| Feminism in Nigeria – By and for who?

by Minna Salami

To what extent does contemporary Nigerian feminism reflect Nigerian women’s realities?

I grew up in 1980s Lagos, in a chaotic but exciting city in a country which I love, but which struggles with a deeply ingrained male supremacist culture. Already as a child, I took notice and issue, that men had all the so-called “head” positions in our society; they were heads of state, heads of companies, heads of the army and heads of families. In school when we learnt about Nigerian history, we did not learn about notable people such as Funmilayo Ransome-Kuti, Margaret Ekpo, Charlotte Obasa, Oyinkan Abayomi or Queen Amina of Zazzau, or the many notable Nigerian women who played vital roles in shaping our nation.
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| NI UNA MENOS. INTERVIEW ABOUT FEMICIDE AND ITS POLITICAL MEANING

with Alex Wischnewski

Alex, you are actively involved with the platform »Keine Mehr« (Not One Less), whose aim is to bring the femicide debate to Germany. Why are you using the term femicide instead of talking about individual murders of women?

Femicide, or feminicide, is the killing of women and girls because of their gender. Every femicide involves the killing of a woman, but not every killing of a woman is a femicide. So it is not simply about differentiating between female and male victims.

Instead, the term is intended to make certain murders of women visible as a form of hate crime and to draw attention to the social context. On the one hand, this means understanding femicide as an extreme expression of unequal gender relations and a male desire to dominate. Numerous studies and reports have shown that the risk for women to be exposed to violence rises particularly when traditional gender arrangements are shifting – especially during and after a separation or divorce.
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| Holy Shit. Gender as a unifying theme for the Right

by Gerd Wiegel

The AfD’s family and gender politics

Racism, hostility towards refugees and authoritarianism are crucial elements in the ideology of the AfD (“Alternative for Germany”), the new right-wing party which gained around 12% percent of the vote in the 2017 parliamentary elections. When people are scandalised by AfD statements and actions, the focus is usually on these topics. They are central to the public image of the party and its parliamentary group also because the AfD links nearly all policies to the issue of immigration. At the same time there is a polarity within the AfD between the neo-fascist right and the national-liberal centre, mostly around where it stands on the social question. The right of the party is ethnicizing the issue of social conflict, while the centre puts emphasis on a nationalist policy of market radicalism. This dichotomy that is also closely linked to power relations within the party is bridged and blurred by an overarching broad consensus in another field. The issue of family and gender politics is crucial for the party’s ideology and articulated in a fiercly antifeminist way.
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| Ragpicking Through History: Class Memory, Class Struggle and its Archivists

by Tithi Bhattacharya

In 1990, I watched the Polish film maker Krzysztof Kieślowski’s Blind Chance (1981/1987) without registering the paralyzing potential of a particular scene.

The protagonist, Witek, meets an old Communist by chance on a train. As a result of that meeting Witek decides to join the Communist Party. Later, again by sheer chance, he runs into an ex-partner, also his first love. A beautiful, tender and fierce sex scene follows. In the calm of the after, Witek, almost absentmindedly, whistles the Internationale. His partner murmurs something approvingly. And then Witek says ‘How would you like it if I sang this everyday?’ The young woman recoils. She knows he has joined ‘The Party’. She leaves the room and his life.
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| Weil wir es wert sind. Eine queere Agenda von den Rändern her

Von Southerners On New Ground (SONG)

