| Internationalismus 3.0

Von Olaf Bernau

 

Bewegungsfreiheit allein reicht nicht.

Nicht nur innerhalb der EU ist die Beschäftigung mit Fluchtursachen zu einem buchstäblichen Dauerbrenner avanciert. Auch in linken Debatten und Publikationen spielt das Thema eine zunehmend stärkere Rolle. Anders als bei der EU geht es allerdings nicht darum, die Zahl ankommender Geflüchteter und Migrant*innen zu reduzieren. Im Zentrum steht vielmehr die Frage, inwiefern Flucht und Migration als Kehrseite eines endgültig aus den Fugen geratenen neoliberalen Kapitalismus zu begreifen sind – ganz im Sinne des von selbstorganisierten Geflüchteten bereit seit langem propagierten Mottos: „Wir sind hier, weil ihr unsere Länder zerstört“. Folgerichtig erfreut sich auch die Forderung nach Bewegungsfreiheit vergleichsweise großer Zustimmung – ungeachtet prominenter Ausnahmen wie der von Sahra Wagenknecht.

Und doch: Diese in inhaltlicher Hinsicht durchaus offene Haltung geht bei beträchtlichen Teilen der bewegungs- und parteipolitischen Linken kaum mit praktischen Schlussfolgerungen einher, von ernsthaftem Druck auf der Straße ganz zu schweigen. Statt die Herausforderungen eines linken Fluchtursachendiskurses anzunehmen, wird die kritische Auseinandersetzung mit Nord-Süd-Themen – und somit auch Fluchtursachen – meist an NGO, Kirchen oder spezialisierte (Expert*innen-)Netzwerke delegiert. Und das mit hochgradig fragwürdigen Konsequenzen:

Während etwa für die Proteste gegen TTIP Hunderttausende mobilisiert werden konnten, hat sich in den vergangenen Jahren kein einziges Mal ein breites gesellschaftliches Bündnis formiert, das öffentlichkeitswirksam gegen die desaströsen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen Europa und Afrika – besser bekannt als EPA-Verträge (Economic Partnership Agreements) – Stellung bezogen hätte. Genau dies wäre jedoch zwingend erforderlich gewesen. Denn obwohl gerade mal 10 Prozent der afrikanischen Produkte auf dem Weltmarkt als konkurrenzfähig gelten, sehen die EPA vor, dass die Europäische Union 83 Prozent ihrer Produkte zollfrei nach Afrika exportieren kann. Kein Wunder also, dass der ugandische Handelsexperte Yash Tandon, der den WTO-Prozess seit 1995 kritisch begleitet, sein jüngstes Buch mit dem schlichten Titel „Handel ist Krieg“ versehen hat. Ganz ähnlich bei anderen, nicht minder dramatischen Konfliktlagen: Der seit 1996 andauernde (Bürger-)Krieg im Kongo, an dessen Folgen bereits über 6 Millionen Menschen gestorben sind, hat hierzulande – jenseits einer einschlägig interessierten NGO-Fachöffentlichkeit – kaum politische Auseinandersetzungen zur imperialistischen Rohstoffbeschaffung nach sich gezogen. Und das, obwohl alle Welt ganz genau weiß, dass es im Osten des Kongos nicht zuletzt um Erze wie Coltan geht, ohne die kleine elektronische Geräte wie Smartphones nicht funktionieren würden. Oder die aktuelle Hungerkatastrophe in Ostafrika: Hier bleibt es bezeichnenderweise der NGO medico international überlassen, auf den Zusammenhang zwischen kapitalistischer Interessenpolitik und Hunger aufmerksam zu machen. Von bewegungspolitischer Seite hingegen betretenes oder gleichgültiges Schweigen. Selbst die Großmobilisierung gegen den G20-Gipfel im Juli in Hamburg wird nicht als Plattform genutzt, um den Umstand zu skandalisieren, dass die 4 Milliarden Euro benötigter Soforthilfe bislang nicht zusammengekommen sind (Stand: April 2017) – und das obwohl 20 Millionen Menschen vom akuten Hungertod bedroht sind.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht darum, dass diese Zusammenhänge seitens der gesellschaftlichen Linken bestritten würden. Genauso wenig sollen wichtige Ausnahmen verschwiegen werden, zu denen nicht nur kleine, transnational verankerte Netzwerke wie die Kurdistan-Solidarität, Adopt a Revolution oder Afrique-Europe-Interact gehören, sondern auch größere Akteure, insbesondere die Klimagerechtigkeitsbewegung, die antimilitaristische Bewegung und die Bewegung für eine bäuerlich-ökologische Landwirtschaft. Nein, all das ist unstrittig. Das Problem ist vielmehr, dass diese Ansätze entweder geographisch und thematisch beschränkt bleiben oder sich vorrangig auf die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Europa beziehen, selbst dann, wenn sie einen programmatischen Brückenschlag Richtung Süden vornehmen. Entsprechend entfalten sie allenfalls punktuell Druck, ohne sich allerdings zu einem widerständigen, in substanziellen Nord-Süd-Allianzen verankerten Fluchtursachendiskurs zu verdichten, der die dominanten Verhältnisse spürbar beeinflussen würde. Und das wiederum hat auch damit zu tun, dass die hierfür erforderliche Empörung weitgehend abhanden gekommen ist. Die mitunter apokalyptisch anmutenden Lebensverhältnisse im Süden des Globus sind kein wirklicher Stachel mehr, der die Leute im Norden auf die Straße treiben würde. Wenn überhaupt sind es nur noch Einzelpersönlichkeiten wie der ehemalige UN-Sondergesandte für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, der mit der angebrachten Verve Klartext redet, wenn er etwa den Umstand geißelt, dass jedes verhungerte Kind ein ermordetes Kind sei.

