| Die Bewegung der „Gelbwesten“- Revolte der Unterklasse?

Seit November brodelt es wieder einmal in Frankreich. Nachdem Staatspräsident Emmanuel Macron die Proteste von Gewerkschaften und Studierenden gegen seine Reformpolitik im Frühjahr erfolgreich abgewehrt zu haben schien, entstand spontan und unerwartet eine neue Bewegung. Sie unterzog die aktuellste Maßnahme von Regierung und Staatspräsident – die Erhöhung der Benzinpreise – einer Generalkritik. Es kam zu Protesten die zunächst „nur“ Kreisverkehre, Autobahnausfahrten und Supermärkte blockieren. Weil die die Teilnehmer*innen der Protestaktionen gelbe Westen tragen sollten, da diese in Fahrzeugen gesetzlich verpflichtend mitgeführt werden müssen, hatten die Proteste ein wirksames Erkennungszeichen als „Gelbwesten“. Die Protestierenden änderten nach wenigen Tagen ihre Taktik und versuchten ihr Anliegen in die französische Hauptstadt Paris zu tragen. Dabei kam zu militanten Auseinandersetzungen, welche die Intensität traditioneller Scharmützel zwischen linksradikalen Gruppierungen und der militarisierten französischen Bereitschaftspolizei CRS weit überschritten.
| mehr »

| Die komplexe Lage in Syrien und der Schimmer einer Lösung

Der syrische Bürgerkrieg mit seinen verschiedenen Akteuren, deren Handeln ganz unterschiedlichen Drehbüchern folgt, war stets teuflisch komplex, auch wenn es in den letzten Monaten ruhiger zu werden schien. Die Regierung in Damaskus kontrolliert mittlerweile 60 Prozent des Landes und die am meisten bevölkerten Zentren. Der Islamische Staat wurde weitgehend in die Flucht geschlagen, und die Rebellen, die sich Präsident Basar al-Assad widersetzen, sind fast gänzlich in die Provinz Idlib im Nordwesten des Landes abgedrängt. Doch plötzlich verschoben die US-Amerikaner die Linien; Russen und Israelis haben sich – womöglich – entzweit; die Iraner bestehen auf ihrem Standpunkt, und die Türkei versucht sich im multi-tasking gegenüber einer ungeordneten Front im Inneren.
| mehr »

| The Green Marx. Democratising Society’s Relation to Nature

The critique of Marx put forward by parts of the environmentalist movement and subsequently the Green Party targeted a central aspect of Marxian theory.[1] Marx’s notion presented in the Foreword to the ‘Critique of Political Economy’, according to which the development of the productive forces is determined by social relations, was interpreted by environmentalists in the sense that Marx simply favoured endless economic growth, a permanent expansion of man’s technological domination of the natural world allowing for the infinite appropriation of natural resources. From this perspective, socialism seemed to imply that the abolishment of capitalist ownership relations would mark only the beginning of unrestricted technological development. The result would be ever-increasing consumption, continuous destruction of the environment, and a depletion of natural resources robbing future generations of the latter. Despite the good intentions on behalf of humankind, the destruction of nature would ultimately bring suffering upon humans as well.
| mehr »

| Wisch und weg? Welche Chancen bietet die Online-Plattform Helpling für eine gerechtere Verteilung von Hausarbeit?

Online-Plattformen, auf denen Dienstleistungen gegen Entlohnung angeboten werden, etablieren sich spätestens seit der kommerzialisierten Zimmervermittlung AirBnB als Geschäftsmodelle. Sie betonen in ihrem Marketing das sharing, also das Teilen von Gütern und den Tausch, verfolgen aber klare Gewinninteressen. Das Unternehmen Helpling ist Teil dieser neuen digitalen Plattformökonomie. Die Website des internationalen Start-Ups mit Sitz in Berlin wurde 2014 von zwei IT- und Wirtschaftsingenieuren gegründet, deren Hauptgeschäft die Vermittlung von Putzkräften ist, die meist von privaten Haushalten oder kleinen Büros gebucht werden.
| mehr »

| »… wohin die Reise geht«. Öffentliche Investitionen im Gepäck: das Rucksack-Modell

Ungeachtet der brutalen Abschottungsversuche der «Wohlstandszonen» in Europa findet Migration statt. Zwar ist das «Recht zu bleiben» essenziell. Doch die nachhaltige Beseitigung der Ursachen von Flucht und Vertreibung ist unter den gegenwärtigen Kräfteverhältnissen zeitnah nicht zu erreichen. Ohnehin machen Menschen sich auf den Weg, migrieren, seit eh und je, ob freiwillig oder erzwungenermaßen. Die Gründe dafür sind divers und individuell sehr unterschiedlich. Deswegen braucht es Konzepte, die die notwendigen Bedingungen in den Aufnahmegesellschaften herstellen und zugleich die Freizügigkeit der Migrant*innen ermöglichen – damit Migration weder zu verschärfter Konkurrenz führt, noch Migrant*innen zwischen den Ländern in Europa hin- und hergeschoben werden.
| mehr »

| Populistisches Momentum? Lernen von Corbyn, Sanders, Mélenchon, Iglesias (Ein indirekter Kommentar zur Kampagne von #aufstehen)

