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Die Kosten unbezahlter Hausarbeit

Von Dania Thomas, Catherine Hoskyns und Shirin M. Rai

Gäbe es mehr Geschlechtergerechtigkeit, wenn der Wert von Hausarbeit anerkannt würde? Und würde die Anerkennung unentlohnter Hausarbeit die Lage derjenigen, die sie verrichten, tatsächlich verbessern?

Mit unseren Überlegungen zum Konzept der »Auszehrung durch soziale Reproduktion« (AsR) können wir diese Fragen nicht abschließend beantworten – es verspricht jedoch dreierlei: erstens den Nachweis, wie sehr der globale Kapitalismus auf Reproduktionsarbeit angewiesen ist; zweitens eine Möglichkeit, die damit verbundenen menschlichen Kosten systematischer zu erfassen; und drittens die Chance, nicht nur für eine gesellschaftliche Anerkennungvon von häuslicher Arbeit zu sorgen, sondern auch Strategien zu entwickeln, mit denen die menschlichen Kosten minimiert werden können.

Haus-, Erziehungs- und Sorgearbeit gelten in der feministischen Ökonomiekritik als Kern der sozialen Reproduktion. Über ihren wenig beachteten Beitrag zur Volkswirtschaft ist viel geforscht und geschrieben worden. Auch methodisch sind neue Wege beschritten worden, um den Wert von unbezahlter Arbeit besser zu erfassen, zum Beispiel durch Zeitbudgeterhebungen oder durch die Anwendung anderer Berechnungsmodelle der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Zur Messung der Fortschritte bei der Geschlechtergleichstellung wurden Instrumente wie der Gender-related Development Index (GDI) oder die Gender Empowerment Measure (GEM) entwickelt. Da sie den Wert von Fürsorgearbeit sowie den anderer Tätigkeiten im informellen Sektor ebenso wenig berücksichtigen, haben sie auch Kritik auf sich gezogen. Insgesamt wurde dem Bereich der häuslichen Arbeit im Zuge anhaltender ökonomischer Krisen jedoch mehr und mehr Aufmerksamkeit zuteil: »Wenn der Druck auf die Familien und Haushalte wächst, immer mehr unbezahlte Arbeit zu leisten, um anderswo entstandene Versorgungslücken zu schließen, kann dies zu einer Auszehrung menschlicher Kapazitäten führen […] Der häusliche Sektor ist angewiesen auf die Unterstützung aller anderen Sektoren. Man kann ihn nicht wie eine unerschöpfliche Quelle behandeln, die sich […] um alle und alles kümmern kann« (Elson 2000, 28). Dennoch gibt es bislang kein angemessenes Rahmenkonzept, um die Folgen der fehlenden Anerkennung von Hausarbeit zu analysieren. Das Konzept der Auszehrung durch soziale Reproduktion – verstanden als ein wesentliches Element kapitalistischer Gesellschaften – bietet eine Möglichkeit, diesem Phänomen systematischer auf die Spur zu kommen.

Bereiche sozialer Reproduktion …

Unserem Verständnis nach gehören zur Sphäre der sozialen Reproduktion zum einen der Bereich der biologischen Reproduktion (einschließlich der Reproduktion der Arbeitskraft). Hier spielen alle Tätigkeiten eine Rolle, die der Befriedigung sexueller, emotionaler und affektiver Bedürfnisse und somit der Aufrechterhaltung von familiären und intimen Beziehungen dienen. Zum anderen geht es um den Bereich der unbezahlten häuslichen Arbeit – er umfasst die Produktion von Gütern, aber auch verschiedene Formen der Fürsorge, der Versorgung und ehrenamtlichen Arbeit zur Befriedigung von Bedürfnissen, die aus dem gemeinschaftlichen Zusammenleben entstehen. Drittens schließen wir den Bereich der Reproduktion von Kultur und Ideologie ein. Sie tragen zur Stabilisierung der herrschenden Verhältnisse bei, sind aber gleichzeitig das Terrain, auf dem diese in Frage gestellt werden können.