Die Kritik an einer fehlenden globalen Solidarität ist keineswegs neu. Seit dem Kollaps der internationalistischen Solidaritätsbewegung Anfang der 1990er Jahre ist immer wieder die Frage aufgeworfen worden, wie an die Internationalismusbewegung der 1960er bis 1980er Jahre angeknüpft werden könnte, ohne deren teils grotesken Irrungen und Wirrungen erneut zu durchlaufen (vgl. Bernau 2010). Denn auch die als faktische Nachfolgerin fungierende globalisierungskritische Bewegung weist deutliche Schwächen auf: Sie ist zwar durch den Aufstand der Zapatistas initiiert und später im Rahmen von transnationalen Netzwerken wie Peoples Global Action groß gemacht worden, doch bereits bei den Anti-G8-Protesten in Genua (2001) sind südliche Akteure ungleich weniger stark in Erscheinung getreten als noch bei den Anti-WTO-Protesten in Genf (1998) und Seattle (1999) – von Heiligendamm ganz zu schweigen. Gleichzeitig hat das Erstarken rechter Bewegungen und Parteien einmal mehr schmerzlich vor Augen geführt, wie sehr solche antirassistisch und dekolonial gerahmten Nord-Süd-Perspektiven fehlen. Denn sie könnten in Gestalt eines linken, in unterschiedlichen sozialen Bewegungen verankerten Fluchtursachendiskurses rechtspopulistische Argumentationsmuster zumindest eindämmen – und das aus vier Gründen:

Erstens würde ein linker Diskurs zu Fluchtursachen dem bereits im Asylrecht angelegten und von Rechtspopulist*innen systematisch instrumentalisierten Versuch entgegenarbeiten, politisch Verfolgte und (Bürger-)Kriegsgeflüchtete gegen sogenannte Wirtschaftsmigrant*innen auszuspielen. Durch gezielte Aufklärung würde nicht nur die enorme Vielfalt von Flucht- und Migrationsursachen erkennbar werden. Vielmehr würde sich auch ein Verständnis dafür herauskristallisieren, inwieweit ökonomische Ausbeutung ohne politische Macht- und Dominanzverhältnisse gar nicht zu denken ist, bisweilen auch im Zusammenspiel mit der gezielten Diskriminierung spezifischer, beispielsweise religiöser oder sprachlicher Gruppen.

Eng damit verknüpft wäre eine zweite Wirkung: Sobald mehr Wissen darüber verfügbar wäre, weshalb Menschen überhaupt als Geflüchtete nach Europa kommen, würde es vergleichsweise schwieriger werden, Abschiebungen gesellschaftlich durchzusetzen. Und das nicht zuletzt deshalb, weil mehr Menschen über die etwaigen Konsequenzen solcher Abschiebungen Bescheid wüssten – so wie es derzeit in der Afghanistan-Debatte zu beobachten ist.

Drittens würde ein linker Fluchtursachendiskurs bedeuten, dass die EU-Regierungen sehr viel stärker gezwungen wären, Fluchtursachen offensiv anzugehen – zumal dann, wenn sie durch hohe Ankunftszahlen von Geflüchteten weiterhin unter Handlungsdruck stünden. Denn die kritische Öffentlichkeit wäre unter solchen Voraussetzungen nicht mehr bereit, absurde Feuerwehrpolitiken, wie im Rahmen des Valletta-Prozesses, hinzunehmen. Vielmehr bestünde allenthalben Einigkeit darüber, dass sich Fluchtursachen nicht gießkannenartig durch millionenschwere Entwicklungsprojekte bekämpfen lassen, sondern nur durch strukturelle Veränderungen auf den verschiedensten Ebenen – ob in den Handelsbeziehungen, der Fischerei- und Agrarpolitik oder bei Investitionsschutzabkommen.