Zu den besten Traditionen unseres Kampfes als LGBTIQ* gehört es, dass wir uns immer wieder Vereinnahmung und Assimilierung widersetzen. Wir haben Dieins abgehalten, unser Leben auf Pride-Demos aufs Spiel gesetzt, wir waren bereit, Teil des Spektakels zu sein, und sogar willens, den gesammelten Hass auf uns zu ziehen – immer in der Hoffnung, dass uns dieser Einsatz der Emanzipation ein wenig näher bringt. Wir mussten mitansehen, wie sich eine Mainstream-LGBTIQ*-Bewegung herausgebildet und nach und nach von genau dieser Praxis verabschiedet hat. Viele von uns haben in den letzten Jahren eine Menge Zeit in Konferenzsälen und Hotelzimmern zugebracht, um diesem Mainstreaming der Bewegung etwas entgegenzusetzen. Das reicht aber nicht. Wir müssen stattdessen eigene Strategien entwickeln und neue Ressourcen erschließen, um eine Politik der Intersektionalität in wirklich alle gesellschaftlichen Bereiche und in alle Winkel des Landes zu tragen: in die Groß-, aber auch in die Kleinstädte, in die Schlafzimmer, ins Fernsehen, in die Vorstellungswelten der Menschen in diesem Land und auf dem ganzen Globus. Diese Strategien müssen all jene LGBTIQ*-Personen stärken, deren Interessen von der Mainstream-Bewegung nicht vertreten werden – und sie müssen gemeinsam mit bislang eher vernachlässigten Bündnispartnern entwickelt werden.
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| »Wir haben keine Zeit zu verlieren«

Ein Gespräch mit Caitlin Breedlove über SONG und Bündnisse gegen Rechts, ländliche Räume und darüber, wie Politik auch anders geht

SONG wurde 1993 gegründet, um LGBTIQ*-Personen im ländlichen Süden der USA zu organisieren. Nicht leicht in einer Region, in der die rassistische und homophobe Rechte schon immer stark war. Was habt ihr erreicht?

SONG hat einige starke Impulse gesetzt – hier im Süden, aber auch für die Queer- und Trans*-Bewegung in den USA insgesamt. Am wichtigsten ist, dass wir eine tragfähige Basis aufgebaut haben, denn NGOs haben oftmals kaum direkten Kontakt zu denen, die sie angeblich vertreten. Mit mehr als 11 000 Aktiven sind wir inzwischen eine der mitgliederstärksten LGBTIQ*-Organisationen des Landes. Durch gezieltes Organizing und kontinuierliche Arbeit vor Ort ist es uns gelungen, Menschen über die Grenzen von Race, Klasse, Alter und Geschlecht hinweg zusammenzubringen, und zwar um gemeinsame Ziele und Werte herum. Denn es geht neben politischen Interessen auch um die Bereitschaft, uns in dieser Arbeit selbst zu verändern.
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| Trotz allem! 
Einstiege in eine feministische Transformation

Von Margarita Tsomou

Ich sage es nicht gern, aber ich muss es zugeben: #MeToo war eine Revolution. Ich sage es deshalb nicht gern, weil ich als aktive Feministin Diskussionen um »No Means No« und Alltagssexismus immer als eine Art Einstieg in den Feminismus betrachtet habe. Deswegen verspüre ich heute eine Art enttäuschte Verwunderung darüber, dass Debatten um sexuelle Belästigung für so viel Wirbel sorgen können – als hätte die Öffentlichkeit zum ersten Mal davon gehört! Als hätte die Frauenbewegung nicht spätestens seit den 1970er Jahren sexuelle Gewalt zu einem zentralen Punkt einer feministischen Agenda gemacht. Und als hätten wir uns nicht in überwiegend unbezahlter Arbeit die Finger wundgeschrieben, um Sexismus breiter zu denken als den Kampf zwischen zwei Geschlechtern. Insofern halte ich nichts von der Fixierung auf Heterosexualität und dem Spektakel, das in den #MeToo-Debatten mitschwingt. Dennoch erleben wir gerade, wie sich diese der patriarchalen Heteromatrix anhaftenden Gewissheiten gegen das Patriarchat selbst richten. Also bin ich bereit, den Schritt mitzugehen und ihn produktiv zu machen, unter der Bedingung, dass weitere Schritte folgen werden. #MeToo muss nicht, kann aber als Einstieg in Debatten fungieren, die über Fragen der sexuellen Belästigung hinausweisen, die die unsichtbaren Dynamiken von Benachteiligung und Ausbeutung thematisieren und diese mit einer Kritik an der Funktion von geschlechtlicher Arbeitsteilung im Kapitalismus verbinden.
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| HKWM-Stichwort: Köchin

