt eine politische und theoretische Herausforderung für neomarxistische Theorie dar. Eine politische, weil sich damit die Frage der Bedeutung der europäischen Ebene für den Kampf der Arbeiterbewegung um Hegemonie stellt, eine theoretische, weil die eI neue politökonomische, staats- und imperialismustheoretische Fragen aufwirft. Dementsprechend vielschichtig ist die Debatte, die zudem (wie andere Integrationstheorien) auf die diskontinuierlichen Bewegungen der eI reagiert.
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| HKWM-Stichwort: Europa

Von Frieder O. Wolf (Zuerst: HKWM 3, 1997)

Der erste Satz des Kommunistischen Manifests enthält eine historische Ortsangabe, die seine Botschaft situiert: »Ein Gespenst geht um in E – das Gespenst des Kommunismus.« Der letzte Satz formuliert ihren Universalitätsanspruch: »Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!« (MEW 4, 461, 493) Das Verhältnis beider Sätze, dass E der Ort von etwas ist, das die Ausgebeuteten und Entrechteten aller Länder anruft, ist eines der produktiven Grundprobleme marxistischer Theorie, die sich nicht mit dem hegelianischen Philosophem des »europäischen Ursprungs« der Vernunft zufrieden geben kann. 
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| Ständig bei Marx

Von Judith Dellheim

Gestützt auf Raya Dunayevskaya (1982) darf die These vertreten werden, dass keine Revolutionärin, die zugleich Theoretikerin war, kein Theoretiker und Revolutionär außer Engels sich so umfassend und intensiv mit Marx befasst hat wie Rosa Luxemburg. Unentwegt hat sie in Marx’ Schriften und Notizen gesucht – um sein Denken, seine Methode, sein politisches Agieren und sein Leben zu verstehen und zu erklären, um Probleme zu erfassen und sich mit ihnen radikal auseinanderzusetzen.
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| Marx global?

Von Gayatri Chakravorty Spivak

Seit 1978 hat meine Lehre zu Marx wenig Forschungsliteratur behandelt, sie war aber interaktiv und darum bemüht, mit einer sich wandelnden und vielfältiger gewordenen Welt Schritt zu halten, auch im Bewusstsein darum, dass Marx’ Text auf deutsch geschrieben wurde. Großartige Projekte wie David Harveys Fernunterricht zur Einführung in Marx’ Schriften (2016) sind unterdessen zu Komplizen eines technologischen Willens zur Macht durch Wissen geworden. Was heißt es, zu „wissen“, was Marx geschrieben hat?
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| Marxte noch mal?! − LUXEMBURG 2-3/2017

Am 5. Mai 2018 wäre Karl Marx 200 geworden. Viele feiern ihn als großen Denker, einen der größten vielleicht, aber als einen, der uns heute nichts mehr zu sagen hat, als »toten Hund«. Andere rühmen seine Krisentheorie, entnennen aber seine politischen Perspektiven. Wieder andere versuchen, die von ihm und Engels inspirierte »wirkliche Bewegung«, den Kommunismus, für Realsozialismus, Gräueltaten und Gulag verantwortlich zu machen. Sie brandmarken damit jede Sehnsucht nach einer anderen, nicht-kapitalistischen Zukunft als gefährlich. Selbstverständlich bedarf es einer kritischen (Selbst-)Reflexion einer an Marx anschließenden Praxis, aber auch ihrer kritischen Rückgewinnung, einer Wiederaneignung seines Denkens und Handelns für eine radikale Perspektive der Befreiung. Als Kompass für das Einfache, das so schwer zu machen ist, für eine Praxis, deren Maxime es ist, »alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist«.


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| Warum ich Marxist geblieben bin

Von Bernhelm Booß-Bavnbek

Wir veröffentlichen hier eine leicht gekürzte Fassung des Artikels „Entdeckung des Marxismus 1966/67“, den der Autor vor 30 Jahren in Forum Wissenschaft (4/88) anlässlich des 170. Geburtstags von Karl Marx veröffentlichte.
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| Wider die Anpassungswissenschaft. Marxistisch sein in der Psychologie

Von Morus Markard

»Herr Markard, wie sind Sie eigentlich zur (marxistischen) Kritischen Psychologie gekommen?«, werde ich gelegentlich gefragt. Die Antwort ist: Nach 17 Semestern Psychologiestudium in Bonn, das meine vielfältigen Aktivitäten im AStA der Universität und im Marxistischen Studentenbund Spartakus begleitete, sah ich zwischen der Mainstream-Psychologie, wie ich sie studiert hatte, und meiner sonstigen Lebenspraxis einen nicht zu überwindenden Graben. Ein biografischer Zufall verschlug mich 1975 nach Berlin, und als sich dort die Gelegenheit bot, mich an der Freien Universität mit der Kritischen Psychologie zu befassen, änderte ich meine Absicht, der Psychologie den Rücken zu kehren.
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| Flaschenpost der Hoffnung. Wie Marx und ich zusammenfanden

Von Klaus Weber

ab wann fängt einer an zu merken, dass es ungerecht zugeht auf der welt? wie geht das: spüren, dass die welt mehr bereithält als schießer-unterhosen, die das christkind bringt; wenn es doch jedes jahr schießer-unterhosen brachte? warum sagt einer: ich will nicht so werden wie ihr? und: wie weit ist der weg, um bei marx’ »Kapital« zu landen – zu zeiten, wo es dem herzen, dem mund und dem unterleib besser gefallen hätte, mit mädchen im schwimmbad zu flirten? dann heute: studieren von philosophie, geschichte, politik und so vielem, das zeigt: ich stehe auf der seite der (fast) ewigen NIEDERLAGE. wieso hat mich die andere seite – mit geld, fußball oder kulinarischem – nicht gekapert, wie so viele meiner gefährt*innen?
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| Über Marx hinaus. Feminismus, Marxismus und die Frage der Reproduktion

Von Silvia Federici

Marxismus und Feminismus sind zwei der wichtigsten radikalen Bewegungen unserer Zeit. Ihr Verhältnis zu verstehen ist zentral, um die Spaltung des globalen Proletariats zu überwinden und Strategien für eine gerechtere Gesellschaft zu entwickeln. Im Folgenden diskutiere ich, welche Bedeutung Marx’ Werk für die feministische Theoriebildung und Bewegung heute hat und verweise zugleich auf dessen Beschränkungen – Punkte, an denen wir über Marx hinausdenken müssen.
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