Womit der vierte und wichtigste Punkt berührt wäre: Eine in der gesellschaftlichen Wirklichkeit verankerte Linke darf nicht so tun, als ob die Forderung nach offenen Grenzen widerspruchsfrei wäre. Denn wenn sie davon ausgeht (und das sollte sie tun), dass die kapitalistischen Besitz- und Verteilungsverhältnisse nicht über Nacht verschwinden werden, dann muss sie auch zur Kenntnis nehmen, dass ein anhaltend hoher Zustrom von Geflüchteten die Länder und Kommunen vergleichsweise schnell an ähnliche Kapazitätsgrenzen bringen würde wie bereits in der zweiten Jahreshälfte 2015. Denn es ist klar, dass nicht jedes Jahr zehntausende zusätzliche Lehrer*innen, Kita-Erzieher*innen oder Sozialarbeiter*innen ausgebildet werden können, um nur einige der diesbezüglichen Notwendigkeiten zu benennen. Das aber heißt: Wer sich mit Verweis auf die schwierigen Bedingungen in den Herkunftsländern für ein unverbrüchliches Recht auf Flucht einsetzt und dies aus guten Gründen mit der Forderung nach gleichen Rechten verbindet, muss auch dafür streiten, dass es durch geeignete Maßnahmen zu einer politischen, sozialen und ökonomischen Stabilisierung in den Herkunftsländern und somit auch zu einem Rückgang bei der Zahl neu ankommender Geflüchteter kommen kann. Dies zu tun, ist zum einen eine Frage der Glaubwürdigkeit, die auch für die aktive Integrationsbereitschaft der bereits ansässigen Bevölkerung wichtig ist. Zum anderen geht es um die Geflüchteten selbst. Denn die allermeisten hätten es durchaus vorgezogen ihre Länder nicht zu verlassen. Ein Recht, das seitens der Linken ebenfalls zu verteidigen ist, genauso wie das Recht zu gehen.

Anders formuliert: Die oft formulierte Sorge, wonach eine linke Auseinandersetzung mit Fluchtursachen unweigerlich den EU-Abschottungsbemühungen in die Hände spielen würde, scheint nicht wirklich plausibel. Denn die eigentliche Forderung lautet ja, dass soziale Bewegungen wieder beginnen sollten, Nord-Süd-Themen auf die politische Tagesordnung zu hieven. Wo dies geschieht, wird es früher oder später zur Herausbildung eines linken Fluchtursachendiskurses kommen, das heißt zu einer in der Gesellschaft breit(er) verankerten Haltung globaler Solidarität. Ein solcher Internationalismus 3.0 wäre nicht nur mit Blick auf die Fluchtursachen und die Geflüchteten selbst bedeutsam, sondern hätte auch das Zeug – hier wiederhole ich mich, Rechtspopulist*innen das argumentative Wasser abzugraben. Das ist der Grund, weshalb nunmehr sechs programmatische Eckpunkte zur Diskussion gestellt werden, die allesamt um die Frage kreisen, welche Kriterien ein linker Fluchtursachendiskurs erfüllen sollte, damit er die in ihn gesetzten Hoffnungen tatsächlich erfüllen kann.

 

