| Krise nach dem Coup. Herausforderungen für die Linke in Brasilien

Am Dienstag, den 18. Mai, tauchte eine belastende Audio-Aufnahme mit der Stimme des brasilianischen Präsidenten Michel Temer vom rechten Partido do Movimento Democrático Brasileiro (Brasilianische Partei der Demokratischen Bewegung) auf. In der Aufnahme ist Temer dabei zu hören, wie er mit dem Parteikollegen und früheren Sprecher des Abgeordnetenhauses, Eduardo Cunha, über Bestechung diskutiert. Cunha sitzt seit 2016 wegen Korruptionsvorwürfen im Gefängnis.
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| Populare Macht und bolivarianische Revolution

Munizipalismus in Venezuela

Angesichts des Siegs der Opposition bei den Parlamentswahlen im Dezember 2015 und der fortschreitenden Wirtschaftskrise ist die weitere politische Entwicklung in Venezuela ungewiss. Ungewiss ist ebenso, was von den partizipativen Strukturen auf kommunaler Ebene, die in der Ära Chávez aufgebaut wurden, Bestand haben wird.
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| KRISE IN BRASILIEN: DIE ANATOMIE EINER DEMONTAGE

Der britische Historiker Perry Anderson analysiert die Vorgeschichte des kalten Putsches

Nach einem grotesken Spektakel im Abgeordnetenhaus von Brasília und einer 20-stündigen Marathonsitzung im Senat ist Brasiliens linke Präsidentin Dilma Rousseff vom Amt suspendiert worden. Symbolträchtig hat Interimspräsident Michel Temer ein Kabinett weißer, grauer Männer installiert: Der gesellschaftliche Rollback auf breiter Front, der schon länger im Gange ist, soll nun von ganz oben beschleunigt werden. Doch innerhalb von 20 Tagen mussten bereits zwei Minister ihren Hut nehmen, der Widerstand auf der Straße wächst.
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| »Wir müssen im Alltag ansetzen«

Gespräch über rebellische Städte und Munizipalismus

Die sozialen Bewegungen in Brasilien waren in den letzten Jahren stark urbane Bewegungen. Insbesondere die Proteste im Sommer 2013 stellten stadtpolitische Themen wie Verdrängung, bauliche Megaprojekte und kostenlosen Nahverkehr ins Zentrum. Wie kommt das?
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| UNASUR: Ansätze zur zivilen Konfliktlösung

Die jüngere politische Dynamik Lateinamerikas lässt sich auch anhand der Logiken von Integration und Desintegration beschreiben. Von Norden aus versuchen die USA und Kanada seit vielen Jahren, Freihandelsverträge mit den Ländern Lateinamerikas abzuschließen, um Zugang zu zusätzlichen Absatzmärkten für ihre hoch technisierten Produkte zu erlangen. Gleichzeitig dominierten sie die im Geist der Truman-Doktrin gegründeten Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) und verhinderten eine selbstständige politische Entwicklung der Region. Mit den Wahlerfolgen linker Parteien und Bewegungen in zahlreichen Ländern Süd- und Mittelamerikas konnte diese tendenzielle Desintegration ab 1998 teilweise gestoppt werden.
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| Wo steht die Befreiungstheologie?

»Sie werden mich subversiv nennen und ich werde antworten: Genau das bin ich.
Ich lebe für den Kampf meines Volkes, mit meinem Volk schreite ich voran.
Ich habe den Glauben eines Guerilleros und liebe die Revolution.«

(Pedro Casaldáliga 1978)

In dem Gedicht von Pedro Casaldáliga – dem ehemaligen brasilianischen Bischof von São Félix – kommt eine Haltung zum Ausdruck, die für Christen in Lateinamerika und selbst die dortigen Bischöfe und Pfarrer nicht ungewöhnlich ist. Schon 1978 hatte Sérgio Mendes Arceo, damals Bischof von Cuernavaca in Mexiko, erklärt: »Der Sozialismus ist wichtiger für die Entwicklung der Menschheit im 21. Jahrhundert als jede andere Idee.« Später auf Kuba, wo er Fidel Castro besuchte, verkündete derselbe Bischof: »Es gibt keine Widersprüche zwischen den Ideen des christlichen Glaubens und denen des Sozialismus. Wir müssen zwischen dem christlichen Glauben und der Revolution eine Verbindung schmieden.« (Cirardi 2001, 89 u. 93f).
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| Bolivien vor den Wahlen

Enge Grenzen für gesellschaftliche Debatten über Ressourcen und Verteilungspolitik

Bolivien befindet sich im Wahlkampf. Und das schon seit fast einem Jahr. Obgleich die Präsidentschaftswahlen erst im Oktober 2014 stattfinden werden, kann die politische Konjunktur nur in diesem Kontext verstanden werden. Eine Erfolgsmeldung folgt der anderen: Bolivien feiert den ersten Satelliten im All, Bolivien übernimmt die Präsidentschaft der G77-Staaten und Chinas innerhalb der Vereinten Nationen, die bolivianische Regierung weist NGOs aus, weil diese angeblich oppositionelle Akteure unterstützten[1].
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| Das leere Kostüm und der Mythos Subcomandante Insurgente Marcos

Am 25.5.2014 hörte der Sprecher des Zapatistischen Heeres der Nationalen Befreiung  – EZLN, der legendäre Subcomandante Insurgente Marcos, nach 20 Jahren auf zu existieren. Der Mann hinter der Maske ist nicht gestorben, sondern die so genannte Kunstfigur, die durch ihr Kostüm  – Uniform, Pasamontaña, Halstuch, Mütze, Pfeife -, ihre Reden, Geschichten und Erzählungen in der ganzen Welt bekannt war, wurde von dem Dahintersteckenden – oder besser den Dahintersteckenden, denn es waren mehrere -, aufgegeben.
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| Die Juni-Proteste in Brasilien

Fußball – und Protest

Fifa-Chef Sepp Blatter standen bei der Eröffnungsfeier des Confederations Cup am 15. Juni 2013 die Schweißperlen auf der Stirn. Es war warm, doch wird das kaum der einzige Grund für seinen Schweißausbruch gewesen sei. Er und die neben ihm sitzende Präsidentin Brasiliens, Dilma Rousseff, wurden von den anwesenden Fußballfans gnadenlos ausgepfiffen. Und draußen vor dem Stadion demonstrierten die Brasilianer_innen ebenfalls zu Tausenden.
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| Februar-Traumata. Der dritte Aufstand der venezolanischen Rechten

Man möchte gern an die demokratischen Slogans der jungen Menschen glauben, die sich in den Straßen von Caracas versammeln. Doch die Studierendenrevolte, die Teil der rechten Opposition in Venezuela ist, ist in ihrer Treue zu den Verfassungsgrundsätzen des bürgerlichen Liberalismus nicht glaubwürdig, wie viele Beispiele in der Vergangenheit gezeigt haben.
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