| Juristin und Marxistin – alltägliche Diskrepanz

Von Anne-Kathrin Krug

Als ich von der Redaktion die Anfrage bekam, einen Text darüber zu schreiben, was es heißt als Juristin Marxistin zu sein, fiel mir sofort ein, dass Marx ja auch ein wenig Jura studiert hat, aber schon sehr bald entschieden hatte, dass er nicht bei rechtskritischen Reflexionen stehen bleiben könne, sondern den Forschungsgegenstand ganz wechseln müsse. Bekanntermaßen hat er sich dann der politischen Ökonomie zugewandt.
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| Marx global?

Von Gayatri Chakravorty Spivak

Seit 1978 hat meine Lehre zu Marx wenig Forschungsliteratur behandelt, sie war aber interaktiv und darum bemüht, mit einer sich wandelnden und vielfältiger gewordenen Welt Schritt zu halten, auch im Bewusstsein darum, dass Marx’ Text auf deutsch geschrieben wurde. Großartige Projekte wie David Harveys Fernunterricht zur Einführung in Marx’ Schriften (2016) sind unterdessen zu Komplizen eines technologischen Willens zur Macht durch Wissen geworden. Was heißt es, zu „wissen“, was Marx geschrieben hat?
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| Marx und die Internationale Arbeiterassoziation. Wie er die Fäden zusammenhielt

Von Manfred Neuhaus

Als vor 150 Jahren, im September 1867, der erste Band des „Kapitals“ erschien, stand Autor Marx – seit der gescheiterten europäischen Revolution von 1848/49 Journalist und Privatgelehrter in London − im Zenit einer erstaunlichen politischen Karriere. Sie begann in den Abendstunden des 28. September 1864, als briti­sche Gewerk­schafter, französische, deutsche, italienische, polnische und irische Arbeitervertreter und politische Emigranten aus verschiedenen Ländern des Kontinents – Chronisten beziffern die bunte europäische Melange auf 2000 Teilnehmer – in der Londoner St. Martin’s Music Hall, unweit des Trafalgar Square, ein geradezu verwegenes Projekt aus der Taufe hoben:
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| Marxte noch mal?! − LUXEMBURG 2-3/2017


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| Das Ganze begreifen. Mit Marx die Kunstgeschichte neu lesen

Von Jutta Held

Der Anfang ist im Rückblick leicht zu verstehen. Unser Studium war durch totale Ziellosigkeit und Abstraktheit gekennzeichnet, wir bewegten uns in unirdischen Räumen, in denen kunsthistorische Hypostasierungen wie Stil- und Epochenbegriffe herrschten und vergingen, ohne dass wir die Frage nach Kausalitäten und Funktionen wagten, die ja vom Eigentlichen, dem inkommensurablen Kunstwerk oder – noch einmal gefiltert und entmaterialisiert – vom Künstlerischen des Kunstwerks ablenkte.
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| ABC der Transformation: Strategischer Essenzialismus

Von Julia Bringmann

Mit dem Begriff »strategischer Essenzialismus« prägte die Literaturwissenschaftlerin Gayatri Chakravorty Spivak ein Konzept, mit dessen Hilfe die Widerstands- und Handlungsfähigkeit von marginalisierten Gruppen in vermachteten politischen Feldern in den Blick genommen werden kann. Es adressiert eine immer wiederkehrende Problematik sozialer Bewegungen: ihre unmögliche und gleichzeitig notwendige Selbstrepräsentation.
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| Klasse an sich / für sich

Von Michael Vester

Die Ausdrücke »Klasse an sich«, »Klasse für sich« und »Klasse an und für sich«, die MARX zugeschrieben zu werden pflegen, finden sich bei diesem nicht. BUCHARIN etwa behauptet in seiner Theorie des historischen Materialismus (1922, §54), MARX verwende die Ausdrücke »Klasse an sich« und »Klasse für sich« in [Das] Elend [der Philosophie]. Doch dort und zumal in dem von BUCHARIN als Belegstelle zitierten Passus unterscheidet MARX »eine Klasse gegenüber dem Kapital«, in der eine »Masse« von Besitzlosen zusammengewürfelt ist, von einer »Klasse für sich selbst«, in die sich diese Masse über Konflikte, Erfahrungen und Organisation verwandelt (4/181). Die objektive Lage jener Masse geht ihrer intersubjektiven Realisierung voraus. Daher die auf den ersten Blick paradoxe Einsicht, die E.P. THOMPSON mit seinem Kontrahenten ALTHUSSER teilt, dass der Klassenkampf der Klasse (im vollen Sinn) vorausgeht. […]
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| Leben und Werk. Zur politischen Bedeutung einer biographischen Marx-Lektüre

Michael Heinrich

Runde Geburtstage bedeutender Persönlichkeiten beleben das Geschäft mit Biografien wie nichts anderes. Da macht auch Marx keine Ausnahme. Nachdem bereits 2013 Jonathan Sperbers »Karl Marx. Sein Leben und sein Jahrhundert« erschienen ist, kam diesen September nur wenige Tage, nachdem Jürgen Neffe »Marx. Der Unvollendete« präsentiert hatte, die deutsche Übersetzung der 2016 erschienenen Marx-Biografie von Gareth Stedman Jones heraus. Im nächsten Frühjahr, gerade noch rechtzeitig vor dem 200. Geburtstag, werde ich mich diesem Reigen anschließen und den ersten Band eines auf drei Bände angelegten Projektes vorlegen: »Karl Marx und die Geburt der modernen Gesellschaft. Biographie und Werkentwicklung«.
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| Das Phänomen Žižek. Marxismus und Pop-Philosophie

Von Timm Ebner

Das »Phänomen Žižek« lässt sich nur erklären, wenn man es in seine Segmente zerlegt.
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| »… vor allem revolutionär«. Marx und die Strategiefrage

Von Michael Brie

Die Vielfachkrise des globalen Kapitalismus findet ihre Entsprechung in einer Vielfachkrise der Linken. Und in diese Krise hinein fällt der 200. Geburtstag von Karl Marx und der 150. Jahrestag des Erscheinens des ersten Bandes des »Kapital«. Aber wie gehen wir um mit Marx und seinem Werk? Welche Bedeutung hat er heute für unsere Fähigkeit, die Welt praktisch zu verändern?

Liest man die vielen neuen Veröffentlichungen, drängt sich der Eindruck auf, dass die Rezeption der Marx’schen Werke den lebendigen Wald vor lauter gefällten Bäumen nicht sieht. Marx erscheint als einsamer Denker, bestenfalls noch von Engels sekundiert. Dadurch verbleibt das Warum, verbleiben die Antriebskräfte, die Marx’ Werk hervorbrachten, im Dunkeln.
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