Sechs Eckpunkte für einen linken Fluchtursachendiskurs

  1. Diversität der Fluchtgründe sichtbar machen: Viel zu häufig wird in der Fluchtursachen-Debatte mit pauschalen Schlagworten wie Krieg, Hunger oder Klimawandel operiert, die zwar nicht falsch sind, aber der Komplexität von Gesellschaften und den damit verknüpften Migrationsprozessen kaum gerecht werden. Ähnlich problematisch ist, dass selbst dann, wenn es konkreter wird, immer wieder die gleichen Beispiele zur Sprache kommen – etwa die leer gefischten Gewässer vor Senegals Küste oder die Dumping-Hühnchen, die die kleinbäuerliche Geflügelwirtschaft in Ghana kaputt machen. In diesem Sinne sollte ein emanzipatorischer Fluchtursachen-Diskurs mit einer gewissen Systematik arbeiten, weshalb stellvertretend aus einer diesbezüglich hilfreichen Broschüre der Bundestagsfraktion der Linken zitiert sei, die sechs Fluchtgründe benennt: Erstens „Armut, Reichtum und globale Ungleichheit“, zweitens „Tödlicher Freihandel“, drittens „Hunger und Agrarkonzerne“, viertens „Kriege, Terror und Militarisierung“, fünftens „Zugriff auf Rohstoffe und verantwortungslose Konzerne“, und sechstens „Klimawandel“. So sinnvoll ein solches Tableau ist, weist es doch Lücken auf: Genderbezogene Fluchtgründe fehlen in dieser Aufzählung beispielsweise genauso wie die Verfolgung von LGBTI-Personen. Jede Systematik sollte insofern konzeptionell offen bleiben. Und doch scheint es ungleich überzeugender, sich um eine gewisse Vollständigkeit zu bemühen, als willkürlich mit irgendwelchen mehr oder weniger zufällig ausgewählten Beispielen zu hantieren.
  2. Reale Zusammenhänge benennen, Scheinplausiblitäten vermeiden: Es ist nicht einfach, Vorgänge in anderen Ländern aus der Entfernung zu beurteilen. Umso wichtiger ist es, dass sich in einem emanzipatorischen Fluchtursachendiskurs eine Haltung herauskristallisiert, die darauf verzichtet, Länder vorschnell in irgendwelche scheinplausiblen Schemata zu pressen. Beispielsweise ist aus der Friedensbewegung oder der Partei Die LINKE immer wieder zu hören, dass die Menschen aus Mali fliehen würden, weil dort Krieg herrsche, was gerne in Zusammenhang mit der Anwesenheit der Bundeswehr gebracht wird. Doch dies ist nicht wirklich zutreffend. Fakt ist vielmehr, dass die allermeisten Menschen, die den Norden Malis aufgrund der extrem schwierigen Sicherheits- und Versorgungslage verlassen, entweder in Nachbarländern unterkommen (was inzwischen nur noch sehr wenige Menschen betrifft) oder aber in den Süden des Landes gehen. Denn dort, wo über 90 Prozent der Bevölkerung leben, herrscht weitgehend Sicherheit – im Unterschied etwa zu Afghanistan, wo es solche Gebiete nicht gibt. Dass gleichwohl tausende Menschen aufbrechen, hat im Falle Malis ganz andere Gründe: Zum einen ist Migration eine tief im gesellschaftlichen Gefüge verankerte Praxis, worauf ich gleich noch näher eingehen werde. Zum anderen ist die soziale Lage katastrophaler denn je, auch deshalb, weil die ohnehin äußerst knappen staatlichen Ressourcen durch den Konflikt im Norden des Landes überproportional stark absorbiert werden. Konkreter: 90 Prozent der Beschäftigten sind in der informellen Ökonomie tätig, die Alphabetisierungsrate beträgt 33,1 Prozent, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 54 Jahren. Nicht der Krieg, sondern die Perspektiv- bzw. Hoffnungslosigkeit treibt die Leute davon – eine paradoxe Mischung aus Aufbruchsstimmung und Fatalismus, die sich unter anderem in dem häufig zitierten Slogan „Europa oder der Tod“ widerspiegelt.
  3. Multiple Fluchtverursachung: Flucht und Migration sind in aller Regel das Ergebnis verschiedener Faktoren. Gleichwohl werden immer wieder – nicht zuletzt von einschlägigen NGOs – spezifische Ursachen ins Zentrum gerückt. Das aber ist problematisch, wie am Beispiel der viel diskutierten Figur des „Klimaflüchtlings“ deutlich wird. Zahlreiche Studien zeigen, dass gerade Klimageflüchtete vorwiegend nahräumlich Schutz suchen, allein deshalb, weil sie nicht die nötigen Geldmittel haben, um weiter weg zu gehen. Zudem haben andere Untersuchungen ergeben, dass beispielsweise durch (klimawandelbedingte) Hurrikans verursachte Zerstörungen dort nicht zu verstärkter Migration führen, wo es umfangreiche Wiederaufbauhilfen gibt. Statt Fokussierung auf Einzelursachen sollte also gefragt werden, weshalb relevante Teile der Weltbevölkerung derart arm sind, dass sie dem Klimawandel mehr oder weniger ungebrochen ausgeliefert sind. Denn dann würde sich rasch abzeichnen, dass die Menschen von vielfältigen Rahmenbedingungen in Mitleidenschaft gezogen werden – und somit nicht nur Klima-, sondern auch WTO- oder IWF-Geflüchtete sind. Derartige Verschränkungen zu berücksichtigen, ist im Übrigen auch deshalb wichtig, weil nur so übergeordnete Zusammenhänge nachvollziehbar werden. Beispielsweise zahlen internationale Bergbaukonzerne im globalen Süden oftmals märchenhaft niedrige Steuern, was daran liegt, dass den betreffenden Ländern im Rahmen verschuldungsbedingter IWF-Strukturanpassungsprogramme obszön unternehmensfreundliche Investorengesetze aufgezwungen werden. In der ersten Internationalismusbewegung war solches Kontextwissen noch vergleichsweise selbstverständlich. Unter Stichworten wie der Dependenz- oder Weltsystemtheorie wurde damals die historische Entstehung asymmetrischer Entwicklungen intensiv diskutiert. Demgegenüber sind derlei Rahmenerzählungen heute ungleich seltener geworden, was jedoch politisch und analytisch ein explizites Manko ist.
