| »Gegenhalten« – LuXemburg 2/2020 erschienen

Die Synagogentür in Halle hat den Schüssen standgehalten, doch die Bedrohung ist nicht abgewehrt. Die Anschläge der letzten Jahre haben die unmittelbare physische Gewalt mit Wucht ins Bewusstsein gerufen. Rechter Terror und rassistische Gewalt bedrohen unser Leben, unsere Politik, die Möglichkeit einer solidarischen Gesellschaft. Vielen Menschen vermitteln sie täglich: „Du gehörst nicht dazu“ und: „Du bist nicht sicher“.

Diese Gewalt ist nicht neu, aber sie tritt in neuen bedrohlichen Konstellationen auf – als Zuspitzung einer autoritären Formierung, die bis in die bürgerliche Mitte, die Parlamente und Sicherheitsapparate reicht. Das fordert linke Gesellschaftsanalyse und Praxis heraus: Wo liegen die Ursachen? Was sind Strategien gegen Rassismus und rechte Gewalt? Wie lässt sich die Frage der Sicherheit den Rechten entreißen? Wie organisieren wir Selbstverteidigung und Solidarität? Kurz: Wie können wir kollektiv GEGENHALTEN?
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| Rechte Gewalt in und aus Deutschland. Ein Jahrhundertproblem

Von Dominik Rigoll

Von den Morden an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht über die Verbrechen des Naziregimes bis zum rassistischen Anschlag in Hanau zieht sich eine Blutspur rechter Gewalt. Wie haben sich Form und Inhalt dieser Gewalt über die Zeit verändert?
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| Der Elefant der Geschichte im Saal C24

Von Friedrich Burschel

Wie das Denken an die Opfer von Halle das Gedenken an die Shoah aufruft

«Das Gericht muss verstehen, dass die Shoah zwar vorbei, aber weiter wirksam ist», forderte die Rabbinerin Rebecca Blady, die am 9. Oktober 2019 in der Synagoge in Halle während eines antisemitischen Anschlags mit 50 weiteren Gläubigen um ihr Leben fürchtete. Mit dem Attentat und seiner gerichtlichen Aufarbeitung wird die von Blady beschworene Gegenwart der Shoah und anderer deutscher Massenverbrechen überdeutlich. Eine Gegenwart, die auch die 247 Stolpersteine zum Gedenken an während der Nazi-Zeit ermordete Bürger*innen der Stadt dokumentieren. Einige davon in der unmittelbaren Umgebung der Synagoge in der Humboldtstraße im Paulusviertel.
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| Zwei Jahrzehnte Zumutungen – 20 Jahre nach der Ermordung Enver Şimşeks durch den NSU

Von Friedrich Burschel

Die Taten des NSU sind noch immer nicht aufgeklärt. Die Angehörigen der Opfer und die Opfer von Anschlägen und Überfällen haben in den letzten zwei Jahrzehnten weder Antworten auf die offenen Fragen noch auch nur so etwas wie Genugtuung erfahren. Stattdessen müssen sie erleben, dass der rechte Terror weitergeht – auch innerhalb der Staatsapparate.
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| Blühende Landschaften und Wolfserwartungsgebiete. Was es heisst, in rechten Räumen Politik zu machen

Von Kerstin Köditz

Gelegentlich verfestigt sich mein Verdacht, im Navi sei eine geheime Zusatzfunktion installiert worden, ein Tool, ausgerichtet darauf, in unregelmäßigen Abständen zu überprüfen, ob ich als Fahrerin noch aufmerksam genug bin, meinen Weg fortzusetzen. Ohne ersichtlichen Grund fordert mich es mit freundlich-ruhiger, aber entschiedener Stimme auf: »Drehen Sie, wenn möglich, um!« »Ja«, seufze ich dann oft, »umdrehen wäre eine Option. Möglich ist es aber gerade nicht.« Und sinnvoll auch nicht, wenn das Ziel gerade in jener Richtung liegt, vor der mich das Navi eindringlich warnt.
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