Wie der Bereich der sozialen Reproduktion genau organisiert ist, hängt von den je spezifischen historischen Bedingungen und gesellschaftlichen Kontexten ab. Und davon, in welchem Verhältnis Markt und Staat zueinander stehen – als Institutionen und (Austragungs-)Orte kapitalistischer Akkumulation, Regulation und von Kämpfen. Märkte werden – trotz anderslautender neoliberaler Beteuerungen – immer noch von staatlichen Institutionen reguliert. In wirtschaftlichen Krisen wird dies besonders sichtbar. Die gegenwärtigen Umstrukturierungen führen zu einer Situation, in der immer stärker auf unbezahlte Arbeit zurückgegriffen wird, um die Löcher in den Sozial- und Wohlfahrtssystemen zu stopfen. Um die damit verbundenen gesellschaftlichen Nachteile genauer bilanzieren zu können, müssen wir die Kosten der sozialen Reproduktion erfassen. Das Konzept der Auszehrung kann hier behilflich sein.

… und ihre Auszehrung

Unter AsR verstehen wir Folgendes: JedeR von uns verfügt über bestimmte Reserven an Energie, Zeit und Ressourcen, abhängig von der jeweiligen sozioökonomischen Stellung. Sowohl Erwerbstätigkeit als auch unbezahlte Arbeiten zehren daran. Zum Teil sind wir in der Lage, dem Energie- und Kräfteverbrauch mit alltäglichen Vorkehrungen wie Essen, Schlafen und Arbeitspausen entgegenzuwirken. Je älter man ist, desto größer ist auch der »natürliche Verschleiß«. Die Auszehrung lässt sich messen, indem man die Differenz zwischen dem Ressourceneinsatz bzw. -verbrauch und dem Ressourcenzufluss im Bereich der sozialen Reproduktion berechnet und genauer untersucht, wie sich diese auf die Lebenssituation der hier Tätigen auswirkt. Mit AsR haben wir es zu tun, wenn die Ressourcen und Kraftreserven mit der Zeit so stark abnehmen, dass es zu einer totalen Überlastung kommt.

Wann diese Grenze bzw. der »kritische Punkt« erreicht ist, an dem wir von Auszehrung sprechen, hängt von der Situation ab. Auf der individuellen Ebene ist die Schwelle spätestens dann erreicht, wenn die körperliche und seelische Gesundheitslage eines Menschen ein bestimmtes Niveau unterschreitet.

Bislang blieben solche Formen der Überlastung und Ausbeutung weitgehend unsichtbar. Entsprechend wurden auch die damit zusammenhängenden Probleme nicht in Angriff genommen. Der Preis hierfür ist eine noch größere ökonomische Unsicherheit für die Betroffenen.

Während die systematische Erfassung dieser Kosten durchaus eine Form der Anerkennung darstellt, gibt es gleichzeitig Bedenken, das dichotome Modell von Arbeit versus Nichtarbeit auf den Bereich der sozialen Reproduktion zu übertragen. Hier spielen sowohl die Gefahren einer fortschreitenden Kommodifizierung von Hausarbeit eine Rolle als auch die Belohnungen – Zuneigung, Liebe, Achtung und Freude –, die mit diesen Tätigkeiten verbunden sein können. Wir wollen solche Bedenken nicht vom Tisch wischen. Es geht uns vielmehr darum, eine Methode zu entwickeln, mit der die Produktions- und soziale Reproduktionssphäre wieder stärker zueinander ins Verhältnis gesetzt und Strategien entwickelt werden können, damit mehr Frauen und Männer, die unbezahlte Haus- und Fürsorgearbeit leisten, auch von deren positiven Seiten profitieren können.