  4. Korrupte Staatlichkeit kritisieren: Viele Linke agieren äußerst zurückhaltend, wenn es um Klientelismus und Korruption im globalen Süden geht – das zeigt auch das oben zitierte Fluchtursachen-Tableau der linken Bundestagsfraktion. Hintergrund ist, dass in Europa die offiziell geäußerte Kritik an schlechter Regierungsführung bereits seit langem zu einer Strategie geworden ist, um von der eigenen Verantwortung für die zahlreichen Krisen im Süden des Globus systematisch abzulenken. Wer indes im Rahmen eines linken Fluchtursachendiskurses südliche Regierungen schont, verkennt, dass schlechte Regierungsführung unmittelbares Ergebnis davon ist, dass die reichen Länder nicht nur im Kolonialismus, sondern auch danach auf unterschiedlichste Weise willfährige, d.h. politisch, ökonomisch und kulturell fremdbestimmte Regierungen bzw. Co-Eliten an die Macht gebracht haben. Erwähnt sei nur, um eine von vielen Konsequenzen zu benennen, dass bis heute in den allermeisten afrikanischen Ländern die ehemaligen Kolonialsprachen als offizielle Amtssprachen fungieren. Diese werden aber von 30, 50 oder 80 Prozent der Bevölkerung nicht gesprochen – was unter anderem von der jeweiligen Schulbesuchsquote abhängt. Folge ist, dass die Leute weder ihre Regierungen noch Verwaltungen verstehen können, was nicht nur den demokratischen Prozess zu einer bloßen Fassadenveranstaltung verkommen lässt, sondern auch die Wirtschaft spürbar schwächt. Anders ausgedrückt: Innen und außen sind nicht trennscharf, genauso wenig wie Geschichte oder Gegenwart. Beides sollte eine linke Kritik berücksichtigen.
  5. Migrationslogiken in den Blick nehmen: Fluchtursachen können nicht ohne detaillierte Kenntnisse von Migrationsprozessen entwickelt werden, allein um deterministische Verständnisse von Flucht und Migration zu vermeiden. Vor allem drei Aspekte seien in diesem Zusammenhang hervorgehoben: Erstens muss zur Kenntnis genommen werden, dass es immer nur eine kleine Minderheit ist, die tatsächlich geht. Denn Armut, Diskriminierung oder andere Konfliktlagen führen nur zur Flucht oder Migration, wenn im Rahmen schon bestehender Migrationssysteme andere Leute aus dem sozialen Umfeld ebenfalls aufgebrochen sind. Und selbst dann spielen individuelle Faktoren wie die ökonomische Situation der Familie oder der Ausbildungsgrad eine entscheidende Rolle. Zweitens sollte berücksichtigt werden, dass Migration im (west-)afrikanischen Kontext überwiegend zirkulär verläuft, das heißt die Leute gehen, oft im Rhythmus der Erntezyklen, um wiederzukommen. Auf diesen in der europäischen Debatte viel zu häufig vernachlässigten Sachverhalt hat unter anderem Alassane Dicko von der malischen Sektion von Afrique-Europe-Interact mehrfach hingewiesen: „Die zirkuläre Migration ist kein Konzept aus einer, sagen wir, westlichen Sprache. Sie ist auch mehr als ein Konzept, sie ist ein Paradigma, unser Paradigma – unser Beitrag zur Weiterentwicklung der Menschheit. Es ist ein menschliches Prinzip, die Energien zirkulieren zu lassen. Es geht um Migration, um Bewegung, um Geben und Nehmen. Das sollte Europa fördern, nicht blockieren“ (Dicko 2016). Drittens ist aus zahlreichen Ländern bekannt, dass gesellschaftlicher Fortschritt Migrationsbewegungen in einem ersten Schritt anwachsen, nicht zurückgehen lässt. In der Forschung ist deshalb von einem so genannten „Migrationsbuckel“ die Rede: Erst wenn ein jährliches Bruttonationaleinkommen von rund 4.000 Euro pro Kopf erreicht ist, nimmt die generelle Bereitschaft zur Migration wieder ab. Ein Sachverhalt, der keineswegs im Widerspruch zur zirkulären Migration steht, wie sie beispielsweise in den 1960er und 1970er Jahren – damals noch visafrei – zwischen Frankreich und zahlreichen west- und nordafrikanischen Ländern gang und gäbe war.
  6. Strukturelle Privilegien und gemischte Organisierung: Egal, wie überzeugend Flucht und Migration begründet werden, inhaltliche Argumente allein reichen nicht aus. Damit der hier propagierte Fluchtursachendiskurs seine oben beschrieben Wirkung tatsächlich entfalten kann, müssen auch die von der neoliberalen Globalisierung auf die Spitze getriebenen Prozesse der Vereinzelung und Vergleichgültigung zurückgedrängt werden. Zugespitzter: Es sollte in Europa ein Selbstaufklärungsprozess in Gang gesetzt werden, wonach die Verteidigung „westlicher“ Privilegien – ob offen propagiert oder verschämt eingeräumt – Ausdruck einer tief in der Geschichte des Kolonialismus verankerten eurozentristischen, ja rassistischen Haltung ist. In diesem Sinne kann sich ein wirkmächtiger Fluchtursachendiskurs nur dort entwickeln, wo es zu einer verbindlichen und gleichberechtigten Zusammenarbeit sowohl zwischen Geflüchteten und Nicht-Geflüchteten als auch zwischen südlichen und nördlichen Bewegungsakteuren kommt. Denn nur unter der Voraussetzung einer solchen keineswegs konflikt- und ambivalenzfreien Kooperation kann auch im Norden eine Haltung entstehen (vgl. Bernau in LuXemburg 3/4-2013), die sich jener Maxime verpflichtet weiß, welche einst von der südafrikanischen Aidsbewegung mit Blick auf die gleichberechtigte Verfügbarkeit anti-retroviraler Medikamente kreiert wurde: „Bis alle Menschen gleich viel wert sind!“

