| Wer hat Angst vor der Zukunft?

Fragen und Dilemmata der Linken in Bosnien-Herzegowina

Als im Februar 2014 eine Welle von Sozialprotesten in Bosnien-Herzegowina kurzzeitig die herrschende Ordnung ins Wanken brachte, war dies ein Moment unerwarteten Optimismus. Zum ersten Mal nach Ende des Krieges 1995 rebellierte eine Basisbewegung gegen die ethnonationalistischen und kleptokratischen Eliten, die das ärmste Land Europas autoritär kontrollieren.
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| »DAS BISSCHEN BILDUNG …« − LuXemburg 2/2015


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| Master of Activism

Gespräch über die Möglichkeit, politischen Aktivismus zu studieren

Nehmen wir mal an, ich bin seit einigen Jahren politisch engagiert und habe von diesem Masterstudiengang für AktivistInnen gehört: Warum sollte ich mich dafür interessieren?

Die Menschen, mit denen wir arbeiten, bringen bereits ein solides Grundwissen darüber mit, wie Aktivismus in sozialen Bewegungen funktioniert. Sie wissen, warum sie sich als AktivistInnen betätigen, meist innerhalb einer ganz bestimmten Bewegung. Es ist häufig so, dass die Leute sich nur in ihrer eigenen Bewegung gut auskennen. Dabei halten sie einen Großteil von dem, was sie machen und wie sie es machen, für selbstverständlich. Sie folgen bekannten Routinen und lassen bestimmte Möglichkeiten und Handlungswege außer acht. Oft wird das natürlich noch durch die Tatsache verschärft, dass sie in einer Organisation aktiv sind, für die sie sich entschieden haben, bevor sie sich einen Überblick über das ganze Spektrum an Möglichkeiten verschafft haben.
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| Bildungsfernweh

»Jeder trägt sein Ablaufdatum,
weil das Leben ein Abfahrtslauf ist.
Immer hinunter. Nur wenige dürfen hinauf.«
Elfriede Jelinek

Wer von unten kommt, bleibt meist dort und krümmt sich. Der Mensch lässt sich viel gefallen, wo käme man sonst hin. Wer zum Licht, zur Welt hin will, stößt nicht selten oben an und wird zurückgestoßen; mangels Kraft und Geld siegt die Gewöhnung. Und nicht nur sie hat hier gedämpft, es wurde von obenher dem nachgeholfen, vor allem bei ärmeren Fragern, damit nicht zu viel und gar unangenehm gefragt würde. Wird einer gebildet genannt, so ist es für die Unteren eine Möglichkeit, ihn nicht ernst nehmen zu müssen.
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| INTERVIEW: Das Peter-Weiss-Haus als Ort linker Bildung

Was ist das Peter-Weiss-Haus?

Stefan Nadolny: Das Peter-Weiss-Haus (PWH) gibt es seit 2009. Jedes Jahr finden hier 600 bis 700 Veranstaltungen statt: Ausstellungen, Lesungen, Vorträge, Seminare, aber auch Proben freier Theatergruppen. Und die jährliche Peter-Weiss-Woche. Das Haus bietet Freiraum für vieles, von der Aktionsvorbereitung über Konzerte bis hin zur Zeitungsredaktion. Politisch verstehen wir es als Ermöglichungsstruktur. Das heißt, wir bieten Menschen Raum und Ressourcen für eingreifende Praxen.
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| Child Care Crisis

Kinder, Politik und Transformation

»Kinder sind unsere natürlichen Feinde.
Wenn es sie nicht gäbe,
so wäre die Menschheit längst in unserer Gewalt.
Wir brauchen jede Stunde, Minute, Sekunde
der gesamten Menschheit.«
Die grauen Herren in »Momo« von Michael Ende

Wer das Kinderbuch Momo noch kennt, weiß, dass es darin um einen Kampf um Gemeinsamkeit, Zeit und Lebendigkeit geht. Die Geschichte handelt von einem Mädchen, das gut zuhören und gut spielen kann. In Momos Welt treiben graue Herren die Menschen dazu, Zeit zu sparen und all ihr Tun der reinen Produktivität unterzuordnen. Was dabei verloren geht, ist gegenseitige Sorge und lustvolles Leben, Spielen und Arbeiten.
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| Kein Warten auf Godot

Plädoyer für eine linke politische Bildungspraxis

Estragon: Komm wir gehen!
Wladimir: Wir können nicht.
Estragon: Warum nicht?
Wladimir: Wir warten auf Godot.
Estragon: Ach ja.
(Warten auf Godot, Samuel Beckett)

Alle gesellschaftlichen Phänomene existieren, weil sie Menschen machen. Auch der Kapitalismus. Die Linke ist genauso Teil des Problems und hat kein Recht, die Dinge aus einer Mondperspektive abwartend zu betrachten.
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| Kein Liebesdienst für die gute Sache

Warum kritische Bildung gute Bedingungen braucht

»Nicht existenzsichernd.« So beschrieb Bernd Wittich (2007) die Einkommen von DozentInnen der politischen Bildung. Die Arbeitsbedingungen von soloselbständig Lehrenden haben aber nicht nur Konsequenzen für deren Lebensgestaltung, sie gefährden auch das Potenzial von emanzipatorischer Bildung als Teil eines hegemoniekritischen Projekts.
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| Das Politische der Bildung

Fallstricke kritisch-emanzipatorischer Bildungsarbeit

Ein zentrales Problem beim Reden über kritisch-emanzipatorische Bildung besteht darin, dass hier drei Begriffe zusammengeführt werden, die schon deshalb dubios sind, weil sich kaum jemand finden lässt, der das durch sie Bezeichnete ablehnt. Kritik, Emanzipation und Bildung sind »Fahnenwörter«, wie der Linguist Clemens Knobloch bemerkt, also Floskeln, die etwas bezeichnen, das man gut finden soll.
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| Strategisches Lernen

 

»I came to theory because I was hurting –
the pain within me was so intense that I could not go on living.
I came to theory desperate, wanting to comprehend –
to grasp what was happening around me.
Most importantly, I wanted the hurt go away.«
(hooks 1994, 59)

An einer Stelle ihres Werkes bemerkt die postkoloniale Theoretikerin Gayatri Chakravorty Spivak, dass es darum gehen müsse, Privilegien als einen Verlust zu betrachten. Dies dreht die Vorstellung um, dass es vor allem darum gehe, Privilegien abzugeben und/oder sich dieser zu schämen. Die Idee, Privilegien als Verlust zu betrachten, erkennt, dass diese, bleiben sie unreflektiert, das kritische Denken vernebeln und die Imaginationshorizonte einschränken.
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