Von Frigga Haug

Der Lenin zugeschriebene Satz, die K solle den Staat regieren, schlägt eine emanzipatorische Schneise für Frauen und orientiert zugleich hin auf eine sozialistisch-demokratische Politik als Lernprojekt. Der Satz wurde vielfach aufgenommen, gedeutet, sogar in Gedichtform gebracht, schließlich metaphorisch genutzt als Buchtitel – Küche und Staat –, um Frauen zu ermutigen, sich politisch einzumischen, mit dem Ziel, »die gesellschaftlichen Verhältnisse so umzugestalten, dass alle Bereiche von allen herrschaftsfrei und also gemeinschaftlich geregelt werden können« (Haug/Hauser 1988, 7).
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| Gender als symbolischer Kitt. Warum das Konzept genutzt werden kann, um progressive Politiken zu delegitimieren

Von Weronika Grzebalska, Eszter Kováts und Andrea Pető

»Gleichwohl lässt sich von ihr sagen, dass sie die Leier spielt, während Rom brennt. Zu ihrer Entlastung sind zwei Tatsachen zu nennen: Sie weiß nicht, dass sie spielt, und sie weiß nicht, dass Rom brennt.« (Leo Strauss)

In seinen Betrachtungen zur neuen Politikwissenschaft charakterisiert Leo Strauss in »Liberalism Ancient and Modern« (1968)
 die Verfasstheit der Politologie mit einem bissigen Hinweis auf Kaiser Nero, der über den Dächern des brennenden Rom die Leier gespielt haben soll. Diese Metapher passt auch auf die fortschrittlichen Eliten im Zeitalter von Brexit und Trump: Sie pflegen eine Weiter-so-Attitüde, während die Grundfesten der liberalen Demokratie bröckeln. Zu dieser Elite zählen Mainstream-Politikerinnen und -Politiker, die dazu aufrufen, die »Demokratie zu verteidigen«, um den Status quo zu erhalten; dazu zählen Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, die die Rechtschaffenheit ihres Ansatzes proklamieren; dazu zählen politische Expertinnen und Experten, die technokratische Lösungen wie Gender-Mainstreaming verordnen; und dazu zählen auch feministische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die versuchen, sich gegen Neues und Unbekanntes dadurch zur Wehr zu setzen, dass sie jede Aufforderung, »Kompromisse zu machen oder Verständnis für andere zu zeigen«, kategorisch von sich weisen, wie manche es nach der Wahl von Trump getan haben, und die sich so hinter ihren starren Kategorien verschanzen.
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| Dein Geschlecht gehört Dir, Proletarier*In! Wie wir den Klassenkampf verqueeren können

Von Atlanta Ina Beyer

In linken Debatten wird häufig zwischen queeren Identitäts- und Klassenpolitiken unterschieden. Im richtigen Leben ist das Ganze freilich komplizierter. Denn auch queere Subjekte gehören sozialen Klassen an. Das Prekariat ist weder durchweg heterosexuell, noch lässt
es sich immer nur einem von zwei binären Geschlechtern zuordnen. Aber auch in der Debatte um »verbindende Klassenpolitiken« bleiben queere Perspektiven bislang meist ausgeblendet. Ein Problem der Bestimmung neuer Klassenpolitiken ist, wer als Klasse vorgestellt wird. Politiken der Repräsentation sind dabei bedeutsam: Repräsentation meint Darstellung, Vorstellung und Vertretung, die Spannweite des Begriffs reicht von der Ästhetik bis zur Politik (Schaffer 2008, 83). Diese Ebenen sind ohneeinander nicht zu denken.
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