 

Literatur

  • Bernau, Olaf, 2010: Internationalistische Praxis nach dem Internationalismus, in: Phase 2, 37
  • Dicko, Alassane, 2016: „Es geht um Geben und Nehmen“, in: südlink, 175
  • Bernau, Olaf, 2013: Fragile Balanceakte. Das Beispiel Afrique-Europe-Interact, in: Luxemburg 3-4/2013

| »Wir kämpfen um jeden Meter«

Interview mit Diana Henniges von der Willkommensinitiative Moabit Hilft e.V.

Die Situation von Geflüchteten in Berlin war lange in den Schlagzeilen: Warteschlangen vor dem LaGeSo, überfüllte Turnhallen. Ihr habt den Senat immer wieder scharf angegriffen, 2015 eine Demo vor dem roten Rathaus organisiert. Seit Herbst regiert Rot-Rot-Grün. Was hat sich seither verändert?

Diana Henniges: Leider viel zu wenig. Das wird aber öffentlich anders wahrgenommen. Es sieht alles schöner aus – aber hinter den Kulissen geht der ganze Mist weiter. Das macht es uns schwerer, überhaupt noch Aufmerksamkeit zu erzeugen.
| mehr »

| »Wir wollen selbst unsere Situation verbessern«

Interview mit Trésor über das Engagement für die Rechte geflüchteter Menschen in Europa und Afrika

Du hast Voix des Migrants in Deutschland gegründet. Warum?

Ich habe am eigenen Leib erfahren, wie Migrant*innen in Deutschland in kompletter Isolation in Lagern leben. Damals galt die Residenzpflicht, das heißt, man durfte seinen Landkreis nicht verlassen, sich nicht weit vom Lager wegbewegen. Das Dublin-II-Abkommen schrieb vor, Asylverfahren hätten in dem ersten EU-Staat stattzufinden, den ein*e Asylsuchende*r erreicht. Später wurde mit Dublin III auch die Speicherung von Fingerabdrücken und weiteren Daten erlaubt. Ich wollte zu dieser Situation nicht länger schweigen. Nach vielen Gesprächen mit Freunden und Bekannten war klar: Wir müssen uns Gehör verschaffen und mit eigener Stimme für unsere Rechte kämpfen.
| mehr »

| »Druck von der Straße ist weiter bitter nötig«

Von AG »Recht auf Stadt« der Interventionistischen Linken

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe »…und die Stadt gehört euch? Statements aus stadtpolitischen Initiativen zu 100 Tagen Rot-Rot-Grün in Berlin«

Was hat sich mit dem Regierungswechsel verändert? Inwiefern seht ihr eine Wende in der Wohnungs- und Mietenpolitik?

Wir denken, dass der anhaltende Druck der mietenpolitischen Bewegung durchaus Wirkung gezeigt hat, zumindest in der Rhetorik. Noch 2011 hat die damalige Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg-Runge Reyer (SPD) behauptet:
| mehr »

| Mächtige Freunde und fiese Gegner – Bewegung in der Klimahauptstadt

Interview mit Oliver Powalla von Bürgerbegehren Klimaschutz

Dieser Beitrag ist Teil der Reihe »…und die Stadt gehört euch? Statements aus stadtpolitischen Initiativen zu 100 Tagen Rot-Rot-Grün in Berlin«

Wie schätzt ihr die Ausganssituation für die neue Regierung in der Klima- und Energiepolitik ein? Welche Probleme der vergangenen Jahre müssen angepackt werden?