Ebenen und Dimensionen von Auszehrung

Die drei Ebenen, auf denen wir mit dem Konzept der Auszehrung die Kosten unbezahlter Arbeit erfassen wollen, sind die individuelle, die familiäre und die der sozialen Gemeinschaften. Der Grad der Auszehrung von Individuen lässt sich an ihrem körperlichen und seelischen Zustand festmachen. Man kann ihn zum Beispiel anhand des »Body Mass Index« messen, aber auch daran, wie häufig jemand über Müdigkeit, Schlaflosigkeit, ein reduziertes Selbstwertgefühl oder einen Mangel an freier Zeit klagt. Familien und Haushalte wiederum sind auf ein Grundmaß an kollektiven Ressourcen angewiesen, um die Reproduktion ihrer Mitglieder zu gewährleisten. Hier fehlt es häufig an gemeinsamer Zeit, weil die Arbeitstage immer länger werden, an einem Ersatz für unentlohnte Hausarbeit, wenn etwa immer mehr Familienangehörige erwerbstätig sind, oder auch an Geld für notwendige Wohnungsreparaturen. Einerseits hängt das Wohlbefinden eines Haushaltes von den individuellen Ressourcen seiner Mitglieder ab, anderseits können Konflikte auf der Ebene des Haushalts das Problem der Überlastung Einzelner noch verschärfen. Auf der dritten Ebene, der der Nachbarschaft oder der Kommune, zeigt sich das Phänomen darin, dass es immer weniger kollektive Güter und Ressourcen gibt. Gemeinschatlich genutzte Räume verschwinden, weil der Zwang zur Erwerbsarbeit den meisten keine Zeit für soziale Netzwerke und ehrenamtliche Tätigkeiten mehr lässt. Mangelnder sozialer Austausch und fehlende gemeinschaftliche Ressourcen verstärken auch hier individuelle und familiäre Probleme. Umgekehrt können lebendige Nachbarschaften eine wichtige Stütze für ihre Mitglieder sein. Es ist daher wichtig zu betonen, dass die Folgen von AsR komplex sind: Beinträchtigungen und Ressourcenmangel auf einer Ebene ziehen meist Konsequenzen für die Ressourcenverteilung in anderen Lebensbereichen nach sich.

Auszehrung messen

Die Erfassung von AsR ist eine vielschichtige Aufgabe, bei der auch die Verschränkung von Klasse, Geschlecht, »Rasse« und Kultur eine Rolle spielt. Was ein »normaler Kräfte- und Ressourcenverschleiß« ist, hängt beispielsweise von den sozioökonomischen Rahmenbedingungen ab. Auch verändert sich dies mit der Zeit und mit der jeweiligen sozialen Stellung. Es muss also erfasst werden, welche Mittel und Ressourcen den Individuen, Haushalten und sozialen Gemeinschaften überhaupt zur Verfügung stehen. Außerdem bringt die Messung von AsR einige weitere methodische Schwierigkeiten mit sich. Dazu zählen: der wenig systematische und veränderliche Charakter von AsR; das Problem der Betrachtung unterschiedlicher Formen von AsR auf verschiedenen Ebenen und in diversen Kontexten; die Tatsache, dass Arbeit im Bereich sozialer Reproduktion sowohl auf »erneuerbaren« als auch auf endlichen Ressourcen beruht – dies macht es schwierig, richtige Messkriterien zu finden; sowie das Problem, Methoden und Maßeinheiten zu entwickeln, die für alle Ebenen tauglich sind – unter anderem für den Globalen Norden wie für den Globalen Süden.

Soziale und gesellschaftliche Folgeschäden

Es geht vor allem darum zu klären, ab wann Fürsorge-, Haus- und Beziehungsarbeit insofern zu einem ernsthaften Problem zu werden droht, dass damit massive soziale und gesellschaftliche Folgeschäden verbunden sind. Diese können unterschiedlich auftreten – zunächst als »diskursive Schäden«, wenn etwa die Bedeutung von häuslicher Arbeit negiert wird und damit geschlechtsspezifische Hierarchien, aber auch Ungleichheiten zwischen Klassen und ethnischen Gruppen zementiert werden. Außerdem gibt es »emotionale Schä- den« – etwa die Schuldgefühle von Millionen erwerbstätigen Müttern, denen man einredet, sie vernachlässigten ihre Kinder. Gefährlich ist drittens die fehlende Anerkennung der gesundheitlichen Folgen: Unfälle im Haushalt durch Übermüdung, überlange Arbeitstage, die zu Burnout und schließlich auch zum Verlust des Arbeitsplatzes führen können. Viertens geht es um Schäden, die dadurch entstehen, dass der Zugang zu formalen Rechten verweigert wird – etwa wenn Sozialhilfeempfängern der Status des Rechtssubjekts abgesprochen wird, weil sie für die Wirtschaft »keinen Beitrag leisten«.

