| Das Land, in dem man nicht mehr atmen kann

Robert Cohen begann sein New Yorker Tagebuch eines „abwendbaren Abstiegs der USA unter Donald Trump” im November 2016. Es ist eine Chronik schier unglaublicher Nachrichten in schneller Abfolge, die einen neuen Autoritarismus und die gesellschaftliche Polarisierung unserer Zeit nachzeichnet. Vor einem Jahr wurde ein erster Teil, der die Zeit der ersten zwei Amtsjahre Trumps umfasst, im Wallstein-Verlag publiziert. Damals hatten wir daraus eine Auswahl von 16 Tageseinträgen veröffentlicht. In den letzten Wochen haben sich die Ereignisse einmal mehr verdichtet: Wir erleben sie hin- und hergerissen zwischen der Angst vor offenem Bürgerkriegsszenario mit Einsatz des Militärs im Inneren und der Hoffnung einer sich organisierenden neuen Bürgerrechtsbewegung. Erneut dokumentieren wir Einträge des Tagebuches mit freundlicher Genehmigung des Autors.
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| Die eigenen vier Wände sind nicht das, wofür wir sie halten

Es liegt nahe, die Corona-Pandemie als eine Naturkatastrophe zu klassifizieren und nicht als ein menschengemachtes Übel  – obwohl unschwer dagegen einzuwenden wäre, dass sich die Pandemie auf eine zoonotische Infektion zurückführen lässt, die Menschen zu verantworten haben, und dass das totalitäre Regime in China viele kostbare Wochen verstreichen ließ, bevor es sich um die Eindämmung des Virus bemühte. Inzwischen ist alles, was den Umgang mit Corona betrifft, jedoch so außerordentlich politisch und medial aufgeladen, dass es fast unmöglich ist, darin lediglich eine unentrinnbare Geißel der Natur zu sehen. Die Pandemie hat die vielfach unbeachteten Fäden und Verbindungen, die die meisten Bereiche unserer Gesellschaften durchziehen und zusammenhalten, freigelegt und sichtbar gemacht und zugleich tendenziell aufgelöst.
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| Was heißt Solidarität in Zeiten der Pandemie? – Online-Schwerpunkt

Nach wochenlangen Ausgangsbeschränkungen kehrt das öffentliche Leben zurück – eine prekäre Normalität. Während es in Europa ein gewisses Aufatmen gibt, gehen in anderen Teilen der Welt die Infektionen durch die Decke. Die Ärmsten haben kaum eine Chance, sich vor Ansteckung zu schützen und sind, wie eine neue Studie zeigt, auch hierzulande am stärksten gefährdet. Das Virus trifft nicht alle gleich: In Schlaglichtern zeigen wir, wie die Krise Ungleichheiten verstärkt: Trotz des Beifalls für die „Heldinnen der Nation“ haben Entgrenzung und Selbstausbeutung im Care-Bereich zugenommen.
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| Nahaufnahme: Alltag in der Krise

Die Pandemie trifft nicht alle gleich. Menschen in prekären Arbeits- und Lebensbedingungen erkranken und sterben überproportional häufig an Covid-19. Aber auch die Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus stoßen auf unterschiedliche Lebensrealitäten. Schulschließungen, Kurzarbeit, Social Distancing oder Homeoffice fordern den Alltag der Menschen verschieden heraus.

Der individuelle Umgang mit der Krise, die Ängste, die sie schürt und die Momente der Solidarität, die mit ihr einhergehen können, sind abhängig von Job, familiärer Situation und Wohnort. Wir haben verschiedene Menschen gebeten, von ihrer Corona-Zeit zu berichten und zu beschreiben, was diese mit ihnen gemacht hat.
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| Das Patriarchat ist nicht in Quarantäne

Ihr habt bereits im März mit dem Einsetzen der Ausgangssperre in Chile einen feministischen Notfallplan entwickelt. Inwiefern richten sich die Forderungen an den Staat und inwiefern geht es dabei um Selbstorganisierung?