Den rot-roten und den schwarz-roten Regierungen der Vergangenheit fehlte es an Ideen und Motivation, um eine sich rasant wandelnde Metropole im Sinne sozial-ökologischer Kriterien zu gestalten. Das heißt auch: Berlin ist in diesem Feld viele Jahre von ‚unten‘ regiert worden. Ohne die zahlreichen Volksbegehren hätte sich bei den zentralen Zukunftsaufgaben – Verkehrs- und Energiewende, Erhalt bezahlbaren Wohnraums und des Tempelhofer Feldes – nichts getan. Nach wie vor ist die Ausgangslage in der Energiepolitik aber verheerend. Berlin bezieht Strom und Wärme zu 95 Prozent aus fossilen Quellen. Es gab in dieser Stadt bislang keine Regierung, die ernsthaft versucht hat, daran etwas zu ändern.
| mehr »

| …und die Stadt gehört euch? Statements aus stadtpolitischen Initiativen zu 100 Tagen Rot-Rot-Grün in Berlin

Von Hannah Schurian

Mit linken Regierungsbeteiligungen verbinden soziale Bewegungen Hoffnungen wie Befürchtungen. Bieten sie eine Chance, progressive Politiken durchzusetzen oder vereinnahmen und schwächen sie soziale Kämpfe? Angesichts austeritätspolitischer Zwänge und verfestigter Machtstrukturen in Europa werden die Potenziale linker Regierungen in den Bewegungen zu recht skeptisch bewertet. Zugleich wirft dies umso dringender die Frage auf, wie eine Demokratisierung und Öffnung staatlicher Institutionen gelingen kann.
| mehr »

| Kontrovers: Was tun gegen rechts? Das Bündnis »Aufstehen gegen Rassismus«

Hanno Bruchmann vs. Christine Buchholz

Solidarität statt Abwehrkampf

Von Hanno Bruchmann

Der Rechtspopulismus sorgt national und international für Furore. Das Establishment versucht sich zu verteidigen, verschärft die Krisen aber permanent. Nach dem Brexit, dem Wahlsieg von Donald Trump und möglicherweise einer französischen Präsidentin Marine Le Pen wird die AfD bei der nächsten Bundestagswahl absehbar einen Erfolg einfahren.
| mehr »

| Die Platte gewinnen!

Gespräch mit Katalin Gennburg und Moritz Warnke

Über aktivierenden Wahlkampf in Berlin Treptow-Köpenick

Katalin, du hast in einem Wahlkreis, in dem das niemand erwartet hat, ein Direktmandat für die LINKE gewonnen. Wie hast du das gemacht?

Katalin Gennburg: Ja, das hat alle überrascht. Der Wahlkreis galt als ›ungewinnbar‹: Gentrifizierung im Treptower Norden, das Verschwinden der alten Ost-PDS und nicht zuletzt die Enttäuschung über die rot-roten Regierungsjahre in Berlin waren der Hintergrund für ein als sicher geltendes SPD-Mandat. Ein so intensives halbes Jahr Wahlkampf lässt sich im Nachhinein schwer zusammenfassen. Besonders wichtig war, dass wir ein offenes Wahlkampfteam gebildet haben.
| mehr »

| Mission Possible? Chancen und Grenzen des Rot-Rot-Grünen Regierungsprojekts in Thüringen

von Volker Hinck

Am 5. Dezember 2014 wurde Bodo Ramelow vom Thüringer Landtag zum Ministerpräsidenten gewählt und damit zum ersten LINKEN an der Spitze einer rot-rot-grünen Landesregierung. Seitdem kreisen viele Hoffnungen um das Thüringer Modell, nicht zuletzt der Wunsch, die Koalition möge veränderte Formen der Repräsentation erproben, gar ein gesellschaftliches Lager der Solidarität vertreten. Nicht immer ist es leicht, Hoffnungen und Realität gut ins Verhältnis zu setzen.
| mehr »

| Trumpiness

von Tadzio Müller

»Postfaktisch« ist das Wort des Jahres und ein mythomanischer Protofaschist wurde ins Weiße Haus gewählt. (Fast) die Mehrheit der US-Wähler*innen unterstützte Donald Trump, obwohl er ständig der Halbwahrheiten und eklatanten Lügen überführt wird. Warum ist das so?

Eine Erklärung ist, dass es sich um eine Reaktion auf die Ungleichheit in den USA, den Legitimitätsverlust des Systems und die Arroganz der Elite handelt. Das trifft sicher zu, ist jedoch bestenfalls eine Teilerklärung. Woher käme sonst der frenetische Jubel bei den Wahlveranstaltungen von Trump? Wäre er lediglich der Kandidat des Anti-Establishments, hätten die Leute auch die Grüne Jill Stein oder den libertären Gary Johnson unterstützen können.