Eine kanadische Studie über die gesundheitlichen Auswirkungen von Stress, die Arbeitsbelastungen sowohl im Erwerbs- als auch im häuslichen Leben berücksichtigt (Beaujot/ Anderson 2004), zeigt, wie sich Auszehrung und Arbeitsüberlastungen erfassen lassen. Als zentrale Datengrundlage dienten dort Zeitbudgeterhebungen (24-Stunden-Tagebücher) von Erwachsenen zwischen 30 und 59 Jahren. Stress wurde anhand der subjektiven Einschätzungen der UntersuchungsteilnehmerInnen gemessen, die unter anderem gebeten wurden, Angaben zu Zeitdruck, Angst- und Schuldgefühlen zu machen. Der gesundheitliche Zustand wurde anhand der Anzahl von diagnostizierten Krankheiten und Fehlzeiten am Arbeitsplatz erfasst.

Die Studie dokumentiert im Untersuchungszeitraum (1986–1998) eine Intensivierung sowohl der bezahlten als auch der unbezahlten Arbeit. Besonders stressintensiv sind demnach Gelegenheitsjobs und Beschäftigungsverhältnisse mit einer Wochenarbeitszeit von mehr als 41 Stunden. Die wesentliche Ursache von Stress und damit einhergehenden Erkrankungen sei folglich die hohe zeitliche Gesamtbelastung und weniger das Vereinbarkeitsproblem zwischen Erwerbstätigkeit und Hausarbeit. Zu unerträglichen Überlastungen von Individuen und Haushalten komme es vor allem dann, wenn es keine Unterstützung durch Familienangehörige oder ausreichende materielle Ressourcen gibt. Ein höheres Einkommen ist nicht per se von Vorteil. Es kommt vielmehr darauf an, inwieweit die Ressource Geld tatsächlich zur zeitlichen Entlastung der für die Hausarbeit zuständigen Personen genutzt wird. Hinsichtlich des Verhältnisses von bezahlter und unentgeltlicher Arbeit kann die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit in manchen Fällen durchaus Erleichterung bringen, in anderen Fällen das Problem der individuellen Überlastung und Auszehrung verschärfen.

Umverteilungs- und Transformationsstrategien

AsR ist systembedingt, aber nicht unveränderlich. Es lassen sich im Wesentlichen drei Gegenstrategien nennen: Begrenzung, Kompensation und Transformation.

Bei einer Begrenzung geht es darum, Arbeitsüberlastungen durch Umverteilung innerhalb von Haushalten abzubauen, indem man auf Haushaltshilfen zurückgreift, den Partner verstärkt in die Pflicht nimmt oder Freunde und Nachbarn um Unterstützung bittet. Welche Begrenzungsstrategien zur Verfügung stehen, hängt wesentlich von den vorhandenen finanziellen Ressourcen ab. Entsprechend gibt es hier erhebliche Differenzen zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden, aber auch auf der nationalen Ebene – Klassenzugehörigkeit, Ethnizität und regionale Aspekte spielen hier eine beträchtliche Rolle.

Strategien der Kompensation umfassen Interventionen von Seiten des Staates, aber auch von NGOs, die Individuen und Haushalten helfen können, mit Auszehrung und Arbeits- überlastung umzugehen, ohne ihre strukturellen Ursachen zu beseitigen. Ein Beispiel wäre hier die Einführung eines »Soziallohns«, der jenseits des Erwerbssystems ein Grundeinkommen für alle garantieren würde (Young 1990, 55). Sozialprogramme wie Transferleistungen sind wichtig, um negative Folgen unbezahlter Reproduktionsarbeit abzumildern – gerade in Zeiten von Wirtschaftskrisen sind sie jedoch ständig von Kürzungen bedroht. Hinzu kommt, dass in vielen Staaten und Regionen öffentliche Wohlfahrtsprogramme genauso wenig vorhanden sind wie gute und für alle zugängliche Gesundheits- und Bildungssysteme. Entsprechend wird es dort größerer politischer Anstrengungen bedürfen, um ebenfalls eine bessere soziale Absicherung durchzusetzen, sei es durch den Staat oder durch den Ausbau von zivilgesellschaftlichen Unterstützungsnetzwerken.

