| Master of Activism

Interview mit Laurence Cox

Gespräch über die Möglichkeit, politischen Aktivismus zu studieren

Nehmen wir mal an, ich bin seit einigen Jahren politisch engagiert und habe von diesem Masterstudiengang für AktivistInnen gehört: Warum sollte ich mich dafür interessieren?

Die Menschen, mit denen wir arbeiten, bringen bereits ein solides Grundwissen darüber mit, wie Aktivismus in sozialen Bewegungen funktioniert. Sie wissen, warum sie sich als AktivistInnen betätigen, meist innerhalb einer ganz bestimmten Bewegung. Es ist häufig so, dass die Leute sich nur in ihrer eigenen Bewegung gut auskennen. Dabei halten sie einen Großteil von dem, was sie machen und wie sie es machen, für selbstverständlich. Sie folgen bekannten Routinen und lassen bestimmte Möglichkeiten und Handlungswege außer acht. Oft wird das natürlich noch durch die Tatsache verschärft, dass sie in einer Organisation aktiv sind, für die sie sich entschieden haben, bevor sie sich einen Überblick über das ganze Spektrum an Möglichkeiten verschafft haben.
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| Bildungsfernweh

Von Klaus Weber

»Jeder trägt sein Ablaufdatum,
weil das Leben ein Abfahrtslauf ist.
Immer hinunter. Nur wenige dürfen hinauf.«
Elfriede Jelinek

Wer von unten kommt, bleibt meist dort und krümmt sich. Der Mensch lässt sich viel gefallen, wo käme man sonst hin. Wer zum Licht, zur Welt hin will, stößt nicht selten oben an und wird zurückgestoßen; mangels Kraft und Geld siegt die Gewöhnung. Und nicht nur sie hat hier gedämpft, es wurde von obenher dem nachgeholfen, vor allem bei ärmeren Fragern, damit nicht zu viel und gar unangenehm gefragt würde. Wird einer gebildet genannt, so ist es für die Unteren eine Möglichkeit, ihn nicht ernst nehmen zu müssen.
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| INTERVIEW: Das Peter-Weiss-Haus als Ort linker Bildung

Mit Stefan Nadolny

Was ist das Peter-Weiss-Haus?

Stefan Nadolny: Das Peter-Weiss-Haus (PWH) gibt es seit 2009. Jedes Jahr finden hier 600 bis 700 Veranstaltungen statt: Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Seminare, aber auch Proben freier Theatergruppen. Und die jährliche Peter-Weiss-Woche. Das Haus bietet Freiraum für vieles, von der Aktionsvorbereitung über Konzerte bis hin zur Zeitungsredaktion. Politisch verstehen wir es als Ermöglichungsstruktur. Das heißt, wir bieten Menschen Raum und Ressourcen für eingreifende Praxen.
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| Child Care Crisis

Von Sabine Hattinger-Allende

Kinder, Politik und Transformation

»Kinder sind unsere natürlichen Feinde.
Wenn es sie nicht gäbe,
so wäre die Menschheit längst in unserer Gewalt.
Wir brauchen jede Stunde, Minute, Sekunde
der gesamten Menschheit.«
Die grauen Herren in »Momo« von Michael Ende

Wer das Kinderbuch Momo noch kennt, weiß, dass es darin um einen Kampf um Gemeinsamkeit, Zeit und Lebendigkeit geht. Die Geschichte handelt von einem Mädchen, das gut zuhören und gut spielen kann. In Momos Welt treiben graue Herren die Menschen dazu, Zeit zu sparen und all ihr Tun der reinen Produktivität unterzuordnen. Was dabei verloren geht, ist gegenseitige Sorge und lustvolles Leben, Spielen und Arbeiten.
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| Kein Warten auf Godot

Von Dieter Schlönvoigt

Plädoyer für eine linke politische Bildungspraxis

Estragon: Komm wir gehen!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.
Estragon: Ach ja.
(Warten auf Godot, Samuel Beckett)

