| Klassentreffen. Eribons »Rückkehr nach Reims«

Das Buch des französischen Soziologen Didier Eribon „Rückkehr nach Reims“ hat es in wenigen Monaten zur vierten Auflage gebracht. Die Resonanz im Feuilleton (Zeit, SZ, Welt, Junge Welt,
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| Über Laclau, die Multitude und Hegemonie

Ich möchte mich dazu äußern, was mir Laclaus Werk und der Dialog, den wir beide in den letzten Jahren geführt haben, bedeutet. Es war ein intensiver und zugleich kritischer Dialog, der von klaren Differenzen, aber auch großem Respekt gekennzeichnet war. Für mich stellt Laclaus Analyse eine neukantische Variante dessen dar, was sich als »post-sowjetischer Sozialismus« bezeichnen ließe. Bereits in der Epoche der Zweiten Internationale bot der Neukantianismus eine kritische Perspektive auf den Marxismus. Ohne ihn als Feind zu betrachten, versuchte er ihn seinen eigenen Zielen unterzuordnen und ihn in gewisser Weise zu neutralisieren. Die Kritik richtete sich gegen den politischen Realismus und die Ontologie des Klassenkampfes.
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| Negri und Laclau mit Klasse lesen

Der vorliegende Beitrag von Antonio Negri ist eine kritische Würdigung von Ernesto Laclau, der am 13. April 2014 verstarb. Mit zahlreichen Anleihen bei den Theorien von Althusser, Derrida und Lacan hat Laclau seit Mitte der 1980er Jahre gemeinsam mit Chantal Mouffe eine besondere Spielart des Postmarxismus entwickelt. Bekannt wurde er für eine hegemonietheoretische und postfundamentalistische Demokratie- und Populismustheorie. Dass es zwischen Laclau und Negri, wie Letzterer voller Wertschätzung betont, seit Langem einen Austausch gegeben hat, ist bemerkenswert, denn ihre Theorien und politischen Positionen differieren erheblich.
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| Die Transformation der Demokratie

Oder: die jakobinische Volkssouveränität

Der Jakobinismus und die aktuelle Demokratietheorie – ist das noch eine politisch relevante Beziehung? Oder handelt es sich hierbei um eine Frage von rein historischem Wert? In der Tat scheint der Jakobinismus heute nur noch zum politischen Schimpfwort zu taugen. Für Konservative und Liberale ist dies nichts Neues. Sie halten ihn schon immer für kriminelle Demagogie und Terrorismus im Schatten der Guillotine – er gilt ihnen als Ursprung aller totalitären Ideologien, die die Menschheit im 20. Jahrhundert heimsuchten.
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| Im Zweifel Populismus

Gespräch über Podemos und die Gefahren populistischer Politik

Beide Gesprächspartner gehen für Spanien von einer »populistischen Situation« aus, interpretieren den Impuls der 15M-Bewegung jedoch unterschiedlich. Íñigo Errejón hält populistische Elemente wie den Begriff der »echten Demokratie« oder auch den der »Kaste«, wie er in den spanischen Auseinandersetzungen verwandt wird, um den Gegner zu markieren, für politisch wichtig. Solche »leere Signifikanten« (Laclau/Mouffe) seien zentral, um einen neuen »Volkswillen« (Gramsci), einen gemeinsamen Bezugspunkt der Subalternen zu konstituieren. Garzón verweist dagegen auf die Gefahren, die solche populistisch konstitutierte Gemeinsamkeiten mit sich bringen: Diese seien notwendig sehr allgemein und unscharf in der Analyse der zu bearbeitenden Probleme. Auch bewegen sie sich jenseits von Differenzen innerhalb der Subalternen. Nach der populistischen Situation müssen jedoch auch die nächsten Schritte gegangen, Perspektiven tatsächlich verbunden werden. Dies sei eine große Herausforderung.
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| Interview: Piketty antwortet auf Kritiken aus der Linken

Eine Reihe Kritiker, etwa Branko Milanovic und Anwar Shaikh, haben nahegelegt, Ihre Arbeit in der klassischen Tradition der Wirtschaftswissenschaften anzusiedeln, insofern als dass sie Themen wie Klasse, Kapital und Arbeit wiederbelebt und sich makroökonomischen Fragen widmet – sie verstehen Sie also als Teil einer Tradition, die sich von Smith zu Keynes über Marx und andere dehnt. Wo sehen Sie selbst sich?