Während Begrenzungs- und Kompensationsstrategien die umfassende Krise der sozialen Reproduktion lediglich entschärfen können, zielen Strategien der Transformation auf Strukturveränderung. Hier geht es einerseits um eine grundlegende Umgestaltung der bestehenden Geschlechterordnung, die mit einer Umverteilung von Reproduktionsarbeit einhergehen und Männer gleichermaßen beteiligen müsste. Dadurch würde sich nicht nur das Leben von Millionen Frauen verändern, die heute die Hauptlast dieser Arbeit tragen. Auch die allgemeinen Gesellschaftsverhältnisse wären infrage gestellt, insofern sie sich stärker an die Logik und die Erfordernisse sozialer Reproduktion anpassen müssten.

Die zweite Dimension zielt auf die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung unterschiedlicher Tätigkeiten. Bereits vor einigen Jahren haben wir argumentiert, »dass alle Versuche, den Wert und die Kosten von Reproduktionstätigkeiten zu messen und zu bestimmen, vor allem in kommunikativer Hinsicht von großer Bedeutung sind, weil sie unbezahlte Arbeit in die einzige Sprache übersetzen, die die Regierungen verstehen: nämlich die des Geldes« (Hoskyns/Rai 2007, 302).

Wenn man davon ausgeht, dass gesellschaftliche Transformation nicht das Ergebnis eines isolierten revolutionären Ereignisses ist, sondern vielfältige Veränderungen auf unterschiedlichen Ebenen zur Voraussetzung hat, so erschließt sich einmal mehr, warum wir den Kampf um die Anerkennung von Reproduktionsarbeit und deren Kosten für so entscheidend halten. Mehr soziale Gerechtigkeit wird es nur geben, wenn wir uns um beides kümmern: um eine grundlegende Transformation der Geschlechterverhältnisse und die ungleiche Verteilung von Ressourcen und Chancen im globalen Kapitalismus.

Wir hoffen, dass wir mit unserer Forschung und unserem Konzept der Auszehrung hierzu sowohl in analytischer als auch in praktischer Hinsicht einen Beitrag leisten konnten.

Konkret sollten wir uns dafür einsetzen, dass es mehr methodische und wissenschaftliche Anstrengungen zur Erfassung und Messung sozialer Reproduktionsarbeit und des damit verbundenen Phänomens der Auszehrung gibt;

1| dass die geleistete Reproduktionsarbeit in die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts von Staaten einfließt;

2| dass Sorge- und Pflegearbeit gerechter auf die Schultern beider Geschlechter verteilt wird;

3| und dass der gesamtgesellschaftliche Wert von sozialer Reproduktion noch stärker anerkannt wird und gerade in Krisenzeiten politisch alles unternommen wird, damit den Menschen, Familien und lokalen Gemeinschaften, die hierfür Verantwortung übernehmen, ausreichend Ressourcen zur Verfügung stehen.

Die Anerkennung, Erfassung und Kompensation von unbezahlter Reproduktions- und Hausarbeit ist ein erster politischer Schritt in Richtung der von uns angestrebten gesellschaftlichen Transformation. Das Konzept der Auszehrung soll einer Lebensrealität Ausdruck verleihen, die den meisten Menschen zwar vertraut ist, die sie häufig aber weder genauer benennen noch erfassen können.

Aus dem Englischen von Thomas Laugstien.

 

Literatur

Beaujot, Roderic, und Robert Anderson, 2004: Stress and Adult Health: Impact of Time Spent in Paid and Unpaid Work, and its Division in Families, in: PSC Discussion Paper Series 18(8), ir.lib.uwo.ca/pscpapers/vol8/ [1] iss8/1
Elson, Diane, 2000: The Progress of Women: Empowerment and Economics, in: The Progress of the World’s Women, UNIFEM Biennial Report, New York, 15–36
Hoskyns, Catherine, und Shirin M. Rai, 2007: Recasting the International Political Economy: Counting Women’s Unpaid Work, in: New Political Economy, 12(3), 297–317
Young, Iris Marion, 1990: Justice and the Politics of Difference, Princeton, NJ