Es ist die Zeit des Interregnums, noch immer. Im zehnten Jahr der großen Krise ist es in der Europäischen Union mittlerweile zu einer relativen ökonomischen Stabilisierung auf niedrigem Niveau gekommen, doch erlebten wir in vielen Ländern fortwirkende Umwälzungen des (partei)politischen Feldes. Mittlerweile ist auch die Stabilität in Deutschland vorüber, das politische Feld ist in Bewegung geraten. Ein Populismus von rechts bestimmt derzeit die politische Agenda. Vor dem Hintergrund einer mangelnden gesellschaftlichen Mobilisierung und der Fragmentierung der Mosaiklinken wird eine populistische Lücke auch auf der Linken vermutet, die es auszunutzen gelte. Die Frage ist, wie zu sammeln oder zu verbinden ist, bzw. wie ein populistisches Moment ein populares Projekt voranbringen könnte. Vielfach wird auf europäische und US-amerikanische Beispiele verwiesen. Was ist daraus zu lernen?
| mehr »

| »Wenn wir von Klassenkämpfen nichts verstehen, dann verstehen wir überhaupt nichts«

Im Gespräch mit dem italienischen Autor und Aktivisten Lorenzo Marsili spricht Ken Loach über die Rolle von Kunst in Momenten politischer Transformation, die Entstehung der arbeitenden Klassen, die Bedeutung von Klassenkämpfen und radikaler Veränderung.

Das Interview wurde während der Dreharbeiten für DEMOS geführt, einem Dokumentarfilm, in dem Marsili zehn Jahre nach der Finanzkrise in ganz Europa Beispielen transnationaler Solidarität nachgeht. DEMOS kommt in Kürze in die Kinos. 

Lorenzo Marsili: Die Diskussion um die Rolle der Kunst im Kontext von politischem Wandel hat eine lange Geschichte. Derzeit durchleben wir eine große geopolitische Transformation und globale Desorientierung. Welche Vision hast du hinsichtlich der Rolle, die Kreativität in solch einem Moment spielen kann?

Ken Loach: In der Kunst trägst du lediglich die Verantwortung, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Jeder Satz, der mit „die Kunst sollte…“ beginnt, wird falsch, weil er auf der Vorstellung oder Wahrnehmung derjenigen beruht, die schreiben oder malen oder beschreiben, welche Rolle Kunst spielen sollte. Wir müssen die grundlegenden Prinzipien herausstellen, nach denen Menschen in unterschiedlicher Weise zusammenleben können.
| mehr »

| Feminism in Nigeria – By and for who?

To what extent does contemporary Nigerian feminism reflect Nigerian women’s realities?

I grew up in 1980s Lagos, in a chaotic but exciting city in a country which I love, but which struggles with a deeply ingrained male supremacist culture. Already as a child, I took notice and issue, that men had all the so-called “head” positions in our society; they were heads of state, heads of companies, heads of the army and heads of families. In school when we learnt about Nigerian history, we did not learn about notable people such as Funmilayo Ransome-Kuti, Margaret Ekpo, Charlotte Obasa, Oyinkan Abayomi or Queen Amina of Zazzau, or the many notable Nigerian women who played vital roles in shaping our nation.
| mehr »

| Your Gender Is Yours, Proletarian! Queer Representations of Class in Folkbildningsterror

In leftist debate, queer identity politics and class politics tend to be dealt with separately. In real life, however, things are more complicated, as queer subjects always belong to social classes too. The precarious are neither all heterosexual, nor can they always be assigned to just one of two binary genders. Even in debates about connective class politics, queer perspectives are generally ignored. One problem in determining new class politics lies in the restrictedness of conceptualisations of (working) class subjects. Politics of representation – with their scope from aesthetic to political representation (Schaffer 2008, 83) – play an important part in this: Representation means depiction (Darstellung), conception (Vorstellung), and standing in for someone or something (Vertretung). These meanings are inextricably intertwined, inconceivable individually.
| mehr »

| OUR PEOPLE ARE WORTH THE RISKS: A SOUTHERN QUEER AGENDA FROM THE MARGINS AND THE RED STATES

Southerners On New Ground (SONG) is a regional Queer Liberation organization made up of people of color, immigrants, undocumented people, people with disabilities, working class and rural and small town, LGBTQ people in the South. We believe that we are bound together by a shared desire for ourselves, each other, and our communities to survive and thrive. We believe that Community Organizing is the best way for us to build collective power and transform the South. Out of this belief we are committed to building freedom movements rooted in southern traditions like community organizing, political education, storytelling, music, breaking bread, resistance, humor, performance, critical thinking, and celebration.
| mehr »