Ich versuche, einen Beitrag dazu zu leisten, das Thema Verteilung wieder ins Zentrum der ökonomischen Analyse zu bringen. In diesem Sinne kann meine Arbeit sicherlich als ein Versuch zur Weiterverfolgung einer Tradition angesehen werden, die im 19. Jahrhundert sehr bedeutsam war in ihrem Bemühen um die Untersuchung langfristiger Trends in der Verteilung von Einkommen und Wohlstand. Ich denke, Verteilung und Langfristigkeit wurden viel zu lange vernachlässigt.
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| Die Welt verändern, das Leben ändern

Kurzer Lehrgang zu einer Geschichte sozialer Kämpfe, die es zu entdecken und fortzuleben gilt

»Der einzige Kampf, der das Vergnügen lohnt, ist der Kampf der Individuen für die Konstruktion ihres Alltagslebens.«
Raoul Vaneigem, Situationistische Internationale

Wenn wir das richtige Leben im falschen zur Sache von Kämpfen um Lebensweisen machen, dann mag das in der aktuellen Transformationsdebatte neu sein: Solche Kämpfe selbst sind alles andere als neu. So kann die letzte große Epoche sozialer Kämpfe, die des Mai 68, als die Epoche verstanden werden, in der die verschiedenen sozialen Kämpfe erstmals ausdrücklich unter der Führung von Kämpfen um Lebensweisen standen.
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| KONTROVERS: Partizipation und Demokratie

Von liberaler Herrschafts­sicherung zur präsentischen Demokratie

Von Isabell Lorey

Die Frage der Partizipation taucht in repräsentativen Demokratien in der Regel dann auf, wenn jener wieder einmal eine Krise attestiert wird. Immer weniger BürgerInnen wollen sich in Parteien engagieren. Wenn sie politisch aktiv sind, dann eher in lokalen Plattformen, für Volksentscheide oder bei Protesten für oder gegen Infrastrukturprojekte. Das Engagement orientiert sich daran, das Lokale mitzugestalten, die Orte, an denen man lebt und gegebenenfalls auch arbeitet. Das kann demokratische Selbstorganisierung bedeuten, die zugleich im Interesse von Politik und Planung ist.
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| Pikettys Big Data

Im Unterschied zur linken, meist auf Armut fokussierten Bearbeitung der Verteilungs- und Ungleichheitsfrage steht bei Thomas Pikettys Capital (2014) die empirisch-historische Analyse der Entwicklung der obersten Einkommen und des damit verknüpften Reichtums im Mittelpunkt. Die internationale Forschungsgruppe, auf deren Arbeit der Band mit beruht, beansprucht, mit der World Top Income Database (WTID) die aktuell umfangreichste Datensammlung zur historischen Einkommens- und Vermögensforschung aufgebaut zu haben. Sie hat seit Anfang der letzten Dekade 22 Länderstudien publiziert, und 45 weitere sind in Arbeit. Die Analysen greifen überwiegend auf Steuerdaten zurück, da sie als einzige relativ konsistente lange Reihen ermöglichen. Von diesen schließen sie auf Einkommen (Dividenden, Zinsen, Vermietung etc.) aus Kapital und bewerten es nach Marktpreisen, wobei – falls vorhanden – auch andere Quellen herangezogen werden, sodass Aussagen über die Reichtumsentwicklung getroffen werden können.
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| Pikettys Big Data

Im Unterschied zur linken, meist auf Armut fokussierten Bearbeitung der Verteilungs- und Ungleichheitsfrage steht bei Thomas Pikettys Capital (2014) die empirisch-historische Analyse der Entwicklung der obersten Einkommen und des damit verknüpften Reichtums im Mittelpunkt. Die internationale Forschungsgruppe, auf deren Arbeit der Band mit beruht, beansprucht, mit der World Top Income Database (WTID) die aktuell umfangreichste Datensammlung zur historischen Einkommens- und Vermögensforschung aufgebaut zu haben. Sie hat seit Anfang der letzten Dekade 22 Länderstudien publiziert, und 45 weitere sind in Arbeit.
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