Eine weitere Interpretation wäre, dass Politiker*innen immer lügen, Leute diesen Lügen auf den Leim gehen und Trumps Lügen die reaktionären Ansichten seiner Unterstützer*innen bedienen. Das mag auf einen Teil seiner Basis zutreffen, gilt aber sicher nicht für alle Trump-Wähler*innen. Und es ignoriert eine häufig beschriebene Tatsache: »Viele seiner Unterstützer glauben die wilden Behauptungen von Trump nicht – aber es ist ihnen egal«, wie die Washington Post schreibt (Johnson 2016). Sie unterstützen ihn nicht wegen, sondern trotz seiner Positionen. Ihnen geht es nicht um ›Inhalte‹, was wiederum erklärt, warum es Trump nicht schadet, wenn er der Lüge überführt wird.

post-truth-politics

Es geht um viel mehr als einen lügenden Politiker. Trumps politischer Diskurs ist ein ideales Beispiel dessen, was in Deutschland postfaktische Politik genannt wird. Der englische Begriff post-truth politics, also Postwahrheitspolitik, geht aber darüber hinaus – denn Wahrheiten sind mehr als Tatsachen. Während der deutsche Begriff den Eindruck vermittelt, dass hier lediglich bestimmte Fakten infrage gestellt werden, der bürgerlich-aufklärerische Kontext, in dem diese existieren, aber weiter besteht, so verweist der englische Begriff darauf, dass der ganze konzeptionelle Rahmen, in dem Fakten erst Sinn machen, ins Wanken gerät. Trumps politische Statements artikulieren keine klassischen Wahrheitsansprüche mehr. Deshalb können sie auch nicht mit den traditionellen Waffen der Ideologiekritik bekämpft werden. Für eine Konstellation, in der Trump inhaltlich sagen kann, was er will, um im nächsten Atemzug das Gegenteil zu behaupten – und in der ihm dies nicht schadet –, hat der Comedian Stephen Colbert in seiner Satiresendung »Late Show« den Begriff »Trumpiness« geprägt (Colbert 2016).

Dieser neuerliche Strukturwandel der Öffentlichkeit bedarf mehr als einer bloß technischen Erklärung à la ›Filterblasen in sozialen Medien‹. Er ist eminent politisch: Das Establishment hat die politische und mediale Wahrheitsproduktion wissenschaftlich und durch unzählige ›Expertenrunden‹ untermauert, um über Jahrzehnte eine Politik gegen die Interessen der gesellschaftlichen Mehrheiten durchzusetzen. Wahrheiten wurden so für viele gefährlich, wurden zu einer abzulehnenden Ideologie. So konnte der Tory Michael Gove im Brexit-Wahlkampf behaupten: »Die Leute haben genug von Experten!«

Die Unterstützer*innen Trumps folgen keinem Kandidaten, der sein politisches Programm rational begründet, der an ihre ökonomischen Interessen appelliert. Sie folgen einem, der fühlt, was sie fühlen, die Wut und die Enttäuschung, aber vor allem und vielmehr: das Begehren nach Anerkennung, danach, wieder dazuzugehören, etwas zu sein – über Handlungsmacht zu verfügen. »Make America(ns) feel great again.« Für Colbert ist Donald Trump deshalb der Politiker der Zeit: »ein emotionales Megafon für Wähler voller Wut« (ebd.). Sein Agieren stellt affektive Resonanzen her. Seine Unterstützer*innen bejubeln nicht den Inhalt seiner Sätze, sondern die Tatsache, dass dort jemand steht, der ihnen ein Gefühl von Stärke und Relevanz gibt, das sie seit Jahrzehnten nicht mehr gespürt haben. Owen Jones erinnert uns daran, dass Wähler*innen vor allem durch »moralische Identitäten und Werte« motiviert würden, auch wenn dies bedeutet, gegen ihre ökonomischen Interessen zu stimmen. Die Linke, so Jones jüngst im Guardian, lebte dagegen oft im Irrglauben, »dass es ausreichen würde, den Leuten die Fakten ins Gesicht zu schreien«, um sie zu überzeugen (Jones 2016).

Trotz alledem im Lebensrausch

Natürlich ist das alles nicht neu. Schon Spinoza argumentierte im »Tractatus politicus«, dass Menschen »mehr von Leidenschaft als Vernunft geleitet sind«. Es stellt aber die Linke vor enorme Herausforderungen. Wir können die rationale Begründung unserer Politik nicht preisgeben und müssen sie doch verbinden mit einer Politik, die es mit dem Gefühl der Ermächtigung aufnehmen kann, welches die Trump-Kampagne und andere Rechtspopulist*innen offensichtlich produzieren. Die Bernie-Sanders-Kampagne hat die Bedeutung von Emotionen und Leidenschaften erkannt. Entsprechend hieß es nicht »I agree with the Bern«, sondern »I FEEL the Bern«.

Eine attraktive linke Politik auf der Höhe der Zeit muss ihre spätaufklärerische Vorsicht und Skepsis gegenüber Körpern und ihren Affekten abschütteln. Sie muss, mit Rosa Luxemburg, trotz alledem im Lebensrausch stehen.

Literatur

Colbert, Stephen, 2016: The Word: Trumpiness, The Late Show, 18.7.2016, www.youtube.com/watch?v=NqOTxl3Bsbw

Johnson, Jenna, 2016: Many Trump supporters don’t believe his wildest promises – and they don’t care, in: The Washington Post, 7.6.2016

Jones, Owen, 2016: The left needs a new populism fast. It’s clear what happens if we fail, in: The Guardian, 10.11.2016