Alle gesellschaftlichen Phänomene existieren, weil sie Menschen machen. Auch der Kapitalismus. Die Linke ist genauso Teil des Problems und hat kein Recht, die Dinge aus einer Mondperspektive abwartend zu betrachten.
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| Kein Liebesdienst für die gute Sache

Von Miriam Pieschke

Warum kritische Bildung gute Bedingungen braucht

»Nicht existenzsichernd.« So beschrieb Bernd Wittich (2007) die Einkommen von DozentInnen der politischen Bildung. Die Arbeitsbedingungen von soloselbständig Lehrenden haben aber nicht nur Konsequenzen für deren Lebensgestaltung, sie gefährden auch das Potenzial von emanzipatorischer Bildung als Teil eines hegemoniekritischen Projekts.
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| Das Politische der Bildung

Von David Salomon

Fallstricke kritisch-emanzipatorischer Bildungsarbeit

Ein zentrales Problem beim Reden über kritisch-emanzipatorische Bildung besteht darin, dass hier drei Begriffe zusammengeführt werden, die schon deshalb dubios sind, weil sich kaum jemand finden lässt, der das durch sie Bezeichnete ablehnt. Kritik, Emanzipation und Bildung sind »Fahnenwörter«, wie der Linguist Clemens Knobloch bemerkt, also Floskeln, die etwas bezeichnen, das man gut finden soll.
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| Strategisches Lernen

Von María do Mar Castro Varela

 

»I came to theory because I was hurting –
the pain within me was so intense that I could not go on living.
I came to theory desperate, wanting to comprehend –
to grasp what was happening around me.
Most importantly, I wanted the hurt go away.«
(hooks 1994, 59)

An einer Stelle ihres Werkes bemerkt die postkoloniale Theoretikerin Gayatri Chakravorty Spivak, dass es darum gehen müsse, Privilegien als einen Verlust zu betrachten. Dies dreht die Vorstellung um, dass es vor allem darum gehe, Privilegien abzugeben und/oder sich dieser zu schämen. Die Idee, Privilegien als Verlust zu betrachten, erkennt, dass diese, bleiben sie unreflektiert, das kritische Denken vernebeln und die Imaginationshorizonte einschränken.
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| Gute Zeiten, schlechte Zeiten

Von Julika Bürgin

Emanzipatorische Bildung in der Krise Ihrer Voraussetzungen

Emanzipatorische Bildung zieht ihre Energie aus emanzipatorischen Bewegungen und Praktiken. Sie ist stark in Zeiten starker Demokratie, in denen der Demos um Demokratisierung kämpft. Aus der politischen und sozialen Praxis (die im besten Falle selbst Bildungsprozesse ermöglicht) entstehen Fragen, die aufzuklären sind. Die Praxis bringt Menschen zusammen, die miteinander etwas klären wollen, um etwas zu bewegen. Greifbare Ziele und die Aussicht auf ihre Verwirklichung machen die Anstrengungen von Bildung lohnenswert.1

Und heute? Die gesellschaftlichen Voraussetzungen emanzipatorischer Bildung lassen sich als dreifache Krise beschreiben: als Krise der Demokratie, als Krise gesellschaftlicher Emanzipationsprojekte und als Krise konkreter Utopien.
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| Kämpfe gegen die Dummheit

von Alex Demirović

Von Elfenbein- und Leuchttürmen

Für die Linke und alle, die an der Entwicklung kritischen und emanzipatorischen Wissens interessiert sind, ist der neoliberale Umbau der Hochschulen, wie er sich seit gut zwanzig Jahren vollzieht, alarmierend. Denn in der Form des Wissens und in der Art, wie es beschaffen und zugänglich ist, gibt sich eine Gesellschaft an die Zukunft weiter. Gegen ihre historische Tendenz wurden die Hochschulen seit den 1950er Jahren wichtige Orte für kritische Theorie.
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