Chile ist weiterhin das Wahrzeichen des Neoliberalismus in Lateinamerika. Und Neoliberalismus bedeutet nicht nur eine Politik der Privatisierung, sondern auch der radikalen Individualisierung von Verantwortung. So bestehen auch die staatlichen Reaktionen auf die Pandemie vor allem darin, an die Individuen und deren „rational choice“ zu appellieren.
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| Im Schatten der Pandemie – neue und intransparente Abschottungspraxen auf dem Mittelmeer

Die Coronakrise beschleunigt den seit Jahren fortschreitenden migrationspolitischen Abschottungsprozess der EU, im Zuge dessen Grenzschutzverantwortung an Drittstaaten ausgelagert wird und die Überwachung, Zurückweisung und Kriminalisierung von Menschen auf der Flucht zunimmt. Grenzüberwachungssysteme werden ausgebaut, während das, was an den EU-Außengrenzen geschieht, für die Zivilgesellschaft immer intransparenter wird.
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| Nicht allein ein »Doktor-Problem«. Weshalb es eine sozial-epidemiologische Perspektive auf Corona braucht

In der derzeitigen Covid-19-Pandemie sind Virolog*innen und Epidemiolog*innen viel gefragt. Zurecht, möchte man meinen, denn sie sind Expert*innen für den Aufbau, die genetische Entwicklung und die Ausbreitung des neuartigen Virus in der Gesellschaft. Wäre da nicht das so genannte Doktor-Problem: Fragen Sie zwei Ärzt*innen nach der Einschätzung Ihrer Symptomatiken und Sie bekommen drei Antworten! Verschiedene Einschätzungen und Antworten sind aber nicht Problem, wie viele meinen, sondern Kern wissenschaftlichen Denkens.
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| Neue Unsicherheiten in der Pandemie: Regierungshandeln und Alltagsbewusstsein in der Krise

Gut ein halbes Jahr ist vergangen, nachdem das neuartige Virus SARS-CoV-2 im Menschen entdeckt worden ist und sich rasch pandemisch verbreitete. In Europa scheint die erste Phase der exponentiellen Ausbreitung weitgehend durchschritten zu sein. Die Zahl der Neuinfektionen ist niedrig. Doch noch immer sind viele Aspekte des Virus wie die Übertragungswege, die Ansteckungswahrscheinlichkeiten oder die genaue Wirkungsweise im menschlichen Körper unbekannt, ebenso die Zahl der nicht entdeckten Infektionen und damit die tatsächlichen Todesraten. Einen Impfstoff zum Schutz vor Ansteckung und ein Medikament zur erfolgreichen Behandlung einer Infektion gibt es noch nicht.
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| Demokratische Biopolitik neu betrachtet: Antwort auf eine Kritik

Bryan Doninger hat in seiner jüngsten Intervention meinen Beitrag Against Agamben: Is a Democratic Biopolitics Possible?  kritisiert.  Seine wichtigsten Kritikpunkte lauten: a) Da ich dem im Werk von Michel Foucault verwendeten Begriff der Biopolitik nicht genügend Aufmerksamkeit schenken würde, hätte ich Anatomo-Politik und Biopolitik durcheinandergebracht. b) Deswegen sei mir auch entgangen, dass das von mir versuchsweise vorgeschlagene Konzept der demokratischen Biopolitik bereits im gegenwärtigen neoliberalen System umgesetzt wird, und zwar mit katastrophalen Folgen.
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| #WasWäreWenn – Wissenschaft in gesellschaftspolitischer Verantwortung

Sozialwissenchaftler*innen der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin äußern sich zu den Folgen der Corona-Pandemie. Sie befürchten eine sich zuspitzende Krise der Daseinvorsorge.

Wissenschaftliche Expertise hat zur Zeit einen ungewöhnlich hohen Stellenwert in der öffentlichen Debatte – meist von Virolog*innen oder Epidemiolog*innen. Nun habt ihr euch als Hochschullerer*innen aus den Bereichen Soziale Arbeit, Gesundheit und Erziehung – den sogenannten SAGE-Wissenschaften – zu Wort gemeldet. Wie kam es dazu?
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